Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 14.04.2022

Solide Unterstützung wird kommen

Mit der Situation in der Milchwirtschaft haben sich der Südtiroler Bauernbund, Interessensvertreter aus der Milchwirtschaft und die Landesverwaltung diese Woche wieder befasst. Klar ist, dass es eine solide ­Unterstützung geben wird – von mehreren Seiten. von Michael Deltedesco

Südtirols Milchwirtschaft kann wieder mit mehr Zuversicht auf die kommenden Monate schauen. Foto: Mila

Südtirols Milchwirtschaft kann wieder mit mehr Zuversicht auf die kommenden Monate schauen. Foto: Mila

Die gestiegenen Preise für Betriebsmittel, speziell die massiven Erhöhungen für Futtermittel, machen derzeit vielen Bergbäuerinnen und Bergbauern zu schaffen. Auf einer gemeinsamen Sitzung des Südtiroler Bauernbundes, der Tierzuchtverbände, der Milchhöfe, des Sennereiverbandes Südtirol, des Beratungsrings Berglandwirtschaft BRING sowie der Landesverwaltung wurde klar, dass es eine Unterstützung geben wird. 

Der Direktor der Abteilung Landwirtschaft, Martin Pazeller, berichtete: „500 Millionen Euro stellt die EU zur Verfügung, davon gehen knapp 50 Millionen nach Italien. Der Staat wird seinerseits 100 Millionen Euro draufpacken.“ Wie diese Gelder auf die einzelnen Bereiche aufgeteilt werden, muss der Staat noch klären. Etwas mehr Gelder sind auch für die Agrarumweltprämie und die Ausgleichszulage vorgesehen. Zudem will auch das Land zusätzliche Gelder für die Berglandwirtschaft zur Verfügung stellen. Wie hoch die Fördermittel letztendlich sein werden, muss auf Ebene der Landesregierung noch entschieden werden. Es soll aber, so die einhellige Meinung aller Beteiligten, eine Förderung in Form einer Prämie für Milchkühe geben. Bis es aber soweit ist, wird es noch etwas dauern: Grund dafür sind die Verwaltungsprozeduren und die Bereitstellung der nötigen Geldmittel, was einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Realistisch ist, dass die Gelder im Spätherbst ausbezahlt werden. In den Genuss der Förderung sollten alle Betriebe kommen, die kleineren genauso wie die etwas größeren, forderte Alberich Hofer, der Vertreter der Bergbauern im Landesbauernrat.

Positive Signale vom Handel

Positive Signale kommen derzeit auch vom Handel. Joachim Reinalter, Obmann des größten Milchhofes Bergmilch Südtirol, betonte: „Die Milchhöfe haben mit den Handelsketten verhandelt. Obwohl sich der Handel anfänglich kaum bewegt hat, haben sie nun Preiserhöhungen zugestimmt.“ Auch der Milchhof Brixen Brimi habe Zugeständnisse von den Handelspartnern erhalten, bestätigte Obmann Klaus Faller. Richtung Sommer könnten die Milchpreise nochmals ansteigen, da gar einige Fachleute von einem Engpass am Markt ausgehen. Auch mittel- und langfristig sind die Aussichten positiv, ist Reinalter überzeugt.  

Mutualitätsfonds könnte Preisschwankungen ausgleichen

Die Interessensvertreter der Milchwirtschaft, die sich seit Wochen mit aller Kraft dafür einsetzen, die aktuelle Situation zu entschärfen, haben auf dem Treffen diese Woche nicht nur über kurzfristige Maßnahmen gesprochen, sondern auch über Strategien für die Zukunft. Um Preisschwankungen besser ausgleichen zu können, braucht es einen Mutualitätsfonds. „Damit könnte sich die Milchwirtschaft Millionen an Fördermitteln sichern“, erklärte Pazeller an einem konkreten Beispiel: Würden von den Bäuerinnen und Bauern eine Million Euro in den Fonds einbezahlt, schießt die öffentliche Hand zusätzlich 2,5 Millionen Euro dazu. Auch der Obmann des Milchhofes Meran, Georg Egger, sprach sich dafür aus. 

Eine Krise wie die derzeitige sollte auch dazu genützt werden, um die Kosten genau zu analysieren – im eigenen Betrieb genauso wie in den Milchhöfen, appellierte Bauernbund-Obmannstellvertreter Daniel Gasser. Auch müsse geschaut werden, wie die Milchhöfe noch enger zusammenarbeiten könnten. Der Vertreter der Bergbauern im Landes­bauernrat, Alberich Hofer, kündigte ein Treffen zwischen zwei Tierzuchtverbänden an. Ziel sei es, sich weiter anzunähern. Mehr Gewicht muss in Zukunft der Beratungsring Berglandwirtschaft erhalten, forderte Alberich Hofer. Ändern soll sich auch die Kommunikation der Beteiligten: Zukünftig wird mit einer Stimme gesprochen, wenn auch von mehreren Personen. 

Was hingegen wenig Sinn mache, sei, auf „Pharisäer“ zu hören, die derzeit mancherorts mit falschen Zahlen und Fakten Stimmung machen und für Verunsicherung sorgen. Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler stellte klar: „Wir alle kennen die Herausforderungen bestens, sind längst schon aktiv und machen auf allen Seiten Druck. Denn wir alle wollen diese schwierige Situation so schnell wie möglich hinter uns lassen, damit alle Stalltüren offenbleiben.“

Tierwohlerhebung sichert Anbindehaltung

Trotz anfänglicher Skepsis verläuft die Tierwohlerhebung auf den Höfen ohne größere Probleme. Etwa ein Drittel der Höfe sind bereits erhoben worden. „Die Situation ist sehr erfreulich. Nur vereinzelt müssen Bäuerinnen und Bauern Anpassungen am Stall vornehmen. Die allermeisten Betriebe haben keine Probleme, die Kriterien zu erfüllen“, verriet Annemarie Kaser, die Direktorin des Sennereiverbandes Südtirol. Auch hier hätten einige im Vorfeld für Verunsicherung gesorgt. Dabei sichere die Erhebung die Anbinde­haltung, ergänzte Daniel Gasser. In Deutschland berücksichtigen die zukünftigen Tierwohlkriterien hingegen nicht die Situation im Berggebiet. Dort habe die Anbindehaltung keine Chance mehr. Davon sei Südtirol noch weit entfernt, beruhigte Reinalter.  

Dass nur der gemeinsame Weg der richtige sei, haben alle Teilnehmer des Treffens immer wieder betont. Auf die Politik, die Verwaltung, die Milchhöfe oder die Verbände zu schimpfen oder Unterschriftensammlungen zu initiieren, trage nicht dazu bei, die Herausforderungen zu lösen. 

Anton Tschurtschenthaler, Obmann der Sennerei Drei Zinnen und Pusterer Bauernbund-Bezirksobmann, ist zuversichtlich: „Unsere Milchwirtschaft ist ein Vorzeigemodell. Wir haben gemeinsam schon viele Schwierigkeiten überstanden und werden auch dieses schwierige Jahr meistern!“