Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 29.09.2022

Aufgeschlossen sein für Neues

Die neue Weiterbildungsbroschüre der Bauernbund-Weiterbildungsgenossenschaft ist da. Das diesjährige Motto lautet: Aufgeschlossen sein für Neues und gleichzeitig an bewährten bäuerlichen ­Werten und ­Traditionen festhalten. von Christian Rainer

Bodenständig sein und doch mit der Zeit gehen: Diese Mischung bietet auch die neue Weiterbildungsbroschüre des Bauernbundes.

Bodenständig sein und doch mit der Zeit gehen: Diese Mischung bietet auch die neue Weiterbildungsbroschüre des Bauernbundes.

Wie schnell sich das gewohnte Umfeld verändern kann, in dem man sich persönlich, aber auch als bäuerlicher Betrieb bewegt, wird einem derzeit fast täglich vor Augen geführt. In aller Munde sind die rasant steigenden Energie- und Strompreise, welche die Betriebskosten für die bäuerlichen Betriebe regelrecht explodieren lassen.
Wer hätte sich vor einem Jahr gedacht, dass sich der Strompreis verdoppelt, ja gar verdreifacht?
Speziell Vieh haltende Betriebe haben zusätzlich noch mit extrem gestiegenen Futtermittelpreisen zu kämpfen. Auch dieser rasante Preisanstieg war in dieser Dynamik nicht absehbar.  

Als wäre dem nicht schon genug, kam im heurigen Sommer ein weiteres Szenario dazu, von welchem zwar schon länger gewarnt worden war, das dann aber schneller und heftiger eingetreten ist als befürchtet: das sich verändernde Klima und die damit verbundenen massiven Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Ganz konkret: eine Dürreperiode, wie sie Südtirol und der Großteil Europas wohl lange nicht gesehen haben. Plötzlich wurde das Wasser zum Bewässern der Obstwiesen, Felder und Äcker knapp; in der Grünlandwirtschaft fielen der zweite und dritte Schnitt mancherorts fast komplett aus. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass die Preise für Futter ob des geringen Angebots und der hohen Nachfrage noch weiter steigen werden. 

In unmittelbarem Zusammenhang mit dem Klimawandel und der Trockenheit steht ein weiteres neues Phänomen, das sich in Südtirols Wäldern beobachten lässt: der Borkenkäfer, der sich im heurigen Sommer rasant verbreitet hat. War der Borkenkäfer den meisten Südtirolern bislang nur vom Hörensagen bekannt, ist er mittlerweile in vielen hiesigen Wäldern ein nicht gern gesehener Stammgast. Die befallenen Bäume sind weithin als braune Flecken im Wald zu erkennen.

Mit raschem Wandel mithalten

Was hat das alles nun mit der Weiterbildungsbroschüre des Südtiroler Bauernbundes zu tun? Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler erklärt: „Unsere Welt ändert sich sehr rasch. In den letzten Wochen und Monaten haben sich im internationalen Weltgeschehen, aber auch auf regionaler und lokaler Ebene die Ereignisse fast überschlagen. Auch oder gerade die Landwirtschaft ist von diesen Ereignissen unmittelbar oder langfristig betroffen. Es gilt daher unbedingt, sich den rasant ändernden Rahmenbedingungen anzupassen bzw. darauf zu reagieren.“ Die nahezu explodierenden Energiekosten seien ein gutes Beispiel: „Jeder Einzelne von uns und die Landwirte im Besonderen müssen versuchen, das Beste aus der Situation zu machen und innovative Wege zu gehen. Persönliche und betriebliche Weiterbildung ist hierfür sicherlich ein vielversprechendes Hilfsmittel“, ist Tiefenthaler überzeugt. 

Sich weiterbilden bedeute, auf die rasanten Entwicklungen vorbereitet zu sein; sich nicht weiterbilden hingegen bedeute, stehen zu bleiben und damit zu riskieren, mit dem Geist der Zeit nicht mehr Schritt halten und auf allfällige Gegebenheiten nicht mehr angemessen reagieren zu können, unterstreicht Tiefenthaler anlässlich der Präsentation der neuen Weiterbildungsbroschüre. Diese wurde auch in diesem Jahr gemeinsam mit dem Beratungsring Berglandwirtschaft BRING und dem Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau erstellt.

Innovatives Angebot

Diesem Grundsatz und Gebot der Stunde folgend, wartet die neue Kursbroschüre wieder mit vielen innovativen Themen und Veranstaltungen auf. Der neue Leiter der Bauernbund-Weiterbildung, Patrick Frötscher, meint dazu: „Wir haben versucht, für unsere Mitglieder und alle an Landwirtschaft und landwirtschaftlichen Themen interessierten Bürger ein interessantes, ausgewogenes und vor allem auf aktuelle Entwicklungen angepasstes Weiterbildungsangebot auf die Beine zu stellen. Ich bin überzeugt, dass für jeden etwas dabei ist und dass die Bäuerinnen und Bauern unser Angebot wieder gut annehmen werden.“

Neu ist beispielsweise der Lehrgang „Arten und Vielfalt am Hof“. „Artenschutz, Umweltschutz und Biodiversität sind brandaktuelle Themen. Mit diesem Lehrgang wollen wir unsere Bäuerinnen und Bauern für die Wichtigkeit des Themas Nachhaltigkeit sensibilisieren und unseren Beitrag dazu leisten“, erklärt Frötscher. 

Besonders für Waldbesitzer hochaktuell ist der Borkenkäfer, weshalb die Bauernbund-Weiterbildung im Oktober erstmals ein Seminar zu diesem Thema anbietet: Ursachen der Ausbreitung, der Status quo in den Wäldern und vor allem Lösungsansätze sollen im Rahmen dieser Veranstaltung, die in Zusammenarbeit mit der Forstschule Latemar organisiert wird, aufgezeigt werden. 

In Zeiten hoher Inflation und steigender Preise in nahezu allen Bereichen ist der betriebswirtschaftliche Aspekt besonders wichtig, auch oder gerade für Landwirte. Das Kapitel „Unternehmen Bauernhof“ wurde daher aufgewertet und wartet mit einigen neuen Veranstaltungen auf. Das neue Seminar „Die Schuldenfalle vermeiden“ soll beispielsweise aufzeigen, wie man als Landwirt Investitionen tätigen kann, ohne sich jedoch zu hoch zu verschulden. Bei Milchbauern ist der stagnierende bzw. sinkende Milchpreis ein kritischer Erfolgsfaktor, weshalb die Bauernbund-Weiterbildung speziell für Milchbauern das neue Seminar „Risiken absichern in der Milch­wirtschaft“ auf die Beine gestellt hat. Verschiedene Möglichkeiten, den Betrieb auf den schwankenden Milchpreis sowie auf andere Risikofaktoren vorzubereiten, werden darin vorgestellt. 

Gerade im Bereich Urlaub auf dem Bauernhof hat sich in den vergangenen Jahren viel getan; die UaB-Betreiberinnen und -Betreiber haben hohe Summen in ihren Betrieb investiert. Angesichts der enorm gestiegenen Bau- und Baumaterialkosten gilt es aber auch hier, das Risiko gut abzuwägen. Das neue Seminar „Investitionen im UaB-Betrieb – zahlen sie sich aus?“ beschäftigt sich genau mit dieser Frage. 

Innovation bzw. innovative Betriebsideen können für kaum rentable Betriebe vielversprechend sein. Im Rahmen der „Innovationsreise Waldland“ nach Niederösterreich können sich interessierte Bäuerinnen und Bauern viele Ideen und Impulse innovativer Landwirtschaftsbetriebe holen. 

Fokus auf Qualitätsfleisch

Dem Themenbereich Direktvermarktung ist auch in der neuen Kursbroschüre viel Platz gewidmet. Neben einer neuen Auflage der „Direktvermarkter-Akademie“ sowie den neuen Seminaren „Essigherstellung“ und „Milchverarbeitung“ steht vor allem das Thema Qualitätsfleisch im Mittelpunkt: Neben dem Lehrgang Fleischvermarktung, seit vielen Jahren fixer Bestandteil im Weiterbildungsprogramm, bietet die Bauernbund-Weiterbildung in der kommenden Kurssaison insgesamt zehn Fleischverarbeitungskurse an. Patrick Frötscher dazu: „Der Konsument will wissen, wo das Fleisch auf seinem Teller herkommt. Daher sind wir überzeugt, dass für unsere bäuerlichen Betriebe in der Herstellung und Vermarktung von Qualitätsfleisch viel Potenzial steckt. Noch dazu überlegen gerade jetzt, in Zeiten sinkender Milchpreise, einige Bergbauernbetriebe auf Fleischproduktion umzustellen. Wir möchten sie dabei bestmöglich unterstützen.“ In den Praxiskursen geht es nicht nur um die Verarbeitung von Rindfleisch, sondern auch um Schweinefleisch, Geflügel sowie Schaf und Ziege. 

Den ganzen Bericht finden Sie ab Freitag in der Ausgabe 17 des „Südtiroler Landwirt“ vom 30. September ab Seite 4, online auf „meinSBB“ oder in der „Südtiroler Landwirt“-App.