Sozialberatung | 27.05.2022

Unfall auf dem Arbeitsweg – was wird entschädigt?

Der Begriff "Wegeunfall" bezieht sich normalerweise auf einen Verkehrsunfall, der einem Lohnabhängigen auf dem üblichen Arbeitsweg ereignet und eine dauerhafte oder vorübergehende Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat.

Zum Arbeitsweg – der direkteste und kürzeste Weg, der üblicherweise zurückgelegt wird - gehören folgende Wege: vom Wohnort zum Arbeitsort und umgekehrt; von einer ersten Arbeitsstelle zu einer anderen, wenn der Arbeitnehmer mehrere Arbeitsverhältnisse hat oder vom Arbeitsplatz zu dem Essensort und umgekehrt, wenn es keine Mensa im Unternehmen gibt

Sollte es eine Abweichung vom üblichen Arbeitsweg geben und ein Unfall geschehen, muss eine Verkehrssituation oder höhere Gewalt nachgewiesen werden, um Anspruch auf eine Entschädigung von Seiten des INAILs zu erhalten. Dazu gehört u.a. auch, falls die Strecke geändert wird, um ein Auftrag des Arbeitgebers oder strafrechtlicher Pflichten zu erfüllen oder aufgrund unaufschiebbarer und essenzieller Notwendigkeiten geschieht. Andere Abweichungen auf den genannten Strecken führen hingegen nicht dazu, dass das Ereignis als Wegeunfall gewertet wird.

Das INAIL hat festgelegt, dass folgende drei Bedingungen für die Anerkennung als Arbeitsunfall erforderlich sind:

  • die Bewegung muss zu Arbeitszwecken erfolgen
  • sie muss auf dem normalen Arbeitsweg erfolgen
  • es muss ein kausaler Zusammenhang zwischen der Fahrt und der Arbeitstätigkeit bestehen.

Zudem muss bei einem Wegeunfall auch das übliche Fortbewegungsmittel des Lohnabhängigen für den Arbeitsweg berücksichtigt werden. Grundsätzlich gilt, dass der Arbeitsweg mit den üblichen Verkehrsmitteln, d.h. zu Fuß oder mit einem öffentlichen Verkehrsmittel erfolgen muss.

Sollte der Weg hingegen mit dem Auto oder anderen privaten Verkehrsmittel zurückgelegt werden, muss die Notwendigkeit bewiesen werden, die wie folgt lauten:

  • das Fahrzeug wird vom Arbeitgeber für die Arbeitstätigkeit zur Verfügung gestellt bzw. vorgeschrieben
  • der Arbeitsort nicht mit öff. Verkehrsmitteln bzw. zwar erreicht - aber nicht rechtzeitig zu Arbeitsbeginn - werden kann
  • Die Nutzung des öff. Verkehrsmittel ist mit übermäßig langen Wartezeiten verbunden
  • Die Nutzung öff. Verkehrsmittel ist wesentlich zeitaufwändiger als die Nutzung privater Verkehrsmittel;
  • Der Weg zur nächstgelegenen Haltestelle des öff. Verkehrsmittel zum Arbeitsort bzw. vom Wohnort muss zu Fuß zurückgelegt werden und ist übermäßig lang

Ein Unfall auf dem Arbeitsweg, der mit dem Fahrrad geschieht, wird hingegen entschädigt, insofern alle Bedingungen für einen Wegeunfall erfüllt sind.

ACHTUNG: Wegeunfälle, die unmittelbar durch den Missbrauch von alkoholischen Substanzen und Psychopharmaka, den nichttherapeutischen Gebrauch von Betäubungsmitteln und Halluzinogenen sowie durch das Fehlen eines Führerscheins verursacht werden, sind nicht entschädigt. Des Weiteren werden Wegeunfälle, die sich beim Verlassen des Gebäude um anderswo einen Kaffee trinken zu gehen, nicht entschädigt.