Markt, Produktion | 14.09.2022

Geflügel-Produkte selbst vermarkten

Der Geflügelsektor hat stark an Bedeutung gewonnen. Die regionale Direktvermarktung von Eiern wie auch der Ab-Hof-Verkauf von Masthähnchen- oder Putenfleisch liegen im Trend und bieten neue Möglichkeiten der Vermarktung. Dabei gilt es allerdings, einige Regeln zu beachten. von Landestierärztlicher Dienst

Nicht nur die Produktion von Freilandeiern, sondern auch die Mast diverser Geflügelarten hat zugenommen.

Nicht nur die Produktion von Freilandeiern, sondern auch die Mast diverser Geflügelarten hat zugenommen.

Ein passender Stall, der den gesetzlichen Vorgaben zum Tierschutz entspricht, muss zur Haltung sämtlichen Geflügels vorhanden sein. Um der Einschleppung von Krankheiten, wie der Geflügelgrippe, vorzubeugen, ist besonders auf die notwendigen Maßnahmen zur Biosicherheit zu achten. Abhängig von der Betriebsausrichtung und Größe sind diese mit der zuständigen Behörde abzustimmen.

Betrieb muss in nationale Datenbank eingetragen sein

Die Geflügelhaltung zur Direktvermarktung muss als kommerzieller Betrieb mit einem „Kodex tierhaltender Betrieb“ in die nationale Datenbank eingetragen sein (über die Amtstierärzte). Beim Geflügel müssen sämtliche Ein- und Ausgänge von einem Formblatt „Mod4“ begleitet und dem tierärztlichen Dienst des Sanitätsbetriebes gemeldet werden. 

Bei Legehennen, Masthühnern und Truthähnen muss ein betriebsangepasster Salmonellenkontrollplan in Absprache mit den Amtstierärztinnen bzw. -ärzten ausgearbeitet werden.

Der Beginn der Direktvermarktung ist mittels einer sogenannten SUAP-Meldung am Einheitsschalter (z. B. mit Unterstützung von Bauernbund, Wirtschaftsberater …) zu melden. 

Regeln für die Direktvermarktung von Eiern

Direktvermarkter können Eier immer ab Hof, von Tür zu Tür und am Bauernmarkt verkaufen.  Hühnereier dürfen nicht an den Detailhandel, Hotels und Restaurants abgegeben werden, es sei denn, sie sind vorher in einer genehmigten Eierpackstelle klassifiziert worden. Für Wachteleier gilt diese Einschränkung nicht.

Ein als kommerziell registrierter Legehennen-Betrieb erhält zusätzlich einen Erzeugerkodex, an dem man die Art der Haltung erkennen kann. Er setzt sich aus den Ziffern 0 (Biohaltung), 1 (Freilandhaltung), 2 (Bodenhaltung) und dem Kodex des tierhaltenden Betriebes zusammen.

Für die Lagerung der Eier braucht es einen kühlen, sauberen und geruchsfreien Raum. Das Mindesthaltbarkeitsdatum (28 Tage ab Legedatum) muss bei sämtlichen Eiern bekannt sein. Die Eier dürfen ausschließlich bis zum 21. Tag ab Legedatum verkauft werden. 

Die Eier dürfen lose auf Plateaus, in Körben oder in Kleinpackungen wie 6er- oder 10er- Schachteln angeboten werden. 

Wird dabei ein hofeigenes Etikett verwendet, darf dieses keinesfalls Angaben enthalten, die einer Eierpackstelle vorbehalten sind. Auf keinen Fall dürfen gebrauchte Eierschachteln von anderen Legehennen-Betrieben verwendet werden.

Betriebe ab 50 Hennen, die auf dem Bauernmarkt ihre Eier verkaufen, müssen die Eier mit dem Erzeugerkodex stempeln. 

Außerdem muss am Stand gut ersichtlich ein Schild mit dem Namen und der Adresse des Hofes angebracht sein. Bei Verkauf ab Hof und von Tür zu Tür ist das Stempeln der Eier nicht notwendig.

Geflügelfleisch vermarkten

Bis zu 50 GVE ( z.B 10.000 Hähnchen oder 2940 Puten) dürfen am Hof geschlachtet werden, wenn die strukturellen Voraussetzungen gegeben sind und die Tätigkeit mittels SUAP-Meldung beim tierärztlichen Dienst des Sanitätsbetriebes registriert wurde. 

In allen anderen Fällen müssen die Tiere in einem anerkannten Schlachthof geschlachtet werden. Das Gefrieren von Schlachtkörpern darf ausschließlich über einen anerkannten Betrieb erfolgen. Das gekühlte +4 °C oder gefrorene Fleisch kann mit geeigneten Geräten und unter geeigneten Bedingungen am Hof aufbewahrt werden. 

Wenn die Schlachtkörper vakuumverpackt werden, dann sind sie korrekt zu etikettieren. Bei jeglichem Transport ist darauf zu achten, dass die Temperaturvorgaben eingehalten werden. Die Kühlung ist ein wesentlicher Faktor für die Lebensmittelsicherheit. 

Wer Interesse hat, eine dieser Tätigkeiten auszuüben, sollte sich rechtzeitig mit dem tierärztlichen Dienst des Sanitätsbetriebes in Verbindung setzen. Dieser steht jederzeit für Informationen zur Verfügung.