Innovation, Produktion | 26.05.2022

Biomasse vielseitig nutzen

Aus Biomasse Wärme zu gewinnen und gleichzeitig Kompost oder Pflanzenkohle, ist mit innovativen ­Technologien möglich. Die Abteilung Innovation & Energie im Südtiroler Bauernbund hat im Rahmen des Projektes ­INNOEnergie eine Informationsveranstaltung zu diesem Thema organisiert.

Wie man aus Biomasse Wärme und Kompost gewinnt, war Thema einer Infoveranstaltung.

Wie man aus Biomasse Wärme und Kompost gewinnt, war Thema einer Infoveranstaltung.

Alternative und erneuerbare Energiequellen sind ein heißes Thema. Südtiroler Landwirtschaftsbetriebe haben die Möglichkeit, aus Holz oder Biomasse-Reststoffen (wie Baumschnitt, Wurzelstöcken oder Mist) Wärme zu gewinnen und gleichzeitig Kompost oder Pflanzenkohle zu erzeugen. Damit kann der Boden verbessert und der Einsatz von mineralischem Dünger verringert werden. Es bedarf allerdings innovativer Technologien und Fachwissen, um dies effektiv tun zu können. Bei einer Informationsveranstaltung, die von der Abteilung Innovation & Energie im Südtiroler Bauernbund organisiert wurde, gaben Referenten am Versuchszentrum Laimburg einen Einblick in verschiedene Lösungsansätze und die Technik, die dahintersteckt.

Wärme aus Kompostierung

Dass der Komposthaufen Wärme abgibt, ist allgemein bekannt. Doch dass mit der gezielten Kompostierung aus Schnittresten, Baumrinden, Wurzelstöcken oder Mist Wärme erzeugt und genutzt werden kann, ist neu. Tobias Diana entwickelt mit seinem im NOI Techpark angesiedelten Start-up BioLogik-Systems seit fast sieben Jahren kleine Bio­reaktoren, die dem Kompostierungsprozess Wärme entziehen. Dies ist unter anderem dank speziell entwickelter Wärmetauscher möglich. Genannt wird dieses Konzept auch „Kompostthermie“. Die Wärme kann schließlich ganzjährig zum Heizen von Gebäuden, für die Erzeugung von sanitärem Warmwasser oder auch für das Heizen von Glashäusern oder Schwimmbädern verwendet werden. Am Versuchszentrum Laimburg konnten sich die Landwirtinnen und Landwirte eine Pilotanlage aus der Nähe anschauen.

Die Ergebnisse zeigen, dass mit den Wurzelstöcken aus circa zwei Hektar Obstbau ein Reaktor mit 40 Kubikmetern Biomasse-­Fassungsvermögen und einer Grundfläche von knapp 26 Quadratmetern gefüllt werden kann, der dann die Wärme für die Versorgung eines Gebäudes mit Klimahaus-C-Standard von über 400 Quadratmetern Grundfläche für ein Jahr bereitstellt. Der natürliche Kompostierungsprozess erzeugt Temperaturen von über 60 Grad Celsius. Diese fallen im Jahresverlauf langsam ab. Um die Wärmeversorgung auch bei konstant hohen Temperaturen zu gewährleisten, kann das System mit einer Wärmepumpe kombiniert werden. Dieses Kompostthermie-Wärmepumpensystem kann durch Landesbeiträge gefördert werden. Ansuchen kann man noch bis 31.5. stellen.

Potenzial Holzvergasung

Neben der Kompostwärmeanlage war es möglich, die am Versuchszentrum Laimburg befindliche Holzvergasungsanlage zu besichtigen. Die Holzvergasung ist ein Prozess, bei welchem die Biomasse in einen gasförmigen Brennstoff umgewandelt wird, der wiederum in einem gewöhnlichen Verbrennungsmotor verwendet werden kann, der schlussendlich einen Stromgenerator antreibt. So ist es möglich, aus Holzhackschnitzeln nicht nur Wärme, sondern auch Strom zu erzeugen. 

Wilhelm Pfeifer, Stellvertretender Direktor der Agentur Landesdomäne, erklärte, dass die Anlage mittlerweile die gesamte Versuchsanstalt – also Forschungszentrum und Fachschule Laimburg – mit Wärme versorgt. Wichtig sei die hohe Qualität des genutzten Hackguts und dass man eine Stunde pro Tag für die Betreuung dieser komplexen Anlage aufbringt. Ziel sei bei vielen Anlagen, dass man die Investition mit dem Stromverkauf finanziert, um zusätzlich kostenlos die Wärme nutzen zu können.

Kohle ist nicht gleich Kohle

Zum Abschluss präsentierte Barbara Raifer, Leiterin des Fachbereichs Weinbau am Versuchszentrum Laimburg, Nutzungsmöglichkeiten von Pflanzenkohle in der Landwirtschaft. Dabei handelt es sich um eine besondere Art von Kohle, die beim Prozess der Pyrolyse bei Sauerstoffmangel entsteht. 

Die wichtigste Eigenschaft der Pflanzenkohle ist ihre Fähigkeit, besonders viel Nährstoffe und Wasser speichern zu können und somit die Bodenfruchtbarkeit langfristig zu steigern. Möglich ist hier sowohl die Kombination mit mineralischem als auch mit Kompostdünger.

Doch das ist nicht der einzige Vorteil von Pflanzenkohle. Sie bindet Kohlenstoff und somit Kohlendioxid und vermindert gleichzeitig die Emission von klimaschädlichem Lachgas aus dem Boden. Dadurch hat Pflanzenkohle ein großes Potenzial und kann dazu beitragen, die Landwirtschaft klimaneutral oder gar klimapositiv zu machen. Pflanzenkohle ist zudem basisch und erhöht dadurch den pH-Wert von sauren Böden. Es gilt, in der Anwendung aber aufzupassen, dass man nur zertifizierte Pflanzenkohle verwendet. Nichtzertifizierte Pflanzenkohle oder einfache Grillkohle ist nämlich oft mit Schwermetallen und anderen toxischen Stoffen belastet und deshalb nicht geeignet.

Konkret kann Pflanzenkohle bei der Neupflanzung von Obstbäumen im Wurzelbereich eingesetzt werden. Potenzial gibt es allerdings auch als Futterzusatz in der Tierhaltung. Hier bringt sie mehr Tiergesundheit und Futtereffizienz. Die bestehenden Holzvergasungsanlagen der Fernheizwerke in Südtirol sind momentan noch nicht in der Lage, landwirtschaftlich nutzbare Pflanzenkohle herzustellen. Ein unter den Teilnehmern diskutiertes Ziel sollte sein,  künftig Holzvergaseranlagen auch in Südtirol zu realisieren, die neben Strom und Wärme auch Pflanzenkohle erzeugen, die landwirtschaftlich nutzbar ist.

Projekt INNOEnergie

Die Exkursion wurde von der Abteilung Innovation & Energie im Rahmen des ELER-geförderten Projektes „INNOEnergie“ organisiert. Im Projekt werden unter anderem innovative Ansätze zur effizienten Energie-
nutzung, wie eben aus Biomasse, erforscht.