Südtiroler Landwirt, Leben | 14.04.2022

Kleine Perlen mitten im Atlantik

Über eine Woche lang haben knapp 30 reisehungrige Leserinnen und Leser des „Südtiroler Landwirt“ die ­Inselgruppe der Azoren kennengelernt und viel Wissenswertes darüber erfahren, wie dort Landwirtschaft ­betrieben wird. Dabei erlebten sie auch so manche Überraschung ... von Bernhard Christanell

Viele Stammgäste, aber auch einige neue Gesichter – das war die Gruppe der vierten „Südtiroler Landwirt“-Leserreise. Foto: Bernhard Christanell

Viele Stammgäste, aber auch einige neue Gesichter – das war die Gruppe der vierten „Südtiroler Landwirt“-Leserreise. Foto: Bernhard Christanell

Zum vierten Mal lud der „Südtiroler Landwirt“ zu einer Leserreise ein, mit einem Pandemie-bedingten Jahr Verspätung ging es Ende März endlich los. Erstmals durfte ich – der Autor dieser Zeilen – eine Leserreise begleiten, unser Ziel war die Inselgruppe der Azoren mitten im Atlantik. 

Die Inselgruppe der Azoren besteht aus neun größeren und einigen kleineren Inseln, die sich mitten im Atlantik auf dem mittelatlantischen Rücken befinden. Die Inseln sind allesamt vulkanischen Ursprungs, was wenig verwundert, stoßen hier doch zwei große Kontinentalplatten zusammen. Was auffällt: Die Azoren sind relativ klein. Schaut man auf die Gesamtfläche, dann hätten alle Inseln zusammengenommen etwa dreimal in Südtirol Platz. 

Ratespiel zur Einstimmung

So eine Leserreise will gut organisiert sein. Seit jeher können wir in der Redaktion dabei auf bewährte Partner zählen: die Weiterbildungsgenossenschaft des Südtiroler Bauernbundes und das Südtiroler Reisebüro „Primus Touristik“. Doch nicht nur organisatorisch, sondern auch inhaltlich gilt es, sich bei solchen Reisen vorzubereiten. Mich selbst, aber auch unsere Mitreisenden und jene, die unsere Reise von daheim aus mitverfolgten, galt es auf die Reise einzustimmen. 

In unserer Redaktion nutzen wir seit über zehn Jahren sehr rege die Möglichkeiten der sozialen Netzwerke Facebook und Instagram. Als Vorbereitung auf die insgesamt vierte Leserreise stellten wir in einem mehrteiligen, als Instagram-Stories gestaltetem Quiz auch das Wissen unserer zahlreichen Follower auf die Probe: „Was ist der bedeutendste Landwirtschaftszweig auf den Azoren?“ war eine der Fragen. 

Zur Auswahl standen die Antworten „Schafzucht“, „Ananasanbau“, „Fischerei“ sowie „Milch- und Viehwirtschaft“. Zumindest jene, die sich an diesem Quiz beteiligten, lagen mit ihren Antworten deutlich daneben, denn die wenigsten tippten darauf, dass die azorianischen Bäuerinnen und Bauern ihren Lebensunterhalt hauptsächlich mit Milch und Kühen verdienen.

Holstein-Rinder überall

Uns als Leserreisenden wurde das jedoch recht bald klar, denn von Beginn an waren es vor allem bei jedem Wetter weidende Kühe, die wir bei unserer Fahrt über die größte Azoren-Insel São Miguel zu Gesicht bekamen. Kühe gibt es laut unserer Reiseleiterin Birgit übrigens mehr als Menschen auf den Azoren – den rund 233.000 Einwohnern stehen um die 280.000 Rinder gegenüber. Die alles beherrschende Rasse sind die „Holstein-Friesian“, die uns Südtirolern auch als Schwarzbunte bekannt sind. Diese Rassenwahl lässt schon erahnen, worin der Schwerpunkt der Viehwirtschaft auf den Azoren liegt: Es geht vor allem um die Milchproduktion, so kommt etwa ein Drittel aller in Portugal verkauften Milchprodukte von den Azoren. 

Mehr über die Milchwirtschaft – auf São Miguel, aber auch auf allen anderen Inseln – erfahren wir am ersten Tag bei einem Treffen mit der Associação Agrícola de São Miguel, dem größten Bauernverband der Azoren. Dem Verband gehören 92 Prozent der Milchbauern an, er ist zum einen Interessenvertretung, zum anderen Dienstleister für die Bauern. Wir erfahren, dass der durchschnittliche Milchpreis hier bei 33 Cent pro Kilogramm Milch liegt und die Produktionskosten bei durchschnittlich 31 Cent liegen. Schwer vorzustellen, wie so die Bauernfamilien überleben sollen. Angeliefert werden rund 600 Millionen Liter Milch pro Jahr, auf den Markt kommt diese fast ausschließlich als H-Milch, als Butter oder als Käse. Immer wichtiger wird die Fleischproduktion. Neben den Holstein-Rindern sind daher immer öfter auch Angus-Rinder auf den Wiesen zu sehen. Auch die Jerseyrasse gewinnt langsam an Bedeutung. Die typischen azorianischen Rinder leben das ganze Jahr über rund um die Uhr im Freien, nur zum Melken suchen sie zweimal pro Tag einen Melkstand auf. Bei den Konsumentinnen und Konsumenten auf dem portugiesischen Festland kommt das Bild von den ganzjährig frei laufenden Kühen natürlich sehr gut an. 

Ebenfalls am ersten Tag lernen wir auch eine der größten Futtermittelfabriken der Azoren kennen. Der Betrieb Rações de Santana trägt maßgeblich dazu bei, dass die Milchkühe auf den Azoren ausreichend mit Kraftfutter versorgt werden können. Die Rohstoffe für das Kraftfutter werden allesamt mit Frachtschiffen importiert – und hier macht sich auch der aktuelle Konflikt in Osteuropa bemerkbar, ist doch die Ukraine neben Frankreich und Deutschland das wichtigste Importland für die entsprechenden Rohstoffe. Wir besichtigen riesige Hallen, in denen die importierten Rohstoffe gelagert, je nach den Bedürfnissen der Kühe abgemischt und an die Bauern verkauft werden. Der Durchschnittspreis liegt bei 380 Euro pro Tonne. 


Den ganzen Bericht finden Sie ab Freitag in der Ausgabe 7 des „Südtiroler Landwirt“ vom 15. April ab Seite 27, 
online auf „meinSBB“ oder in der „Südtiroler Landwirt“-App.