Südtiroler Landwirt, Politik | 12.05.2022

LTEK 2030+: ein Konzept, viele Fragezeichen

Eine Bettenobergrenze, qualitatives Wachstum statt Menge und mehr Nachhaltigkeit in Südtirols Tourismus sind die Grundpfeiler des Landestourismusentwicklungskonzepts (LTEK) 2030+. Es basiert auf einer Studie, die kürzlich der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. von Renate Anna Rubner

Das Landestourismusentwicklungskonzept wurde vorgestellt. Unklar ist nach wie vor, was es für Urlaub auf dem Bauernhof bedeutet. Foto: Frieder Blickte

Das Landestourismusentwicklungskonzept wurde vorgestellt. Unklar ist nach wie vor, was es für Urlaub auf dem Bauernhof bedeutet. Foto: Frieder Blickte

Wofür wollen wir künftig als Tourismusland stehen?“, war die grundlegende Frage, die sich Südtirols Landesregierung gestellt hat. Am 28. Dezember 2021 fiel der Startschuss für das „Landestourismusentwicklungskonzept 2030+. Ambition Lebensraum Südtirol. Auf dem Weg zu einer neuen Tourismuskultur“. Sein Ziel ist eine nachhaltige, raumverträgliche Tourismusentwicklung. Dieses Konzept gibt eine Grundausrichtung für Südtirols Tourismus  vor. Ziel war es, zu verstehen, wie viel Tourismus Südtirol verträgt und wie gleichzeitig Qualität  und Wertschöpfung  gesteigert werden können. 

Das Konzept beruht auf einer Studie, die im Auftrag von Landesrat Arnold Schuler von Eurac Research und IDM Südtirol erarbeitet wurde. Sie wurde am 28. April bei einer Pressekonferenz vorgestellt.

Für Gäste und Bevölkerung

Harald Pechlaner von Eurac Research erklärte: „Der Tourismus in Südtirol braucht zukunftsorientierte Destinations- und Betriebskonzepte, die Wertschöpfung und Wertschätzung in den Mittelpunkt stellen. Wertschätzung nicht nur gegenüber den Gästen, sondern auch gegenüber der Bevölkerung“, betonte er. Pechlaner stellte das Sollszenario offen: Eckpfeiler darin sind eine nachhaltige Verkehrs- und Mobilitätskultur mit Digitalisierung, eine raumverträgliche Entwicklung, ein nachhaltiger Umgang mit den Ressourcen, intakte Natur- und Kulturlandschaften sowohl im urbanen als auch im ländlichen Raum, Gastfreundschaft und Tourismusgesinnung, die Konzentration auf eine qualitative Weiterentwicklung sowie unternehmerische und kooperative Entwicklungskonzepte. 

Hansi Pichler, Präsident des Wirtschaftsdienstleisters IDM Südtirol, stellte das Konzept TourisMUT vor: „Tourismus war seit jeher Pio­nierleistung, im Tourismus wurde immer mutig vorangegangen“, erklärte er. Dieser Mut sei aber inzwischen oft abhandengekommen. Die Vision von IDM Südtirol, aus unserem Land den begehrtesten nachhaltigen Lebensraum Europas zu machen, gehe ausschließlich über diesen mutigen Weg hin zu mehr Qualität.  

IDM Südtirol hat für die nächsten Jahre strategische Fokusfelder definiert, das diesjährige ist Tourismus und Landwirtschaft. Konkret soll in diesem Jahr also daran gearbeitet werden, dass Hotellerie und Gastronomie heimischen landwirtschaftlichen Produkten den Vorzug geben und sie verstärkt in ihren Betrieben auf den Tisch bringen. Im nächsten Jahr soll der Fokus auf Lebensraumgemeinschaften, dann auf alpine Gesundheit, alpine Landschaft, Bergmobilität und schließlich – im Jahr 2027 – auf Ganzjahresdestination liegen.

Noch wenig Konkretes

Schließlich stellte Landesrat Arnold Schuler die politischen Entscheidungen zur Umsetzung des Landestourismuskonzepts vor. Zwar könne er noch nicht viel Konkretes dazu sagen, klar sei aber heute schon, dass es einen Bettenstopp geben wird. Das sei „der mutige Weg“. 

So sollen zunächst die Betten im Land neu erhoben und darauf aufbauend die Bettenanzahl pro Betrieb bzw. Gemeinde im Land festgelegt werden. Dabei soll es ein ausgewogenes Verhältnis zwischen gewerblichen und nicht-gewerblichen Betrieben (also Privatzimmervermietern, Urlaub auf dem Bauernhof sowie Airbnb) geben, neue Qualitätsstandards eingeführt und Anwendungskriterien auf Landes- und Gemeindeebene festgelegt werden. 

Auf die Frage aus dem Publikum, was die Bettenobergrenze konkret bedeutet, legte sich der Landesrat nicht fest. Klar sei aber, dass UaB  teilweise ausgenommen wird, weil dieser Zuerwerb für das Überleben vieler Höfe essenziell sei, die landwirtschaftlichen Betriebe Lebensmittel produzieren und gleichzeitig die Landschaft pflegen. „Eine Basisleistung für Einheimische und Gäste", meinte der Landesrat. 

Den Kommentar vom Bauernbund-Direktor Siegfried Renner finden Sie ab Freitag in der Ausgabe 9 des „Südtiroler Landwirt“ vom 13. Mai ab Seite 16, online auf „meinSBB“ oder in der „Südtiroler Landwirt“-App.