Innovation, Südtiroler Landwirt, Produktion | 12.05.2022

Erste Stadeltour im Unterland

Der Tschauphof in Montan, der Unichhof in Aldein und die Hofkäserei Learner waren Ziel der ersten Stadeltour: Ziel dieses neuen Formates ist es, Direktvermarkterinnen und Direktvermarkter zusammenzubringen. Damit sie Erfahrungen und Tipps austauschen können. von Marion Götsch

Bei der ersten Stadeltour für Direktvermarkterinnen und Direktvermarkter wurde beispielsweise der Tschauphof in Montan besucht.

Bei der ersten Stadeltour für Direktvermarkterinnen und Direktvermarkter wurde beispielsweise der Tschauphof in Montan besucht.

„Ich bin schon in vielen Kursen gesessen, bei denen mir Verarbeitungsmethoden gezeigt wurden, wie ich meine Marmelade am besten einkoche oder die Vermarktung besser gestalten kann“, sagt eine Bäuerin und Direktvermarkterin, „das ist natürlich sehr hilfreich. Aber bei dieser Stadeltour konnte ich im Gespräch mit anderen Direktvermarkterinnen und Direktvermarktern mein bisheriges Wissen abrunden und mich mit Gleichgesinnten austauschen. So habe ich die Gelegenheit bekommen, viel von Vorzeigebetrieben zu lernen und Wertvolles mit nach Hause zu nehmen!“ Die erste Stadeltour, die am 27. April stattfand, führte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu drei Betrieben im Südtiroler Unterland. Sie wurde von den Abteilungen Innovation & Energie, Marketing-Roter Hahn und Weiterbildung im Südtiroler Bauernbund organisiert – im Rahmen des Projekts INNOProdukte. 

Ziel dieses neuen Formates ist es, die Gemeinschaft unter den Direktvermarktern zu stärken. Bäuerinnen und Bauern werden dazu eingeladen, bäuerliche Direktvermarktungsbetriebe zu besichtigen. Im Fokus steht der Erfahrungsaustausch zwischen Direktvermarkterinnen und Direktvermarktern. 

Alle unter einem Dach

Gestartet wurde am Tschauphof in Montan, ein Erbhof in achter Generation. Die Stadeltour-Gruppe wurde im Innenhof von Maria Theresia und Karl Jageregger begrüßt. Der Obst- und Weinbaubetrieb hat vor einigen Jahren als einer der Ersten im Unterland mit dem Anbau von Marillen begonnen. Mit viel Mühe und Tüftelei haben sie nach und nach die geeignete Anbauform, Schnittweise und auch die passende Pflanzenschutzstrategie gefunden. Neben Obst- und Weinbau betreibt Familie Jageregger auch einen Hofladen und vermarktet dort hochwertige Fruchtaufstriche, Fruchtsirupe, Soßen und Eingelegtes sowie Honig. Viel Wert wird auf plastikfreie Verpackung gelegt, alles wird von Hand abgefüllt und sogar etikettiert. Dies gelingt nur durch die Zusammenarbeit der gesamten Familie – Maria Theresia, Karl und deren drei erwachsenen Kindern, die gemeinsam anpacken. 

Jede und jeder im Betrieb hat seine eigenen Aufgabenbereiche. Dabei greift jedes Familienmitglied dem anderen unter die Arme. Was für die Direktvermarktung nicht fehlen darf, ist die richtige Kommunikation nach außen. „Mein Mann Karl ist unser Sprachrohr nach außen. Er ist unser Marketingmensch, der gerne Kontakt zu anderen sucht und dadurch immer wieder neue Absatzwege für unsere Produkte und neue Ideen findet“, erzählte Maria Theresia.  

Der Allround-Bauer 

Anschließend ging es weiter nach Aldein. Die Gruppe wurde dort von Robert Gurndin am Unichhof erwartet. Der erste Eindruck: Ein großer Betrieb mit vielen verschiedenen Standbeinen – von der Mutterkuhhaltung über die Schweinehaltung bis hin zum Beerenanbau und Brotbacken. Kräuter und Beeren werden zu verschiedenen Fruchtsirupen, Fruchtaufstrichen und Eingelegtem veredelt. Daneben gibt es Speck und Brot. Dies alles meistert Robert mit der Unterstützung seiner Eltern. Die meisten seiner Produkte verkauft er direkt im Hofladen, seit der Pandemie jedoch auch einige in Lebensmittelgeschäften in der Umgebung. Im Anbau auf dem Feld und bei den Tieren arbeiten alle drei zusammen. Bei der Verarbeitung übernimmt Robert lieber selbst das Zepter und tüftelt immer wieder an neuen Kreationen und Rezepturen. 

Am Unichhof gibt es zahlreiche Verarbeitungsräume zu besichtigen. Angefangen bei der Getreidemühle über die Brotbackstube die Kühlräume, wo der Speck seinen Platz hat, bis hin zu den Verarbeitungs- und Lagerräumen für die Fruchtaufstriche und Sirupe. Hier entstehen immer wieder neue und spezielle Produkte wie etwa das eingelegte Sauerkraut in Gläsern oder die Holler-Mulla als Sirup und Fruchtaufstrich. Zum Abschluss der Hofführung gab es den hofeigenen Speck und das nach alter Tradition gebackene Brot zum Verkosten. 

Mit „Laib“ und Seele

Nach der Mittagspause ging es weiter nach Deutschnofen zur Hofkäserei Learner. Stefan Köhl begrüßte die Gruppe gemeinsam mit seiner Frau Samantha und seinem Vater. Seiner Erzählung über den Werdegang zum Käsemeister folgten alle gespannt. Nach seiner Ausbildung und mehreren Praktika in Sennereien und Käsereien wurde am Hof die eigene Käserei eröffnet. Heute arbeiten beim Learner alle mit – Stefans Vater, Mutter, Bruder, Schwester, seine Frau und sogar die kleine Tochter. 

Anfangs machte sich Familie Köhl Gedanken darüber, welche Käsesorten in der Hofkäserei produziert werden sollen: „Wo fängt man an, wo hört man auf?“, fragte Bauer Stefan. Doch nach und nach kristallisierte sich der richtige Weg heraus. „Man sollte eher wenige Sachen machen, diese dafür aber gut“, ist Stefan überzeugt. Daher hat er sich auf Hartkäse spezialisiert und sich entschieden, keinen Frischkäse oder Ähnliches am Hof zu verarbeiten. 

Vermarktet wird sein Käse zum größten Teil über den Lebensmitteleinzelhandel und seit kurzer Zeit auch über den Großhandel. Auch im Hofladen besuchen ihn Kundinnen und Kunden gerne. Highlight der Hofführung war der unterirdische Reifekeller aus Sandstein, welcher optimale Bedingungen ohne großen Energieverbrauch für die Käsereifung bietet. Ein rundum perfekt durchdachtes Konzept. Zum Abschluss der ersten Stadeltour gab es noch eine Verkostung des Learner-Käses.  

Die nächste Stadeltour findet im Herbst statt und wird in den Meraner Raum führen. Den genauen Termin und die Eckpunkte der zweiten Stadeltour erfahren Sie rechtzeitig über den „Südtiroler Landwirt“.