Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 13.10.2022

Nützlinge im Garten fördern

In einem gesunden Garten besteht ein Gleichgewicht zwischen Nützlingen und Schädlingen. Wer im Garten Nützlinge fördern möchte, muss ihnen Lebensraum, Nahrung und Überwinterungsmöglichkeiten anbieten. Wie das geht, erklärt dieser Beitrag. von Helga Salchegger

Der Tigerschnegel, ein Nützling im Garten: Damit er sich wohl fühlt, braucht er Unterschlupfmöglichkeiten. Foto: Helga Salchegger

Der Tigerschnegel, ein Nützling im Garten: Damit er sich wohl fühlt, braucht er Unterschlupfmöglichkeiten. Foto: Helga Salchegger

In der Natur hat jedes Lebewesen eine Funktion, es ist der Mensch, der ein Tier als Schädling und Nützling definiert. Je mehr Gleichgewicht im Lebensraum Garten herrscht, desto weniger Probleme ergeben sich. Um dieses Gleichgewicht zu fördern, sollte eine vielfältige Gemeinschaft gesunder Pflanzen am richtigen Standort stehen und vielfältige Kleinhabitate angeboten werden. 

Wenn eine Pflanze krank wird oder Schädlinge auftreten, sollte die erste Frage immer lauten, ob es der Pflanze an diesem Standort gut geht. Denn wenn Boden, Wasser, Licht, Klima oder Nährstoffe nicht zur Pflanzenart passen, wird sie geschwächt. Und geschwächte Pflanzen werden eher von Schädlingen und Krankheiten befallen.  

Eine nützlingsfreundliche Gartengestaltung hilft, damit Schädlinge nicht überhandnehmen. Nehmen wir das Beispiel Igel. Diese Säugetiere gehören für Gartenbesitzerinnen und -besitzer zu den Lieblingsbesuchern, weil sie sich als Raubtiere von ungeliebten Schnecken und Insekten ernähren. Aber sie sind anspruchsvoll: Rasen und Thujenhecken reichen nicht aus, um einen Igel zum Verweilen zu bewegen. Er braucht strukturreiche Gartenanlagen mit Holz- und Laubhaufen, mit Steinen und Gehölzgruppen oder Wildstrauchhecken mit dichtem Unterwuchs. Außerdem muss der Garten erreichbar sein: Für einen Igel muss der Zaun ein „Loch“ haben (ca. 12 mal 12 cm) bzw. die Mauer darf nicht hoch sein (mehr als 20 Zentimeter schafft ein Igel mit seinen kurzen Beinen nicht). Igel sind standorttreu, wenn sie ein optimales Zuhause finden: Laub-, Ast- oder lockere Steinhaufen, Plätze unter Gartenhütten und Baumwurzeln oder hohle Stammabschnitte im ungestörten Garteneck sind für ihn im Sommer ein Tagesversteck. Ab Mitte Oktober begeben sich Igel in den Winterschlaf. Im Herbst sind sie deshalb auf der Suche nach Futter und nach stabileren Quartieren, in denen sie die winterliche Ruhephase verbringen können. Wer ihnen im Garten etwas Gutes tun möchte, kann Igeln in einer ungestörten Ecke im Garten mit Strauchschnitt- oder Astlaubhaufen, die einen Hohlraum bilden, einen Unterschlupf bieten. Einen Haufen trockenes Laub mit Ästen abzudecken und die Ecken mit Steinen zu beschweren, ist auch eine Möglichkeit. Je größer der Laubhaufen, desto besser ist die Wärmedämmung. Selbst wenn das Laub im Garten einfach unter eine Hecke gerecht und dort belassen wird, profitieren Igel und andere Tierarten davon.

Helfer Marienkäfer

Marienkäfer sind praktische Helfer im Garten. Sie benötigen Futterpflanzen wie Dill, Steinkraut, Löwenzahn, Schnittlauch, Fenchel, Kümmel, Ringelblumen oder Klatschmohn. Die Lebensdauer eines Marienkäfers liegt bei rund drei Jahren, mit ein bis zwei Generationen pro Jahr. Die adulten Tiere legen die Eier auf den Blattunterseiten ab. Da­raus schlüpfen Larven, die sich räuberisch von Blattläusen, Schildläusen oder Spinnmilben ernähren. Die Käfer überwintern in Gruppen im Laub oder unter anderen Strukturen. 

Wenn die Blattlauspopulationen im Frühling zunehmen, kommen Marienkäfer als Regulatoren. Nach einem langen Winter, den die Käfer froststarr überdauert haben, brauchen sie als Erstes Futter: Hier sind heimische Frühblüher mit Pollen hilfreich. Findet ein Käfer bereits erste Blattläuse, verspeist er diese ebenfalls gern. Gestärkt durch das eiweißreiche Futter reifen im Weibchen Eier heran. Die länglich-ovalen gelben Eier klebt es in Gelegen zu etwa zehn bis 30 Eiern auf die Blattunterseite, am besten direkt neben den Blattläusen. Frisch geschlüpfte Marienkäferlarven stechen die Laus sogleich an und saugen sie aus. Fressende Larven helfen ihren Geschwistern bei der Futtersuche, indem sie einen Lockduft absondern, der den Weg zu den Blattläusen weist. Nicht jeder Frühling hält genügend Futter bereit. Ein kalter und trockener Frühling oder ein Wetterumschwung im falschen Moment kann das Futter für die Marienkäfer knapp werden lassen. Gibt es nur wenig Blattläuse, schrecken die Larven nicht davor zurück, ihre Artgenossen zu verspeisen, egal ob schwächere Larven oder Eier. 

Keine Angst vor Hornissen

Viele Menschen haben Angst vor Hornissen und sind daher versucht, die Tiere zu töten und ihre Nester zu zerstören. Hornissen besitzen einen Giftstachel, den sie zum Töten ihrer Beute und, wenn es nicht anders geht, zur Verteidigung einsetzen. Hornissengift ist jedoch nicht gefährlicher als Bienen- oder Wespengift. Es kommt zu einer Schwellung und Rötung, die bald wieder abklingen. Wie bei Bienen- oder Wespenstichen gilt natürlich, dass Stiche im Rachen oder Hals sofortige ärztliche Hilfe erfordern. Das ist bei Hornissen aber unwahrscheinlich, denn als stolze Insektenjäger interessieren sich Hornissen überhaupt nicht für den kuchengedeckten Kaffeetisch, sondern für fleischliche Frischnahrung wie Fliegen (Stuben-, Fleisch-, Schmeiß- und Goldfliegen), Bremsen, Wespen und Bienen. Aufpassen müssen wie bei vielen anderen Insektenstichen Allergiker: Sie reagieren auf bestimmte Eiweißkörper, die im Gift von Hornissen enthalten sind, mit heftigen allergischen Reaktionen. 

Hornissen sind aber eigentlich sanfte Riesen. Sie bleiben ohne vorausgegangene Störung friedlich und sind wesentlich scheuer und berechenbarer als Honigbienen oder Wespen. In der unmittelbaren Nähe des Nestes sind Hornissen aber dazu bereit, ihren Staat bei Störungen zu verteidigen. Im Umkreis von drei bis vier Metern um das Nest gilt grundsätzlich: Bitte nicht stören und keine hektischen Bewegungen! 

Nützliche Schnecken

Sogar bei den ungeliebten Schnecken gibt es nützliche Arten. Die Tigerschnegel sind nachtaktiv und bevorzugen tagsüber vor allem Orte, die sowohl schattig als auch kühl sind. So können sie sich unter Pflanzen vergraben oder auch unter Steinen und Brettern liegen. Auf diese Weise schützen sie sich vor Fressfeinden. Typische Rückzugsorte sind Stein- und Totholz- oder auch Komposthaufen. Die ausgewachsenen Tiere sind fleißige Schneckenjäger. Dabei fressen die Schnegel auch Schnecken von gleicher Größe – manchmal sogar Artgenossen – und gern Schneckeneier. Daher helfen sie, Schneckenplagen im Garten vorzubeugen. Tigerschnegel zählen zu den natürlichen Feinden der Spanischen Wegschnecke. Damit sich Schnegel wohlfühlen, benötigen sie tagsüber Unterschlupfmöglichkeiten, die sowohl schattig als auch feucht sind. Holz- und Steinhaufen dienen als Unterschlupf, in denen sich die Tiere verstecken können. Bedeckt man diese Haufen mit altem Laub, kann man zusätzlich noch für andere Nützlinge einen Unterschlupf anbieten. 

Den ganzen Bericht finden Sie ab Freitag in der Ausgabe 18 des „Südtiroler Landwirt“ vom 14. Oktober ab Seite 21, online auf „meinSBB“ oder in der „Südtiroler Landwirt“-App.