Produktion | 11.05.2022

Kostenanstieg: Stimmung düster

Südtirols Bäuerinnen und Bauern blicken besorgt in die Zukunft: Sowohl im Obst-, Wein- als auch Milchsektor rechnen die Befragten mit unzureichenden Auszahlungspreisen für dieses Jahr.

Insbesondere unter den Milchbauern und -bäuerinnen herrscht ein starker Pessimismus. Foto: Pixabay

Insbesondere unter den Milchbauern und -bäuerinnen herrscht ein starker Pessimismus. Foto: Pixabay

Der starke Anstieg der Betriebskosten, der durch den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine noch verschärft wurde, schwächt das Vertrauensklima der Südtiroler Landwirtinnen und Landwirte: Vier von zehn der Befragten erwarten, dass die von den Genossenschaften erhaltenen Auszahlungspreise heuer nicht zufriedenstellend sein werden. Insbesondere unter den Milchbauern und -bäuerinnen herrscht ein starker Pessimismus. Dies geht aus der Erhebung des Geschäftsklimas der Südtiroler Landwirte hervor, die vom WIFO − Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen durchgeführt wurde.

Wein: Erwartung verhalten

Im Weinsektor sind die Bewertungen zu den Auszahlungspreisen, die von den Kellereien im vergangenen Jahr 2021 bezahlt wurden, eher bescheiden: Drei von zehn Winzern waren damit unzufrieden. Die Nachfrage hat sich im vergangenen Jahr nur teilweise erholt, insbesondere im Bereich der Hotels, Restaurants und Cafés. Die Erwartungen für das laufende Jahr sind ebenso verhalten. Die Ernte im vergangenen Herbst war qualitativ gut und die Erholung des Tourismus wird die Umsätze begünstigen, aber etwa ein Drittel der Winzerinnen und Winzer glauben, dass die Auszahlungspreise nicht ausreichen werden, um die Kostensteigerungen auszugleichen.

Obstwirtschaft: Vermarktung positiv

Für die Obstwirtschaft war 2021 ein positives Jahr und fast alle Landwirte bewerteten die von den Genossenschaften erhaltenen Auszahlungspreise als zufriedenstellend. Die Erwartungen für das laufende Jahr sind jedoch bescheidener. Fast die Hälfte der Obstbauern und -bäuerinnen rechnet heuer mit einer Verschlechterung des Geschäftsverlaufs aufgrund der schwächeren Apfelpreise auf dem internationalen Markt. Erfreulich ist aber, dass die Vermarktungssaison positiv verläuft: Trotz Überproduktion in Europa und logistischer Probleme beim Seetransport erfolgt die Absetzung der lagernden Apfelbestände nach dem Abbauplan der Genossenschaften.

Milch: Kosten sind erdrückend

Der Milchsektor befindet sich in einer sehr schwierigen Phase. Im Jahr 2021 waren die von den Genossenschaften gezahlten Erzeugerpreise für fast 80 Prozent der Landwirte zufriedenstellend, doch wirkten sich die geringere Produktion und die starke Kostensteigerung negativ auf die Rentabilität der landwirtschaftlichen Betriebe aus. Für das laufende Jahr wird das Geschäftsklima durch den starken Anstieg der Energie-, Futtermittel- und Verpackungskosten beeinträchtigt. Mehr als die Hälfte der Milchbauern und -bäuerinnen erwartet, dass die Auszahlungen 2022 nicht zufriedenstellend ausfallen werden.

Michl Ebner, Präsident der Handelskammer, begrüßt die Entscheidung der Landesregierung, die Südtiroler Milchbauern in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen: „Die Milchbetriebe leiden aufgrund des im Vergleich zu den anderen Sektoren höheren Kostenanteils an der Produktion stärker an den Preissteigerungen. Deshalb ist es wichtig, dass diese Betriebe in der aktuell schwierigen Situation unterstützt werden.“