Politik, Südtiroler Landwirt | 28.04.2022

Wichtiges Signal zur ­richtigen Zeit

In Zeiten, wo eine schlechte Nachricht die andere zu jagen scheint, war die Meldung vom ­vergangenen Freitag sehr wohltuend: Im Herbst gibt es pro Milchkuh 300 Euro aus dem ­Landeshaushalt. Dennoch bleibt noch viel zu tun ... von Bernhard Christanell

Mit einer Soforthilfe von insgesamt 15 Millionen Euro will die Landesregierung einen Teil der Mehrkosten für die Milchbauern abfedern. Foto: Tiberio Sorvillo

Mit einer Soforthilfe von insgesamt 15 Millionen Euro will die Landesregierung einen Teil der Mehrkosten für die Milchbauern abfedern. Foto: Tiberio Sorvillo

Die hohen Produktionskosten, der niedrige Milchpreis sowie die stark gestiegenen Futtermittel- und Energiekosten aufgrund der Ukrainekrise haben Südtirols Milchwirtschaft in eine schwierige Situation gebracht. Der „Südtiroler Landwirt“ hat mehrfach darüber berichtet, auch über angekündigte Unterstützung vonseiten der öffentlichen Hand. Seit Freitag vergangener Woche ist aus dieser Ankündigung eine konkrete Zusage geworden:  Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler hat reagiert und einen sogenannten Milchtisch einberufen, bei dem Landeshauptmann und Finanzlandesrat Arno Kompatscher gemeinsam mit Schuler sowie den Vertretern des Südtiroler Bauernbundes und der Milchwirtschaft über mögliche Lösungen diskutierten. Dies trägt auch einem entsprechenden Beschlussantrag im Südtiroler Landtag zur Stützung der Milchviehbetriebe Rechnung. 

Landesrat Schuler fasste das Ziel zusammen: „Es geht darum, den Fortbestand der bäuerlichen Familienbetriebe langfristig sicherzustellen. Diese produzieren nämlich nicht nur hochwertige Lebensmittel, sondern leisten auch für den Erhalt der Biodiversität und die Landschaftspflege einen unverzichtbaren Beitrag.“ 

Maßnahmen, um die Berglandwirtschaft zu erhalten, seien deshalb dringendst notwendig. „Einerseits braucht es eine unmittelbare Unterstützung, um die gestiegenen Kosten abfedern zu können, auf der anderen Seite sind mittel- und langfristige Maßnahmen notwendig, um das Einkommen der Landwirte aus der Produktion zu verbessern.“, betont der Landwirtschaftslandesrat.

300 Euro für die ersten 30 Milchkühe   

Landeshauptmann Kompatscher konnte beim Treffen in Bozen gemeinsam mit Landesrat Schuler die erste Unterstützungsmaßnahme zum Erhalt der Berglandwirtschaft zusichern: „Bei einer Mindestzahl von drei Milchkühen werden noch in diesem Jahr für die ersten 30 Milchkühe 300 Euro pro Tier ausbezahlt. Insgesamt werden so ungefähr 15 Millionen an Soforthilfen aus dem Landeshaushalt sichergestellt“, schätzt Kompatscher. 

Voraussetzung für die Betriebe ist die flächenbezogene Bewirtschaftung des Betriebes. Eine analoge Unterstützung werde es auch für die milchliefernden Ziegen- und Schafbetriebe geben.

Beim „Milchtisch“ wurde auch schon über Unterstützungen aus dem Landeshaushalt für das nächste Jahr gesprochen. Deren Höhe wird von der Marktsituation und von etwaigen Hilfsgeldern des Staates abhängen.

Die Termine für die Anträge für das Jahr 2022 werden rechtzeitig bekannt geben, auch der „Südtiroler Landwirt“ wird selbstverständlich umfassend über die genaue Vorgangsweise informieren. Die Ansuchen können dann bei der Abteilung Landwirtschaft eingereicht werden. Die Auszahlungen erfolgen im Spätherbst. 

Für Diskussionen innerhalb der Bauernschaft hat die Beschränkung der Unterstützung auf die Milchwirtschaft gesorgt. Manche Betriebsleiter, die Aufzucht betreiben, hatten in Rückmeldungen bemängelt, dass sie sehr wohl auch unter den enormen Preissteigerungen leiden und ebenso eine Entschädigung nötig hätten. Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner erklärt dazu: „Jene Betriebe, die keine Aufzucht im Auftrag anderer Betriebe machen, sondern Fleischrinder züchten oder Aufzucht für die Versteigerung betreiben, werden nach der geltenden Regelung tatsächlich durch die Finger schauen. Das sind wohl gut die Hälfte der tierhaltenden Betriebe. Leider war das dafür nötige Geld nicht vorhanden.“ Ab 2023 dürfen jedoch alle tierhaltenden Betriebe auf eine verbesserte Förderung hoffen.

Die Unterstützung für die Milchbäuerinnen und Milchbauern ist für Rinner „ein wichtiges Signal zur richtigen Zeit“, dem Landeshauptmann und dem Landesrat gebührt dafür ein großer Dank! Es bleiben jedoch noch weitere notwendige Schritte offen: „Zum einen zählen wir nach wie vor darauf, dass sich die Auszahlungspreise – so wie anderswo auch – nach oben bewegen.“ Vor allem hofft der Bauernbund aber, dass der Handel die Verkaufspreise für die Produkte erhöht: „Wir brauchen einen Verkaufspreis, der den gestiegenen Kosten Rechnung trägt. Das Problem bei den landwirtschaftlichen Produkten ist, dass im Gegensatz zu anderen Sektoren die gestiegenen Kosten nicht einfach weitergegeben werden können. Hier sind wir auf das Entgegenkommen der Handelsketten angewiesen“, sagt Rinner. 

 

Ergänzende Interviews mit Landeshauptmann Arno Kompatscher und Landwirtschafts-Landesrat Arnold Schuler finden Sie ab Freitag in der Ausgabe 8 des „Südtiroler Landwirt“ vom 29. April ab Seite 12, online auf „meinSBB“ oder in der „Südtiroler Landwirt“-App.