Bauernbund, Südtiroler Landwirt | 27.10.2022

Der Urlaubsgast, ein „homo aestheticus“

Was macht einen UaB-Betrieb einzigartig? Und wie kann man das mit Bildern ausdrücken? Bei der 22. Fachtagung für Urlaub auf dem Bauernhof bekamen Bäuerinnen und Bauern konkrete Tipps dafür. Auch die neue Website www.roterhahn.it wurde vorgestellt.

Mit „starken“ Bildern können Sehnsüchte geweckt, Begehrlichkeit geschaffen werden. Sie sind die Visitenkarte eines Betriebes.

Mit „starken“ Bildern können Sehnsüchte geweckt, Begehrlichkeit geschaffen werden. Sie sind die Visitenkarte eines Betriebes.

Fünf Erfolgsfaktoren für „starke“ Fotos verriet Stephanie Zorn bei der 22. Fachtagung für Urlaub auf dem Bauernhof. Sie fand am 18. Oktober im Kongresszentrum der Messe Bozen statt und lockte wieder viele Bäuerinnen und Bauern in die Messehallen, in der zeitgleich die „Hotel“ stattfand.

Zunächst erklärte die Referentin vom Beratungsbüro Kohl & Partner, wieso das Thema Bildsprache für UaB-Betriebe interessant ist. Sie lud Zuhörerinnen und Zuhörer dazu ein, sich die Frage „Wieso sollte sich ein Gast für meinen Betrieb als Urlaubsort entscheiden und nicht für einen anderen?“ zu stellen. Letztendlich gehe es um das Alleinstellungsmerkmal, das potenzielle Gäste dazu bringt, sich gerade für diesen bestimmten Hof zu entscheiden. Dabei spielt die Bildsprache eine tragende Rolle. Denn: „Die Bilder sind die Visitenkarte eines Betriebes“, unterstrich Stephanie Zorn.

Bilder können Sehnsucht wecken

Bilder können Sehnsüchte, Emotionen und Erwartungen wecken. Die Herausforderung für Bäuerinnen und Bauern bestehe darin, sich von der eigenen Betriebsblindheit zu lösen und sich selbst klar darüber zu werden, welche Besonderheiten der eigene Hof zu bieten hat: Das kann die schöne Lage sein, die gemütlichen Zimmer und Wohnungen, die Familie und ihre Gastfreundschaft oder das Angebot am Hof. „All das schafft Begehrlichkeit, auch wenn es für uns alltäglich ist“, stellte Zorn fest. 

Tausende Werbebotschaften, ein Bruchteil kommt an

Die Beraterin machte auch deutlich, dass durch die Sozialen Medien der Anspruch an die Bilder gestiegen sei, denn der Mensch sei ein „homo aestheticus“.  Täglich prasseln an die 6000 Werbebotschaften auf den durchschnittlichen Bürger/die durchschnittliche Bürgerin herein, nur etwa 0,0004 Prozent davon werden aber bewusst wahrgenommen“, erklärte Zorn. Ziel müsse es sein, zu diesem verschwindenden Prozentsatz dazuzugehören, also wahrgenommen zu werden. 

„Täglich treffen wir alle Unmengen an Entscheidungen, nur etwa 20 bis 30 Prozent davon treffen wir aber bewusst“, deshalb sei die emotionale Seite so wichtig. Denn: „Wir Menschen treffen unsere Entscheidungen meist emotional und begründen sie dann rational“, legte die Referentin offen, das sei beim Autokauf so, bei den neuen Schuhen oder eben auch bei der Wahl unseres Urlaubsortes.

Stephanie Zorn riet den Bäuerinnen und Bauern, lieber weniger Bilder und dafür wirklich gute, also starke Bilder zu wählen, denn was nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit steht, werde ausgeblendet. Und: Je mehr Emotionen ein Bild vermittelt, desto mehr Aufmerksamkeit bekommt es, desto mehr Emotionen ruft es hervor. 

Fünf konkrete Tipps

Was bedeutet das aber für den einzelnen Betrieb? Die Beraterin fasste ihre Tipps zusammen und definierte fünf Erfolgsfaktoren für echt starke Fotos: Sie rief dazu auf, keine Kompromisse bei der Qualität einzugehen. Es müssen professionelle Aufnahmen mit guter Auflösung sein, die bei guten Lichtverhältnissen aufgenommen wurden, und – sehr wichtig – zum jeweiligen Kanal passen. 

Bilder müssen Geschichten erzählen. Egal ob mit einem Einzelbild oder mit einer Bildreihe, starke Fotos strahlen Lebendigkeit aus, wecken Sehnsüchte und geben klare Urlaubsversprechen. Mit Bildern muss das Gesamterlebnis am Hof sichtbar gemacht werden. Das bedeutet, dass zu einem vollständigen Auftritt nicht nur der Hof und der Außenbereich sowie die Zimmer bzw. Wohnungen gezeigt werden müssen, sondern auch die Gastgeberfamilie, das Angebot, mit dem der Hof aufwarten kann, die Landschaft, in die der UaB-Betrieb eingebettet ist, und nicht zuletzt die Produkte, die man den Gästen bieten kann. „Das sind die sieben Bereiche, zu denen es Bilder braucht, und dabei muss immer herausgestrichen werden, was speziell auf ihrem Hof das Besondere, Einzigartige ist“, riet Zorn. 

Dabei müsse man aber immer echt und authentisch bleiben, mahnte die Beraterin. Deshalb sei es wichtig, eine einheitliche Bildsprache zu verwenden mit wenig Filter. Die Fotos dürfen nicht zu gestellt wirken, und vor allem sollen alle Jahreszeiten in den Bildern vorkommen. 

Zum Schluss riet Stephanie Zorn: „Bitte sparen Sie nicht bei den Fotos, investieren Sie in Ihren visuellen Auftritt!“ Wer bei den Bildern spare, „bezahle“ das mit weniger Buchungen und einem tieferen Preis. „Denn ist die Sehnsucht erst geweckt, sind Gäste auch eher dazu bereit, mehr für ihren Urlaub zu bezahlen!“, schloss sie. 

Neue Website für „Roter Hahn“

Einen neuen Internet-Auftritt, der die Wertigkeit des Angebots von Urlaub auf dem Bauernhof in Südtirol auch visuell noch besser unterstreichen soll, stellte Hans J. Kienzl, Leiter der Abteilung Marketing, vor. Unter www.roterhahn.it soll – voraussichtlich ab Februar 2023 – eine neue, frische, elegante Website online gehen, die zwar ein Tourismusportal bleiben soll, aber alle vier Säulen der Marke „Roter Hahn“ präsentiert. Gleichzeitig sollen bis 2025 alle Instrumente für Bäuerinnen und Bauern zur Verfügung gestellt werden, um UaB zeitsparend und benutzerfreundlich abwickeln zu können (mit Gästeverwaltungsprogramm, Channel-Manager, Online-Buchbarkeit …). Das dritte strategische Ziel ist, die Kommunikation zwischen Betrieben und „Roter Hahn“ über das Höfeverwaltungsprogramm zu digitalisieren, damit Bilder, Texte und Preise bequem von zu Hause aus eingepflegt werden können. 

„Die Betriebe werden künftig hochwertiger dargestellt, es werden viel mehr Informationen dazu geboten, der Genuss am Bauernhof bekommt eine Bühne“, hob Kienzl einige der Neuerungen hervor. Zudem habe man ein höheres Niveau in der Bildsprache angestrebt. Kienzl bat Bäuerinnen und Bauern bei dieser Gelegenheit, ihre Texte, Bilder, Preise und Angebote laufend zu aktualisieren, denn dadurch könne der neue Auftritt nur gewinnen.

Den ganzen Bericht finden Sie ab Freitag in der Ausgabe 19 des „Südtiroler Landwirt“ vom 28. Oktober ab Seite 12, online auf „meinSBB“ oder in der „Südtiroler Landwirt“-App.