Arbeitssicherheit | 04.08.2022

Eine sichere Ernte gewährleisten

Gut gerüstet in die Erntetätigkeit starten: Um Unfälle zu vermeiden, sollte jeder landwirtschaftliche ­Arbeitgeber die wichtigsten Punkte im Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz kontrollieren. Hier einige wichtige Punkte, welche eingehalten werden müssen.

Der richtige Umgang mit Obsterntemaschinen will gelernt sein.

Der richtige Umgang mit Obsterntemaschinen will gelernt sein.

Das Arbeiten mit sicheren Arbeitsmitteln reduziert das Risiko eines Unfalles. Laut den geltenden Bestimmungen dürfen die Arbeitsmittel nicht verwendet werden, wenn sie nicht den Sicherheitsbestimmungen entsprechen. Dies gilt für landwirtschaftliche Arbeitgeber, aber auch für selbstständige Landwirte bzw. Familienbetriebe. Es gilt insbesondere dann, wenn die Arbeitsmittel von landwirtschaftlichen Arbeitnehmern benutzt werden, wie es z. B. bei der Ernte der Fall sein kann.

Traktoren

Traktoren müssen gegen die Gefahr des Umkippens geschützt sein und ein Rückhaltesystem für den Fahrer aufweisen. Daher müssen alle Traktoren mit einem Überrollschutz oder einer genormten Fahrerkabine und einem Sicherheitsgurt ausgerüstet sein. Zum Lenken von landwirtschaftlichen Fahrzeugen – ausgenommen für die selbstfahrenden einachsigen Arbeitsmaschinen – benötigt man einen Führerschein. Folgende zwei Kategorien sind zu unterscheiden:

Kat. A1: (Alter 16 Jahre) für landwirtschaftliche Maschinen und deren Komplexe, welche die Gewichts- und Umfangbeschränkungen für die Motorräder nicht überschreiten (Breite = 1,60 m; Länge = 4,00 m; Höhe = 2,50 m; Gesamtgewicht = 2,5 t), welche die Geschwindigkeit von maximal 40 km/h erreichen und keine Person außer dem Lenker transpor-tieren;

Kat. B: (Alter: 18 Jahre) für alle landwirtschaftlichen Fahrzeuge. 

Zusätzlich sind die Bestimmungen zu den Aus- und Weiterbildungen im Bereich Arbeitssicherheit für bestimmte Arbeitsmittel zu beachten.

Ladung sichern 

Die Ladung eines Fahrzeuges muss so angebracht werden, dass ein Herabfallen oder Auslaufen verhindert wird, weder die Sicht des Fahrers beeinträchtigt noch seine Bewegungsfreiheit am Steuer eingeschränkt wird sowie die Stabilität des Fahrzeugs nicht gefährdet ist. Zudem dürfen weder die Beleuchtungs- und Lichtsignalvorrichtungen noch das Kennzeichen oder die Handzeichen verdeckt werden.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang zudem, dass die Höchstabmessungen und das zugelassene Gesamtgewicht nicht überschritten werden dürfen.

Auf dem Traktor muss zumindest ein Spiegel montiert sein. Auf der Rückseite des Traktors muss ein Schild mit der maximal zulässigen Geschwindigkeit angebracht sein. Zu kontrollieren ist auch die Beleuchtung, in bestimmten Fällen ist ein Rundumlicht vorgeschrieben.

Hebebühnen und -Obsterntemaschinen

Bei Inbetriebnahme bestimmter Arbeitsgeräte wie Hebebühnen oder Obsterntemaschinen sind diese beim nationalen Unfallinstitut INAIL – Landesdirektion Bozen zu melden. Die Hebebühnen und Obsterntemaschinen, welche in der Landwirtschaft eingesetzt werden, müssen zusätzlich alle zwei Jahre überprüft werden. 

Rollen und Funktionen

Für die verschiedenen Rollen und Funktionen müssen die eigens vorgesehenen Ausbildungen absolviert worden sein. Weiters sind auch die vorgeschriebenen Auffrischungen zu absolvieren, damit diese Rollen und Funktionen auch gültig sind:

  • Leiter der Dienststelle für Arbeitsschutz;
  • Zuständiger für Erste Hilfe;
  • Zuständiger für Brandschutz;
  • Ausbildung und Schulung Arbeitnehmer mit mehr als 50 Tagschichten pro Jahr; 
  • Ausbildung und Schulung Arbeitnehmer mit bis zu 50 Tagschichten (einfache Tätigkeiten mittels Ausbildungsbroschüre);
  • Befähigungskurs für Anwender von Arbeitsmitteln (Traktoren, Hebebühnen usw.).

Risikobewertung

Arbeitgeber müssen ihre Risiken und Schutzmaßnahmen in Form einer Risikobewertung ausarbeiten. Die Stabsstelle Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz im Bauernbund hat eine eigene Vorlage zur Risikobewertung ausgearbeitet, diese steht den Mitgliedern zur Verfügung (mehr dazu am Ende des Artikels).

Der Arbeitgeber muss laut den Bestimmungen im Bereich Arbeitssicherheit alle Risiken bewerten, denen die Arbeitnehmer im Betrieb ausgesetzt sind. Daher muss auch das Risiko in Bezug auf die Ansteckung mit dem Corona-Virus (SARS-CoV-2) bewertet werden. Bezugnehmend auf die Ansteckungsgefahr (und Verbreitung) im landwirtschaftlichen Betrieb kann man davon ausgehen, dass das Risiko zwar vorhanden ist, aber nicht direkt mit den ausgeführten landwirtschaftlichen Tätigkeiten zusammenhängt, es handelt sich also um ein sogenanntes biologisches Risiko externer Natur.

Diese Bewertung muss an die betriebliche Situation angepasst werden, und die geeigneten Präventions- und Schutzmaßnahmen (u. a. auch die notwendige persönliche Schutzausrüstung) müssen ausgewählt werden. 

Es muss zusätzlich ein besonderes Augenmerk auf ältere Arbeitnehmer und Arbeitnehmer mit Vorerkrankungen bzw. geschwächtem Immunsystem, schwangere/stillende Frauen usw. gelegt werden. Die Vorlage für die spezifische Risikobewertung in Bezug auf die Ansteckungsgefahr steht ebenfalls für die Mitglieder zur Verfügung. Dieses Dokument muss an die betriebliche Situation angepasst und der Risikobewertung beigelegt werden. Mehr dazu im „Südtiroler Landwirt“ Nr. 13 vom 22. Juli 2022.

Die Einhaltung der Bestimmungen im Bereich Arbeitssicherheit trägt auf jeden Fall dazu bei, die Ernte auch in diesem Jahr sicher einzubringen.