Innovation | 02.09.2022

Nachhaltige Kellerei Bozen

Als erste heimische Kellerei hat die Kellerei Bozen einen Nachhaltigkeitsbericht nach den UN-Kriterien der SDG – Sustainable Development Goals ausgearbeitet. Dafür erhielt sie das Nachhaltigkeits-Zertifikat des Ökoinstituts Südtirol verliehen.

Stolz auf das erste Nachhaltigkeitszertifikat einer Kellerei: Obmann Michl Bradlwarter (3. v. l.) mit Vertretern der Kellerei Bozen, des Ökoinstituts Südtirol und des Raiffeisenverbandes

Stolz auf das erste Nachhaltigkeitszertifikat einer Kellerei: Obmann Michl Bradlwarter (3. v. l.) mit Vertretern der Kellerei Bozen, des Ökoinstituts Südtirol und des Raiffeisenverbandes

„Die Kellerei Bozen stellt sich vorbildhaft für die Zukunft auf“, befindet Sonja Abrate, stellvertretende Direktorin des Ökoinstituts Südtirol. In Zusammenarbeit mit dem Raiffeisenverband hat das Ökoinstitut die Kellerei unter die Lupe genommen und einen Nachhaltigkeitsbericht erstellt – den ersten in der Südtiroler Weinwirtschaft. Das Zertifikat wurde Ende August in der Kellerei verliehen. „Wir wollen unsere Arbeit im Einklang mit der Natur verrichten“, erklärte Obmann Michl Bradlwarter. Kellermeister Stephan Filippi ergänzte: „Der Nachhaltigkeitsbericht zeigt uns, wo wir heute stehen und wie wir  Verantwortung für die nächsten Generationen übernehmen können.“

Günstige Voraussetzungen

Dabei hat die Genossenschaft mit ihren 220 Mitgliedern günstige Voraussetzungen. In der Produktion wird Wärme großteils aus erneuerbarer Energie in Form von Holzpellets gewonnen. Die Kühlung erfolgt im Keller primär natürlich. Und der Stromverbrauch ist gering, weil für die Verarbeitung die Schwerkraft genutzt wird und auf Pumpen weitgehend verzichtet wird. Für ihren Neubau hat die Kellerei Bozen 2018 das KlimaHaus Wine® Gütesiegel bekommen.

In den vergangenen drei Jahren konnte die Kellerei ihre Treibhausgasemissionen um 14 Prozent senken. Eine weitere Verbesserung soll die Sonnenenergie bringen. Dafür sind 1800 Quadratmeter Photovoltaik-Fläche geplant. Damit sollen 300.000 kWh Strom gewonnen werden, rund ein Viertel des derzeitigen Stromverbrauchs. 

Die größten CO2-Emissionen finden außerhalb der Kellerei statt – in der Erzeugung und im Transport von Flaschen und Kartonagen, obwohl jetzt schon zwei Drittel der Flaschen aus Recyclingglas sind. Ziel ist es, das Gewicht der Weinflaschen um zehn bis 15 Prozent zu verringern. Das würde eine bis zu 20-prozentige Reduktion bei den Emissionen bringen. 

Über 50 weitere Maßnahmen listet der Nachhaltigkeitsbericht auf – von Optimierungen beim Wasserverbrauch durch Nutzung des Regenwassers bis zu weiteren E-Ladesäulen für Elektroautos. Im Bereich der sozialen Nachhaltigkeit werden etwa Maßnahmen zur Personalentwicklung und Elternzeit für Väter vorgeschlagen, im Bereich Wirtschaft die Investition in nachhaltige Projekte auch außerhalb der Kellerei. Auch die Gründung einer Energiegemeinschaft mit den Mitgliedern ist angedacht. Die Kellerei Bozen sieht den Nachhaltigkeitsbericht auch als Vorbereitung für die Zertifizierung nach dem nationalen Qualitätssystem für integrierte Produktion SQNPI.

„Wir gehen den Weg der Nachhaltigkeit im Gleichschritt mit unseren Mitgliedern, sie werden wir aktiv auf dem Weg in Richtung zukunftsfähige Wirtschaft mitnehmen“, betonte Obmann Bradlwarter.