Robust und stabil steht die Ackerbohne auf dem Feld und liefert wertvolle pflanzliche Proteine.

Harte Schale, wertvoller Kern

Sie ist gesund und gedeiht oben am Berg besser als im Tal: die Ackerbohne. Maria Hecher Zingerle aus Antholz-Mittertal ist eine der Bäuerinnen, die diese alte Bohnenart noch anbaut, erntet und vermehrt. Und vor allem: Sie bringt sie auch auf den Teller.

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Leben

Die Ackerbohne, lateinisch Vicia faba L., ­gehört zur Gattung der Wicken. Sie ist die Bohne, die eigentlich am längsten im Alpenraum kultiviert wird. Bis ins 16./17. Jahrhundert war sie eine der wichtigsten Kulturpflanzen in Europa. Mit der Ankunft der Gartenbohne wurde sie aber zur Pferde- oder Saubohne heruntergestuft. Auch im Pustertal war sie eine alteingesessene Bohne, wurde aber von Feuerbohne und Gartenbohne fast völlig verdrängt. Eine, die sie noch in ihrem Acker aussät, ist Bäuerin Maria Hecher Zingerle aus Antholz-Mittertal. Maria spricht von der „Poan“. Sie hat zum Glück noch Samen der Pustertaler Ackerbohne und hegt und pflegt sie wie einen Schatz. Maria ist auf dem Haslerhof, einem Bergbauernhof über 1300 Meter Meereshöhe, aufgewachsen. Dort, auf dieser Höhe, gedeiht die Ackerbohne gut, denn die Pflanze mag es gern kühl. Maria erinnert sich gerne zurück. Damals wurde der Acker von Hand bearbeitet. Sie war als Kind immer mit dabei und hat mitgeholfen beim Bearbeiten des Bodens, beim Aussäen und beim Ernten. Dieses Wissen möchte Maria weitergeben, denn ihr ist es ein großes Anliegen, dass die Ackerbohne weiterhin in Gärten und Äckern zu finden ist. Sie war früher ein wichtiges Nahrungsmittel, weil sie sehr proteinreich ist. „Meine Mutter kochte sie mit dem Surfleisch in der Gerstensuppe. Das war für uns eine nahrhafte, vollwertige Mahlzeit.“ Vor allem für die Wintermonate war die Ackerbohne sehr wichtig, weil sie gut gelagert werden kann. Die Ackerbohne kann man zwar auch roh essen, da sie im Gegensatz zu herkömmlichen Bohnen wenig Phasin enthält. Meist wurde sie nach der Ernte aber getrocknet und gelagert, erzählt Maria. Sie erinnert sich: „Wir Kinder haben die Schoten vom Acker gestohlen und sie dann noch grün gegessen, weil wir ja sonst nichts zum Naschen hatten. Sie waren süß und gut.“ Ihre Eltern waren darüber natürlich nicht begeistert, denn für sie war die Ackerbohne als Wintervorrat wichtig. Deshalb sagte der Vater immer: „Stehlt ja nicht die ,Poan‘ vom Acker, da kommt der ,Blutschink‘ heraus. Trotzdem sind wir heimlich hingegangen und dann sind wir schnell weggelaufen.“ 

Ackerbohne: dankbare Pflanze
Maria beschreibt die Ackerbohne als eine unkomplizierte, dankbare Pflanze: „Sie gedeiht vor allem in höheren Lagen gut, verträgt Frost und Kälte und liefert hohe und sichere Erträge.“ Sie gibt die Samen Ende März bis spätestens Anfang April in die Erde, sobald der Boden aufgefroren ist. In tieferen Lagen sollte sie schon früher ausgesät werden. Maria legt die Samen vier Zentimeter tief, so keimen sie schnell. Sie können aber auch tiefer gesät werden, sieben bis acht Zentimeter tief, so macht ihnen die Kälte nichts aus. Anfang Juni blüht die Ackerbohne. „Ihre Blüten sind wunderschön!“, schwärmt Maria, „weiß und in der Mitte schwarz.“ Ihre Ackerbohnen werden 70 Zentimeter hoch, sie haben einen festen Stängel und einen aufrechten Wuchs. Sie benötigen kein Rankgerüst, sollen aber gestützt oder zur Erhöhung der Standfestigkeit in mehreren Reihen nebeneinander angebaut werden. „Wichtig ist aber, die Fruchtfolge zu beachten, neben der Gartenbohne mag sie es nicht“, ergänzt Maria. Im Spätsommer trägt die Pflanze dann die grasgrünen Hülsen. Im Spätherbst, wenn die Hülsen an der Pflanze schwarz und die Bohnen trocken sind, lässt Maria sie noch nachtrocknen. Dann werden sie ausgepult und in große Gläser abgefüllt. „Sie müssen ganz trocken sein“, erklärt Maria. 

Proteinreich und lagerfähig 
Heute noch wird bei Maria zu Hause die Ackerbohne in der Gerstensuppe gegessen. Sie macht aber auch einen Salat damit, mit geröstetem Speck. „Das schmeckt wunderbar“, schwärmt Maria. Im Ultental wird die Ackerbohne grünreif geerntet, als Schote also, und mit Erdäpfeln mitgekocht. Danach werden die weich gekochten Bohnen zu den Kartoffeln gegessen. Die Ackerbohne war Grundlage für viele Alltagsgerichte und wurde vielfältig genutzt. Sie war Kraftnahrung für die schwere Winterarbeit wie das Heuziehen. Oft wurden gekochte Ackerbohnen in der Hosentasche als Schuljause oder kleine Zwischenmahlzeit mitgetragen. „Ihr Geschmack ist schwer zu beschreiben“, sagt Maria, „ähnlich wie Bohnen, nussig und erdig. „Einfach gut!“

Wertvolles Saatgut
Die voll ausgereiften und getrockneten Bohnen wurden auch als Saatgut vermehrt. Dafür wurde ein Teil der Bohnen für die Aussaat im Frühjahr zurückbehalten. Nur die schönsten, dicksten und gesund aussehenden Bohnen wurden für die Aussaat gewählt. Das macht Maria heute noch so. „Das ist sehr wichtig, denn wir brauchen Saatgut, das hier bei uns gut wächst, auf unsere klimatischen Bedingungen angepasst ist. Antholz liegt auf 1250 Meter Meereshöhe, wir haben Nordwind. Die Vegetationszeit ist kurz.” Deshalb hegt und pflegt Maria nicht nur die Ackerbohne, sondern auch anderes Saatgut vom Haslerhof, z. B. Palerbsen, Leinsamen und Mohn. Marias Saatgutkiste ist groß – eine besonders wertvolle Vielfalt. Dieses Saatgut darf nicht verloren gehen. Maria möchte es weitergeben. „Wir wissen, was weltweit passiert mit dem genmanipulierten Saatgut und wir wissen nicht, wo die Reise hingeht. Deswegen ist es wichtig, dass wir lokale samenfeste Sorten erhalten. So geht die Vielfalt nicht verloren, wir müssen sie erhalten“, erklärt Maria. Im Austausch mit anderen Erhalterinnen und Erhaltern zu sein, ist wichtig, sagt Maria, dadurch lebt das Saatgut weiter. Im Gespräch spürt man die Ehrfurcht, die sie für das wertvolle Saatgut verspürt. Und sie hat eine Bitte: „Nehmt euch die Zeit, die Samen auszusäen, es zu probieren. Ihr werdet sehen, es schmeckt gut. Und sagt dem Herrgott danke, dass wir sie noch haben.“

Die Bäuerin Maria Hecher Zingerle kultiviert alte Kulturpflanzen und vermehrt sie weiter.

Ulrike Tonner

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