Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 13.10.2022

Wir Bäuerinnen: bewegt, berufen, begeistert

Bäuerinnen lieben ihre Arbeit, dieses klare Bekenntnis liefert die Bäuerinnenumfrage. Die ­Auswertung macht aber auch deutlich: Die meisten Betriebe sind nicht mehr im Vollerwerb geführt, die Belastung der Frauen am Hof ist erheblich.

Die meisten Bäuerinnen lieben ihren Beruf nach wie vor, die Mehrfachbelastung nimmt aber deutlich zu.

Die meisten Bäuerinnen lieben ihren Beruf nach wie vor, die Mehrfachbelastung nimmt aber deutlich zu.

Über 97 Prozent der Bäuerinnen können die Frage „Freut Sie der Beruf der Bäuerin?“ mit Ja beantworten. Vor allem die Naturverbundenheit nennen viele als Grund dafür, gefolgt von Selbstständigkeit, der Freude an der Landwirtschaft und der freien Arbeitseinteilung. Auch die Selbstversorgung wurde bei der diesjährigen Bäuerinnenumfrage häufig als positiver Aspekt des Bäuerinseins angeführt. Rund 700 Bäuerinnen aus allen Landesteilen und aller Alterskategorien haben sich an der Umfrage beteiligt. Zum Welttag der Landfrauen am 15. Oktober werden die Ergebnisse vorgestellt. 

Landesbäuerin Antonia Egger erklärt: „Es ist uns wichtig, die Anliegen und Bedürfnisse der Bäuerinnen zu erheben, ihre Arbeitssituation, die soziale Struktur der bäuerlichen Familie, die betriebliche Struktur und auch die finanzielle Situation der Bäuerinnen.“ 

Masterstudentin und Bäuerin Petra Oberhollenzer aus Sarntal hat sich in den letzten Monaten intensiv mit den Daten der Bäuerinnenumfrage 2022 befasst und sie als Grundlage für ihre Masterarbeit zum Studium Innovation in Forschung und Praxis der sozialen Arbeit an der Universität Brixen verwendet. Sie ist selbst Bäuerin, denn sie hat einen Bauern geheiratet. Gemeinsam bewirtschaften sie einen Hof auf 1400 Metern Meereshöfe, haben ein paar Kühe und Mastvieh im Stall, einen Gemüsegarten und Wald.

Vollerwerb nicht mehr möglich

Trotz der positiven Einstellung und des klaren Bekenntnisses zum Beruf Bäuerin kamen aber auch durchaus negative Entwicklungen bei der Auswertung der Bäuerinnenumfrage zum Vorschein. Bei der Frage nach der Betriebsführung beantworten immer weniger Bäuerinnen, dass ihr Hof in Vollerwerb geführt wird. Waren es 2002 noch knappe 62 Prozent, so sind es im Jahr 2022 nur noch ca. 40 Prozent. 

Dieses Ergebnis wurde unter dem Aspekt der Art des Betriebes genauer betrachtet: Auf der einen Seite Obst- und Weinbau-, Kräuter- und Gemüsebaubetriebe, auf der anderen Seite Grünlandbetriebe mit Milchwirtschaft und andere Viehwirtschaftsbetriebe. In der Grünlandwirtschaft werden nur noch 30 Prozent der Betriebe in Vollerwerb geführt, während es bei Betrieben mit Intensivkulturen noch 67 Prozent der Betriebe sind. 

Existenzsicherung

Immer mehr Bäuerinnen geben an, dass sie zusätzlich zur Arbeit am Hof auch einem nicht-landwirtschaftlichen Beruf nachgehen. Das lässt einen Zusammenhang mit der höheren Berufsausbildung der Bäuerinnen als noch vor 20 Jahren vermuten. Sicher genießen auch viele Bäuerinnen die Möglichkeit, sich in einem eigenen Beruf zu verwirklichen. Die Frage nach den Gründen für den nicht-landwirtschaftlichen Beruf zeigt aber eine andere Realität. 70 Prozent der Bäuerinnen auf Grünlandbetrieben geben an, den nicht-landwirtschaftlichen Beruf als Existenzsicherung für den Hof auszuüben. Nur knapp 30 Prozent gaben Selbstentfaltung als Grund an. Bei den Betrieben mit Intensivkultur gehen knapp 45 Prozent der Bäuerinnen auswärts arbeiten, um den Weiterbestand des Hofes zu ermöglichen. „Man erkennt die wichtige Rolle, die die Frauen beim Erhalt der Höfe haben“, so Landesbäuerin Antonia Egger. 

Doppelte Belastung

Bei den Grünlandbetrieben fällt vor allem die Mehrfachbelastung auf. „Trotz des nicht- landwirtschaftlichen Berufes beteiligen sich 77 Prozent der Frauen täglich an der landwirtschaftlichen Arbeit am Hof“, analysiert Petra Oberhollenzer. Diese Doppelbelastung spiegelt sich auch in der Frage nach der körperlichen Überlastung wider. Hier antworten 25 Prozent der Bäuerinnen mit Grünlandbetrieb mit „Ja, ich möchte gerne etwas ändern“ oder „Ja, die körperliche Belastung ist groß, aber die Arbeit muss getan werden“. 

Die Rolle der Frau am Hof

Bei der Bäuerinnenumfrage hat man sich  auch die Rolle der Frau am Hof genauer angeschaut. Auffallend ist, dass es zwar noch immer wenig Betriebsleiterinnen gibt, die Zahl jedoch ständig steigt. Im Jahr 2002 waren es ca. zwölf Prozent, im Jahr 2022 sind es bereits ca. 20 Prozent der Betriebe, die eine Betriebsleiterin haben. So haben sich auch viele andere familiäre Aspekte am Hof in diesen zwanzig Jahren geändert: Die Kindererziehung erfolgt öfter partnerschaftlich, auch die großen Entscheidungen am Hof werden vermehrt gemeinschaftlich getroffen, und nahezu 90 Prozent der Frauen verfügen mittlerweile über eigene Geldmittel. Und doch lastet die Hausarbeit meistens noch alleine auf den Schultern der Frauen.]

Die allgemeine Entwicklung der Gesellschaft hin zu kleineren Familien macht auch vor der bäuerlichen Familie nicht halt. So gibt es immer weniger Mehrgenerationenhaushalte. „Das bringt auch Vorteile, jede Generation hat ihre eigene Wohnung. Dadurch gibt es weniger Konflikte am Hof“, meint Antonia Egger. Der Wunsch nach den eigenen vier Wänden wird in der Umfrage deutlich.

Den ganzen Bericht finden Sie ab Freitag in der Ausgabe 18 des „Südtiroler Landwirt“ vom 14. Oktober ab Seite 4, online auf „meinSBB“ oder in der „Südtiroler Landwirt“-App.