Südtiroler Landwirt, Markt | 23.06.2022

Vier Einachser im Praxis-Check

Ohne sie würde bei der Futterbergung am Hang nichts gehen: Einachs-Geräteträger. Doch wer kann was? Und mit welchem Zubehör sammelt man das Futter am besten ein? Zeit für einen ­Vergleich von Maschinen und Anbaugeräten! von Claus Mayer, Chefredakteur Traction

Fünf Hersteller waren beim Test von vier Einachsgeräteträgern mitsamt Anbaugeräten im Eisacktal vertreten. Foto: Claus Mayer

Fünf Hersteller waren beim Test von vier Einachsgeräteträgern mitsamt Anbaugeräten im Eisacktal vertreten. Foto: Claus Mayer

Die Heuernte bedeutet fast immer auch Zeitnot: Das Wetterfenster für Mahd und Futterbergung öffnet sich meist dann, wenn man zwischen all dem anderen, was bei der Arbeit am Hof so anfällt, eigentlich keine Zeit dafür hat. Gut, wenn man jetzt die richtige Technik hat, um das Thema schnell abzuhaken. Doch wer kann was – und welche Leistungsklasse braucht es?

Vier Hersteller traten an, um sich auf unserem Testbetrieb in Schnauders im Eisacktal zu messen. Rapid und Reform schickten jeweils 16-PS-Maschinen, die als etwas günstigere Allrounder schnell gestartet und leicht zu bedienen sind. Beide Maschinen rollen bei Rapid in Killwangen (Schweiz) vom Band und sind sich äußerlich ziemlich ähnlich. Dennoch entdeckten wir entscheidende Unterschiede.

Eine Klasse darüber lagen die Geräte von Terratec und Brielmaier mit 23 sowie 26,5 PS. Man braucht mit diesen Maschinen mehr Zeit zur Eingewöhnung – wie wir auch bei unserem Test feststellten –, hat die Arbeit aber umso schneller erledigt. 

Das gilt vor allem dann, wenn man neben der Futterbergung auch Mulcheinsätze auf dem Programm stehen hat.

Ein spannender Direktvergleich ergab sich auch bei den Heu- und Siloschiebern. Während Rapid, Reform und Brielmaier allesamt mit dem Twister und Multi-Twister aus dem Rapid-Universum antraten, ging der Vorarlberger Hersteller Ibex mit den Geräten von Agrartechnik Seeber aus Bruneck an den Start. Beide Schmieden haben sich intensive Gedanken gemacht, um den Landwirten mehr Futter mit weniger Arbeit vom Hang zu holen.

Der Monta M161 von Rapid: Wer hat’s erfunden?

Rapid liefert die Schlüsselmaschine für den Einachsermarkt. Am Hang hat sie einige Asse im Holm. Schon seit 1926 bauen die Schweizer Einachser. Den Ex-Mitbewerber Brielmaier aus Schwaben hat die Rapid-Gruppe längst geschluckt. 

Und Reform aus Oberösterreich – auf dem Papier ein Konkurrent – lässt unseren Testkandidat Motech gar im Auftrag von Rapid fertigen. Die Schweizer haben also Jahrzehnte Vorsprung am Markt und Einfluss auf weite Teile der Branche. Deswegen ist der Rapid Monta gewissermaßen die Schlüsselmaschine in unserem Test. Für die Arbeit reisten die Eidgenossen mit dem Monta M161 an. Die 16 im Namen markiert den PS-Output des Motors, einem Viertakt-Benziner mit zwei Zylindern von Briggs & Stratton aus den USA.

Noch spannender wird es beim „M“ im Namen. Es bedeutet, dass dieser Monta die Hydraulikpumpen mechanisch ansteuert. Beim „S“-Modell erfolgt das per Sensor. Vorteil der sensorischen Variante: Man braucht weniger Kraft zum Steuern und kann sogar einstellen, wie sensibel der Monta auf den Fahrer reagiert. 

Einen entscheidenden Vorteil bringt allerdings auch die M-Variante mit sich: Man hat freie Wahl, ob man per Holm oder per Handhebellenkung steuert. 

Bei der Holmlenkung verschiebt man über die Griffe den gesamten Holm (rot lackiert) und steuert so das Gerät. Gas gibt man über einen Drehgriff am Lenker. Das dürfte für viele Landwirte die intuitivste Methode sein. Man kann sofort losarbeiten.

Alternativ fixiert man den Holm und lenkt über die schwarzen Handhebel. So kann man sich zum Beispiel in steilem Gelände an den Holmen festhalten und von der Maschine den Hang hochziehen lassen, ohne die Richtung zu ändern. Auch das fanden wir auf Anhieb in­tui­tiv. Nutzt man die Handhebel, lässt sich der Holm auch in Ausrichtung und Höhe versetzt fixieren. Das ist praktisch, wenn man zum Beispiel seitlich und unterhalb der Maschine mitlaufen möchte.

Und es wird noch leichter, wenn man die Griffe noch weiter herunterhängen lässt. Dazu verstellt man die Holmenden via Schnellspanner. Diese Lösung wirkt einfach, erleichtert die Arbeit aber ungemein. Ein echter Pluspunkt für die Killwanger Hersteller!

Bonuspluspunkt am Rande: Per Inbus kann man die Räder vom Getriebe entkoppeln – und die Maschine so problemlos abschleppen.

Unser Fazit: Der unkomplizierte Alleskönner unter den Einachsmähern – ohne erkennbare Schwächen außer dem Preis.

Motech RM 16.16 von Reform: Der bessere Monta?

Wer denkt, dass sich die Reform-Werke eher als Vertriebspartner von Rapid verstehen, sollte sich die Lenkung des Motech RM 16.16 genauer anschauen – und eines Besseren belehren lassen. Obwohl die Maschine weitgehend baugleich zum Rapid Monta ist, haben sich die oberösterreichischen Ingenieure ein besonderes Extra für die Lenkung einfallen lassen.

Das Zauberwort ist „DualDrive“, was in diesem Fall so viel wie „Vorschubsteuerung über zwei Wippen“ bedeutet. Im Prinzip ist das einfach je eine orange Schaltwippe am linken und rechten Holm. 

Links stellt man die Fahrtrichtung ein, rechts verstellt man die Geschwindigkeit. Drückt man die rechte Wippe vor, wird der Motech schneller; lässt man los, hält er die Geschwindigkeit. Möglich ist das durch die elektronische An­steue­rung der Hydraulik anstelle einer mechanischen. Daher wäre das korrekte Vergleichsmodell eigentlich der sensorgestützte Monta S161 anstelle des mechanischen M161.

Im Test spielte der „DualDrive“ mehr Stärken aus, als man erwarten könnte. Er ist für uns die angenehmste und präziseste Variante, um die Geschwindigkeit zu regeln.

Ein weiteres Zuckerl gegenüber seinen Schweizer Zwillingen bringt der Motech auch noch mit: Die Luftansaugung des Motors sitzt direkt hinten an der Maschine und ist nach oben gerichtet. 

Ist die verschmutzt, kann man sie mit einem einfachen Handstreich wieder säubern – sehr gut!

Unser Fazit: Schon klar, letztlich entscheidet meist die Beziehung zum Händler über den Kauf. Aber der Motech hat gegenüber dem Monta in unserem Test zwei Stiche mehr gemacht.

Ibex G2-P von Terratec: -Gemeinsam gegen Goliat

Der „Steinbock“ Ibex aus der österreichischen Schmiede Terratec zeigt klare Kante gegen den Wettbewerb aus dem Rapid-Universum. Mit seinen Anbaugeräten aus Bruneck grenzt er sich noch weiter ab. Er stach am Testtag schon deshalb hervor, weil er beim Heu- und Siloschieben der einzige Kandidat war, der nicht mit Twister und Multi-Twister arbeitete. Stattdessen schiebt der Ibex G2-P mit den Anbaugeräten AllroundMax und PowerMax das Futter den Hang hinunter (siehe Artikel „Schubkraft durch Hirn“ auf S. 60).

Der G2-P ist der kleine Neuzugang im Stall der Steinböcke (lateinisch Ibex). Seit fast zehn Jahren ist die Firma Terratec des umtriebigen Vorarlbergers Lukas Schrotenbaum mit Motormähern am Markt. 

Seit letztem Jahr gehört auch das 40-PS-Gerät Ibex G4 zum Angebot, gedacht für anspruchsvolle Mulcheinsätze. 

Eher wie ein Steinbock-Kitz wirkt da der 23 PS starke G2-P aus unserem Test. Natürlich lassen sich die Maschinen mit über 20 PS im Test nicht ganz so intuitiv bedienen wie Monta und Motech. Aber der Ibex beeindruckte uns trotzdem damit, wie gut er sich händeln lässt! 

Sehr präzise und mit kaum Kraftaufwand lenkt man ihn über den drehbaren, rechten Griff. Das ist in dieser Größenordnung keine Selbstverständlichkeit. Zudem lässt sich der „Riese“ bei Bedarf mit nur einer Hand bedienen. Sämtliche Elemente, die man dafür braucht, sitzen am eigens patentierten rechten Griff. Daumenrad, Drucktaster, Rückfahrknopf und Totmannschalter drehen sogar auf der Griffwelle mit, damit man sie stets bedienen kann, ohne umzugreifen. Gerade am Hang entstehen unzählige Situationen, in denen einem das zugutekommt.

Für die aktuelle Variante des G2-P haben die Vorarlberger dessen Hydraulik gründlich überarbeitet, und das merkt man: Alle Funktionen haben Power, sind aber dennoch sehr feinfühlig ansteuerbar. Die Achsverschiebung legt den vollen Weg von 35 Zentimetern binnen sieben Sekunden zurück. Das ermöglicht es, selbst während der Arbeit gut nachzujustieren.

Die 14 Liter Hydrauliköl kühlt der Ibex auf seine eigene Weise. Zwischen Hauptmaschine und Hydrauliköltank sitzt ein mehrfach gebogenes, dünnes Rohr, durch das alles Öl fließen muss. Der Luftstrom vom Fahren reicht, um es ausreichend zu kühlen. Durch die Lage weit hinten an der Maschine landet hier nicht viel Staub und Futter, wodurch Zwischenreinigung nicht oder kaum nötig ist.

Als weiteres Hydraulik-Highlight gibt es einen zweiten Anschluss vorne am Gerät. ­Diesen kontrolliert man einfach über einen Schalter am Holm. So kann man zum Beispiel Heukreisel klappen oder Transportmulden kippen – sehr gut!

Unser Fazit: Eine wohldurchdachte Maschine mit großen Stärken für die Futterwirtschaft am Hang – gepowert durch Anbaugeräte speziell für den Südtiroler Markt.

Motormäher von Brielmaier: für Trittbrettfahrer

Wer weniger laufen will, sollte sich den Motormäher von Brielmaier genauer ansehen. Klar, die beiden Trittbretter sind der erste große Hingucker – vor allem im Einsatz. Jüngst hat der schwäbische Hersteller sie verbessert.  Man kann sie jetzt einfach per Fuß ein- oder ausklappen. Zudem haben sie etwas mehr Bodenfreiheit bekommen. Spannend wird es bei der Bediensäule. Sie ist an drei Punkten klapp- und teleskopierbar, sodass man sie an jeden Fahrer, ob zu Fuß oder auf Trittbrettern, einstellen kann.

Als Nebeneffekt kann man sie auch dann verlängern, wenn man zum Ausheben des Arbeitsgerätes einen längeren Hebel wünscht.

Die wahre Besonderheit des Brielmaier bleibt aber der flache Querbau. Alle Elemente um Antrieb und Hydraulik sitzen so direkt auf der Achse. 

So bleibt das 26,5-PS-Schwergewicht auch in schwierigen Lagen gut kontrollier- und manövrierbar. Zugegeben, bei den anderen Fabrikaten im Test hatten wir trotz des anderen Aufbaus keinerlei Probleme damit. Laut Brielmaier brachten wir die Maschine jedoch mit dem Testgelände noch nicht wirklich an Grenzen – sonst hätte man den Unterschied bemerkt. Die Power für all das stammt vom 2-Zylinder-Viertakter mit 26,5 PS von Kohler.

Unser Fazit: In Südtirol mit sechsreihigen Stachelwalzen beliebt – und mit der einzigartigen Option zum Mitfahren statt Laufen!