Bauernbund | 23.06.2022

Gärtner: Stephan Kircher übernimmt

Spatenübergabe bei den Südtiroler Gärtnern: Valtl Raffeiner tritt in die zweite Reihe und übergibt die ­Obmannschaft an seinen bisherigen Stellvertreter Stephan Kircher. Ein Grund zum Danken bei der diesjährigen Vollversammlung. Auch zwei neue Mitglieder wurden begrüßt. von Renate Anna Rubner

Spatenübergabe bei der Südtiroler Gärtnervereinigung: Stephan Kircher (r.) folgt auf Valtl Raffeiner.

Spatenübergabe bei der Südtiroler Gärtnervereinigung: Stephan Kircher (r.) folgt auf Valtl Raffeiner.

Die zwei Jahre der Pandemie haben auch Südtirols Gärtner mitgenommen und geprägt: Nachdem die Gärtnereien im März 2020 just zu Beginn der Hochsaison zunächst geschlossen wurden, mussten viele ihre verkaufsfertigen Pflanzen wegwerfen. „In dieser Zeit haben wir uns als Gärtnervereinigung in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Bauernbund stark eingebracht, mit Politikerinnen und Politikern gesprochen, uns beraten lassen und versucht, zumindest das Schlimmste für unsere Betriebe abzuwenden. Was uns auch gelungen ist“, berichtete der scheidende Obmann Valtl Raffeiner bei der diesjährigen Vollversammlung der Südtiroler Gärtner. Nach zwei Jahren Zwangspause konnte sie erstmals wieder abgehalten werden, diesmal in der neu gestalteten Jungpflanzengärtnerei Psenner in Kaltern. Und zwei neuen Mitgliedern für die Vereinigung: einerseits das Gartencenter Patrick aus Leifers und andererseits die neuen Betreiber des Traditionsbetriebs Kaneppele in Tramin.

Nachdem bei den letzten Neuwahlen Valtl Raffeiner als Obmann und Stephan Kircher als sein Vize bestätigt worden waren, wurde gleichzeitig vereinbart, dass die beiden nach Ablauf der halben Amtszeit die Rollen tauschen. Dieser Wechsel wurde nun vollzogen, Raffeiner übergab Kircher symbolisch einen sichtlich benutzten Spaten: „Wir haben in den 18 Jahren meiner Obmannschaft und auch schon vorher im Bezirk Bozen sehr gut zusammengearbeitet“, unterstrich Raffeiner, nun ist ein guter Moment der Übergabe. Ich bin überzeugt, dass es Stephan mindestens gleich gut machen wird wie ich!“

Wermutstropfen: Raumordnung

Nur einen kleinen Wermutstropfen gebe es für ihn, meinte der scheidende Obmann: „Unser Wunsch ist, dass an Gärtnereien eine Fläche von 160 Quadratmetern für Dienstwohnungen möglich bleiben, unabhängig davon, ob sich die Gärtnerei innerhalb oder außerhalb der Siedlungsgrenze befindet.“ Derzeit lautet die Regelung, dass außerhalb der Siedlungsgrenze nur 110 Quadratmeter zulässig sind. Landesrätin Maria Hochgruber Kuenzer kennt diesen Wunsch der Gärtner gut, sie kann ihn auch nachvollziehen. Trotzdem sei es schwierig, gute Argumente für diese Regelung zu finden. „Ich bleibe aber dran“, sicherte sie zu und forderte die Anwesenden gleichzeitig dazu auf, bei den Gemeindeentwicklungsprogrammen aktiv mitzuarbeiten, jede und jeder bei sich vor Ort. 

Valtl Raffeiner erzählte von den Kollektivvertragsverhandlungen, die wieder erfolgreich abgeschlossen werden konnten, und von den Herausforderungen, die durch die Bestimmungen zur Arbeitssicherheit auf den Betrieben lasten – besonders durch die Covid-19-Regeln, die sich in den letzten zwei Jahren zudem ständig geändert haben.

Viel Wert legt die Gärtnervereinigung seit jeher auf Aus- und Weiterbildung. Besonders der direkte Kontakt zwischen Betrieben, Vereinigung und Fachschule Laimburg sei sehr fruchtbar, meinte Raffeiner. Das sei auch der Grund, weshalb die jungen Gärtner bei den World Skills (Weltmeisterschaft der Berufe) immer sehr erfolgreich seien und immer in den vordersten Plätzen landen.

Der scheidende Obmann gab aber auch seiner Besorgnis um den Gärtnernachwuchs Ausdruck: „Auch in diesem Jahr schließen wieder 36 junge Gärtnerinnen und Gärtner die Fachschule ab, bei unseren Betrieben kommen sie aber oft nicht an. Wir fragen uns, wo sie alle bleiben!“ Abhilfe könne vielleicht der Lehrgang für Quereinsteiger schaffen, der an der Fachschule Laimburg angeboten wird. 

Altbewährte und neue Aktionen

Ulrike Larcher, Vorsitzende des Werbekomitees, erläuterte die Werbe- und PR-Aktionen, die in den letzten beiden Jahren organisiert werden konnten: Neben dem Tag der offenen Gärtnerei und Advent beim Gärtner, die teilweise abgesagt werden mussten, wurde auch die Schüleraktion – pandemiebedingt in neuem Format – angeboten. Auch die „Pflanze des Jahres“ sei jedes Jahr ein Highlight für Gärtnereien und vor allem für die Kunden. In diesem Jahr ist der FC Südtirol Pate. 

Daneben hat es neue Aktionen gegeben, zum Beispiel die Christbaumaktion für die Wiederaufforstung nach Vaia, die Agrialp und die weihnachtliche Spendenaktion für das „Dormizil“ in Bozen. Auch ein Blog wurde begonnen: Mit sechs Persönlichkeiten, die unter dem Titel „Mein grünes Zuhause“ porträtiert wurden. Und nicht zuletzt, kann die Gärtnervereinigung mit 2000 Followern auf Facebook aufwarten und hat inzwischen auch einen eigenen Instagram-Account. 

Larcher fasste zum Schluss noch drei große Themenblöcke zusammen, die künftig im Fokus des Werbekomitees stehen werden: Nachhaltigkeit, Imagewerbung und die Nachwuchspflege mit „Traumberuf Gärtner“.

World Skills in Shanghai abgesagt

Während der beiden Corona-Jahre war auch die Arbeitsgruppe der Landschaftsgärtner in ihrer Tätigkeit stark eingeschränkt. Zwar konnten ein Betriebsbesuch und ein Stammtisch abgehalten werden, insgesamt sei die Zeit aber etwas mühsam gewesen, berichtete der Vorsitzende Michael Stricker. Er überbrachte auch die Nachricht, dass die in Shanghai geplante Weltmeisterschaft der Berufe abgesagt werden musste. „Bei einer Sitzung mit allen zwölf Vertreterinnen und Vertretern der Berufe wurde entschieden, dass wir an dem nun angedachten neuen Format teilnehmen werden“, berichtete er. Es sei nämlich geplant, dass sich jede Berufsgruppe an einem anderen Ort messen solle, die Gärtner wahrscheinlich in Estland, die Floristinnen/Floristen entweder in Südtirol oder in Finnland. „Auch wenn dieses Format nicht die Ausstrahlung haben kann wie die traditionellen Berufsweltmeisterschaften, so sind wir es unseren Jungs doch schuldig, dass sie sich international messen dürfen“, ist Stricker überzeugt.

Den ganzen Bericht finden Sie ab Freitag in der Ausgabe 12 des „Südtiroler Landwirt“ vom 24. Juni ab Seite 4, online auf „meinSBB“ oder in der „Südtiroler Landwirt“-App.