Wirtschaft, Politik | 23.06.2022

„Wolf ist ein Brandthema“

Die Meraner Festspiele bringen von 1. bis 22. Juli das Stück „Die Wölfe“ zur Uraufführung. Das Theaterstück soll Zuseher für das Thema Wolf sensibilisieren, betont Festspiele-Präsident Philipp Genetti im Interview mit dem „Südtiroler Landwirt“. von Tobias Egger

Philipp Genetti: „Wir hoffen, dass auch Bäuerinnen und Bauern zu unseren Aufführungen kommen.“

Philipp Genetti: „Wir hoffen, dass auch Bäuerinnen und Bauern zu unseren Aufführungen kommen.“

Das Drama „Die Wölfe“ spielt im Jahr 1816, wo in Tirol bittere Armut herrschte. Extreme Wetterverhältnisse sorgten für Missernten Hunger und Elend. Die Not der Bauern verschärfte sich weiter, vor allem durch die Wölfe, die den Viehbestand massiv bedrohten. 

Erzählt wird im Stück „Die Wölfe“ die Geschichte eines jungen Mädchens, das vom Stiefvater gezwungen wird, sich mit dem Sohn des Grafen zu treffen. Sie soll ihn dazu bringen, sich im Kampf gegen die Wölfe auf die Seite der Bauern zu schlagen. 

Südtiroler Landwirt: Warum greifen die Meraner Festspiele mit dem Stück „Die Wölfe“ dieses wieder aktuelle Thema auf?

Philipp Genetti: Die Meraner Festspiele greifen seit jeher wichtige Themen auf. Es geht in dem historischen Stück, wie auch heute, um die Problematik der Wolfsansiedlung im Land und auch darum, wie Bauern darunter leiden. Wir wollen so viele Menschen wie möglich auf dieses Brandthema aufmerksam machen. Ein Schauspiel wie „Die Wölfe“ bleibt in Erinnerung. 

Es ist ungewöhnlich, dass eine Kulturveranstaltung sich der Wolfsproblematik annimmt.

Nicht bei den Meraner Festspielen! Autor Luis Zagler ist bekannt dafür, dass er wichtige Themen aufgreift und sie in packenden Dramen auf die Bühne stellt. Das war schon bei seinem Stück „In einer Zeit, die keine Grenzen kennt“ oder in seinem Stück „Brot“ so. 

Jetzt geht es um das Leid, das durch die Wölfe entsteht. Ich bin fest davon überzeugt, dass „Die Wölfe“ auch in hundert Jahren noch aufgeführt wird. Es ist ein Spiegel unserer Zeit. 

In den Medien sehen wir wöchentlich Bilder von gerissenen Nutztieren. Wie empfinden Sie die Situation der Bauern und Tierhalter?

Ich finde es bedauerlich, dass die Bauern mit den Folgen der ungebremsten Wolfsausbreitung allein gelassen werden. 

Deshalb möchten wir, dass das Thema noch mehr in die Öffentlichkeit kommt. Vor uns hat noch keine Kulturveranstaltung auf die Wolfsproblematik aufmerksam gemacht. Das ist unser Beitrag dafür, damit sich die Situation ändert. 

Wer sollte sich das Stück ansehen?

Wir zeigen eine unglaublich emotionale Geschichte, die keinen im Publikum kalt lassen wird. Die Besucher der Aufführungen werden staunen, dass sich in unserer Zeit wieder vieles genauso abspielt wie in der Geschichte Tirols. Wir hoffen, dass auch Bäuerinnen und Bauern mit ihren Familien zu den Aufführungen kommen. Kunst hat Kraft und setzt Dinge in Bewegung. 

Unterstützung vom Bauernbund

Das Stück „Die Wölfe“ wird auch vom Südtiroler Bauernbund unterstützt. Landesobmann Leo Tiefenthaler begrüßt, dass mit den Meraner Festspielen eine bekannte Südtiroler Kulturveranstaltung das Wolfsthema auf die Theaterbühne bringt: „Wir hoffen, dass möglichst viele Zuseher, die sich bislang nicht mit den Folgen der ungebremsten Wolfsausbreitung beschäftigt haben, durch die Aufführungen sensibilisiert werden.“

Die Premiere des Stücks findet am Freitag, dem 1. Juli, statt. Danach wird das Stück bis zum 22. Juli noch elfmal aufgeführt. Das Festspielareal befindet sich oberhalb der Gärten von Schloss Trauttmansdorff bei der St.-Valentin-Kirche. Näheres zu den Terminen und zum Kartenvorverkauf für die Aufführungen findet man auf der Seite www.meranerfestspiele.com.  Interview: tobias egger