Bauernbund | 08.07.2022

Landwirtschaftszählung: Betriebe in Südtirol stabil

Die ersten Ergebnisse der staatlichen Landwirtschaftszählung sind da – und sie sind für Südtirol besonders erfreulich: Zwischen 2010 und 2020 ist die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Südtirol fast gleichgeblieben, während italienweit 500.000 Betriebe geschlossen haben.

Die Landwirtschaft steht im staatlichen Vergleich gut da. Fast alle Betriebe konnten erhalten werden.

Die Landwirtschaft steht im staatlichen Vergleich gut da. Fast alle Betriebe konnten erhalten werden.

Alle zehn Jahre werden staatsweit die landwirtschaftlichen Betriebe vom nationalen Statistikinstitut ISTAT erhoben und Daten zur Betriebsgröße, zur Betriebsform und -leitung, zur Anbauform, zum Viehstand, zu den Arbeitskräften usw. gesammelt.
Nun liegen die ersten Ergebnisse der Landwirtschaftszählung aus dem letzten Jahr vor. Laut diesen haben die bäuerlichen Betriebe staatsweit um 30 Prozent bzw. um eine halbe Million abgenommen – von 1,62 Millionen auf 1,13 Millionen Betriebe. Der Rückgang ist besonders den Kleinbetrieben geschuldet. Jeder zweite Betrieb mit weniger als einem Hektar Fläche wurde in den letzten zehn Jahren aufgelassen. Angestiegen ist in Italien hingegen die Zahl der Betriebe über 100 Hektar, wobei besonders in Gunstlagen die Betriebe immer größer werden. 

Zahl der Betriebe fast unverändert, dennoch große Herausforderungen
Im Gegensatz dazu ist die Zahl der bäuerlichen Betriebe in Südtirol nur um 1,1 Prozent zurückgegangen – von 20.247 auf 20.023 Höfe. Im Trentino belief sich der Rückgang im selben Zeitraum auf über 13 Prozent, beim Schlusslicht Kampanien steht ein Minus von über 40 Prozent. Damit ist das Südtiroler Ergebnis das mit Abstand beste aller Provinzen und Regionen. „Dieses Ergebnis zeigt, dass Politik, Verbände, Bildungseinrichtungen, Vermarktungsorganisationen und weitere Partner vieles richtig gemacht haben und das Ziel, die Betriebe unabhängig von ihrer Größe zu erhalten, erreicht wurde“, sagt Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler. Dennoch stehe auch Südtirol vor Herausforderungen. „Jedes Jahr stellen einige Bergbauernhöfe die Milchproduktion ein. Gerade die Betriebe am Berg müssen wir im Auge behalten und besonders unterstützen.“ Immerhin machen jene Betriebe, die in irgendeiner Form Vieh halten, etwa die Hälfte der Betriebe in Südtirol aus.
Auch insgesamt ist die Landwirtschaft in einer schwierigen Lage. Planungssicherheit und Verlässlichkeit sind angesichts von Klimawandel, invasiven Schädlingen, verrücktspielenden Märkten und überbordender Bürokratie wichtiger denn je. 

Zu- und Nebenerwerb wird wichtiger
Interessant ist die Entwicklung beim Zu- und Nebenerwerb. Die Zahl der Bauernhöfe, die einen Zu- und Nebenerwerb anbieten, ist italienweit weiter angestiegen. Deutlich zugenommen hat der Urlaub auf dem Bauernhof. Am meisten zugelegt haben auf dem Staatsgebiet aber jene Betriebe, die erneuerbare Energien produzieren. „Diese Ergebnisse zeigen, dass der Zu- und Nebenerwerb immer wichtiger wird und mitträgt, dass Höfe weiterbewirtschaftet werden und die bäuerlichen Familien vom Hof leben können. Daher muss jede Form des Zu- und Nebenerwerbs unterstützt werden“, unterstreicht Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner.

Mehr Innovation und höherer Bildungsgrad
Eines zeigt das vorläufige Zwischenergebnis der Landwirtschaftszählung 2021 auch: Die bäuerlichen Betriebe werden immer innovativer. Italienweit hat jeder zehnte Betrieb in den letzten drei Jahren ein innovatives Investment getätigt. Die Innovationsfreudigkeit hängt dabei stark mit dem Alter und dem Bildungsgrad zusammen. Die bisher bekannt gewordenen Zahlen der Landwirtschaftszählung zeigen, dass immer mehr Bäuerinnen und Bauern gut ausgebildet sind. So stieg die Zahl der Betriebsleiter mit einem Universitätsabschluss oder dem Abschluss einer Oberschule.

Südtirol top bei Informatisierung und Digitalisierung
Zugenommen haben auch die Informatisierung und die Digitalisierung, wobei hier wiederum Südtirol und das Trentino staatsweit an der ersten und zweiten Stelle stehen.
Nach wie vor über 90 Prozent der Betriebe werden von den Eigentümern bewirtschaftet. Die bewirtschafteten Flächen sind dabei überwiegend im Eigentum der Bäuerinnen und Bauern. Allerdings nehmen Pacht und Leihe zu. Auch die Bedeutung der Fremdarbeitskräfte steigt – immer mehr Betriebe müssen auf landwirtschaftliche Arbeiter zurückgreifen, während die familieneigenen Arbeitskräfte weniger werden.