Bäuerlicher Notstandsfonds, Südtiroler Landwirt | 26.05.2022

Vertrauen in BNF bleibt ungebrochen

Seit mehr als drei Jahrzehnten hilft der Bäuerliche Notstandsfonds (BNF) unverschuldet in Not ­geratenen Familien. Im letzten Jahr haben erstmals mehr nicht-bäuerliche Personen als bäuerliche Hilfe beantragt. von Michael Deltedesco

Gerade in der Corona-Pandemie haben sich auch viele nicht-bäuerliche Familien und Einzelpersonen an den BNF gewandt. Foto: Pixabay

Gerade in der Corona-Pandemie haben sich auch viele nicht-bäuerliche Familien und Einzelpersonen an den BNF gewandt. Foto: Pixabay

Der Tod, ein Unfall, eine Krankheit, ein Unwetter, ein Brand oder ein anderer Schicksalsschlag – und plötzlich steht eine Familie vor dem Nichts. In solchen Fällen hilft der Bäuerliche Notstandsfonds unverschuldet in Not Geratenen. Alleine im vergangenen Jahr wurden 123 Ansuchen um Notstandshilfe gestellt – und damit mehr als im Jahr zuvor, wo es lediglich 78 waren. BNF-Obmann Sepp Dariz berichtete: „Die Anträge von nicht-bäuerlichen Personen und Familien haben sich mehr als verdoppelt. Erstmals gab es mehr nicht-bäuerliche Hilfesuchende als bäuerliche.“ Ein Grund dafür dürfte auch die Corona-Pandemie und damit verbundene finanzielle Schwierigkeiten sein.

Immer mehr Familien wenden sich auch nach dem Tod des Vaters oder der Mutter an den BNF. An zweiter Stelle folgen Anträge wegen einer plötzlichen Krankheit. Weitere Gründe, warum sich Menschen an den BNF wenden, sind große Schäden nach Unwettern, familiäre Notsituationen, Brände oder Unfälle. „Im vergangenen Jahr wurden 240.000 Euro aufgrund von Todesfällen als Erstunterstützung ausbezahlt, 290.000 Euro wegen schwerer Erkrankungen und 210.000 Euro infolge von Unwetterschäden. Insgesamt konnten wir Personen und Familien mit knapp 1.200.000 Euro unterstützen“, freute sich Dariz. 

Spendensumme nur geringfügig gesunken

Eine solch große Hilfe wäre ohne viele Spenderinnen und Spender nicht möglich, erinnerte Dariz. „Im letzten Jahr konnten wir knapp 1,2 Millionen Euro einsammeln.“ Und das, obwohl Corona-bedingt viele Veranstaltungen ausfielen. Insgesamt war die Spendensumme nur geringfügig kleiner als in den Vorjahren. 

Über 400.000 Euro kamen wieder von privaten Spendern, 66.000 Euro schenkten Firmen, Banken und Genossenschaften. „Den größten Anteil machten mit 520.000 Euro wieder die zweckgebundenen Spenden aus, darunter 83.000 Euro im Rahmen von ‚Südtirol hilft‘. Auch nach gezielten Spendenaufrufen, im letzten Jahr gab es sechs Aufrufe, wird immer gerne gespendet“, dankte Dariz.

Flugretter bleiben wichtige -Partner

Ein wichtiger Partner des Bäuerlichen Notstandsfonds sind, neben „Südtirol hilft“, die Flugretter. Seit mittlerweile 15 Jahren stellen sie den Erlös aus dem Verkauf des Flugretter-Kalenders dem BNF zur Verfügung. 

Besonders groß war die Freude bei der Spendenübergabe am Dienstag dieser Woche: „Mit Spendeneinnahmen von 29.000 Euro konnte die Rekordsumme aus dem Vorjahr noch einmal eindrucksvoll gesteigert werden“, freute sich Dariz. Damit haben die Flugretter seit 2007 insgesamt 290.000 Euro gespendet. „Dank dieser Unterstützung konnten wir in diesen Jahren 44 nicht-bäuerliche und 31 bäuerliche Familien unterstützen.“ Dafür bedankte sich Sepp Dariz stellvertretend beim Präsidenten von Aiut Alpin Dolomites, Adam Holzknecht, und beim Fotografen Philipp Franceschini. 

Ein weiteres besonderes Projekt ist „Austern und Sekt“ von Valtl Raffeiner und seinen Freunden am Silvestertag, das im letzten Jahr Corona-­bedingt nicht stattfinden konnte. Eine Spende machten sie trotzdem. 

Auch das Unternehmen Doppelmayr hat dem BNF eine großzügige Spende zukommen lassen. Mit über 42.000 verkauften Karten war die „Glückwunsch- und Weihnachtskartenaktion“ ein voller Erfolg. Eine große Stütze des BNF sind die bäuerlichen Organisationen, die auf verschiedenen Veranstaltungen Spenden sammeln oder einen Teil der Erlöse spenden.

Hilfe mit vielfältigen Initiativen

Neben finanzieller Unterstützung bietet der Bäuerliche Notstandsfonds mit verschiedenen Initiativen Hilfe an. Bei „Zukunft schenken“ hat der BNF die Ausbildung von Kindern und Jugendlichen im Blick. 

Insgesamt konnten 28 Schul- und Studienbeihilfen gewährt werden – auch dank der Aloisia-Tutzer-Stiftung und des Kiwanis Club Bozen. 

Ist ein Wohnhaus durch ein Schadereignis nicht mehr bewohnbar, dann stellt der BNF Holzblockhäuser zur Verfügung, unter anderem dank Rubner Haus. 

Auch mit der Raiffeisenkasse Bozen und mehreren Partnerkassen gibt es seit vielen Jahren eine enge Zusammenarbeit: Über das Projekt „Ethical Banking“ laufen zur Zeit 38 zinsgünstige Förderkredite. 

Als zusätzliche Hilfe vermittelt der BNF Finanzierungsberatungen, spezifische Beratungen durch Fachabteilungen des Südtiroler Bauernbundes oder des Beratungsrings Berglandwirtschaft (BRING). Zunehmend wichtiger wird es, Familien oder eine Privatperson in schweren Lebenskrisen zu begleiten. Daher gibt es erstmals eine Trauer- und Krisenbegleitung.

Den ganzen Bericht finden Sie ab Freitag in der Ausgabe 10 des „Südtiroler Landwirt“ vom 27. Mai ab Seite 12, online auf „meinSBB“ oder in der „Südtiroler Landwirt“-App.