Wirtschaft | 01.04.2022

WIFO-Wirtschaftsbarometer

Durchwachsen ist laut Wirtschaftsbarometer des Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO das Geschäftsklima in der heimischen Landwirtschaft: Obst- und Kellereigenossenschaften sind eher positiv gestimmt, bei den Sennereien und Molkereien ist die Stimmung dagegen etwas trüb.

Für 2022 rechnen die Sennereien und Molkereien mit zunehmenden Verkaufspreisen.

Für 2022 rechnen die Sennereien und Molkereien mit zunehmenden Verkaufspreisen.

Die Situation im Weinsektor hat sich 2021 eindeutig verbessert: Die im vergangenen Jahr erzielte Ertragslage wird von fast der Hälfte der Kellereien als „gut“ und in fast allen Fällen zumindest als „zufriedenstellend“ angesehen. Dieses Bild zeichnet das Wirtschaftsbarometer des Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO für das Frühjahr 2022. 

Die Ernte im letzten Herbst erbrachte mehr als 450.000 Dezitonnen Trauben, woraus rund 318.000 Hektoliter Wein gekeltert wurden. Die Qualität wird von Kellermeisterinnen und Kellermeistern als sehr positiv bewertet. Für das Jahr 2022 wird mit einem weiteren Anstieg der Umsätze gerechnet, insbesondere auf dem italienischen und den ausländischen Märkten. Dies ist auch auf eine Erhöhung der Verkaufspreise zurückzuführen, die notwendig ist, um mit den steigenden Produktionskosten zurecht­zukommen. Sowohl die Ertragslage als auch die Auszahlungspreise an Weinbäuerinnen und -bauern dürften auf jeden Fall mindestens „zufriedenstellend“ und oft auch „gut“ sein.

Das Jahr 2021 war laut WIFO auch für den Südtiroler Obstsektor insgesamt positiv: Die an die Landwirte entrichteten Auszahlungspreise werden von allen Genossenschaften zumindest als „befriedigend“ angesehen, in 40 Prozent der Fälle als „gut“. Die Apfelernte im vergangenen Herbst belief sich auf rund 935.000 Tonnen, was einem Anstieg von 4,1 Prozent gegenüber 2020 entspricht. 

Verhaltene Rentabilitätserwartungen

Dennoch sind die Rentabilitätserwartungen für 2022 eher verhalten, da die Apfelproduktion in Europa noch stärker gestiegen ist, und zwar um etwa zehn Prozent. Dies könnte sich negativ auf die Preise auswirken. Außerdem können polnische Äpfel aufgrund der Krise zwischen Russland und der Ukraine nicht mehr nach Belarus exportiert werden. Zusammen mit den logistischen Schwierigkeiten im interkontinentalen Seeverkehr wird dies das Überangebot auf dem europäischen Markt noch verschärfen. Gleichzeitig schmälern die steigenden Energie- und Verpackungskosten die Gewinnspannen der Genossenschaften. Die meisten Obstgenossenschaften sind jedoch zuversichtlich.

Die Sennereien und Molkereien befinden sich nach wie vor in Schwierigkeiten, und nur ein Viertel ist mit der Rentabilität im Jahr 2021 zufrieden. Das Geschäftsklima wird vor allem durch die Kostenentwicklung belastet, die sich im Laufe des vergangenen Jahres aufgrund der steigenden Energiepreise immer weiter verschlechtert hat. Auch die Umsatzentwicklung ist eher schwach geblieben, insbesondere auf dem Südtiroler Markt. In der zweiten Jahreshälfte gab es aber Anzeichen der Erholung, auch dank des allmählichen Anstiegs der Milchpreise auf den internationalen Märkten. 

Für 2022 rechnen die Sennereien und Molkereien mit zunehmenden Verkaufspreisen, die Ertragslage und die Auszahlungspreise an die Landwirte werden aber oft unzureichend ausfallen. Dies ist auf die anhaltend ungünstigen Rahmenbedingungen zurückzuführen, vor allem im Hinblick auf die Entwicklung der Energie- und Futtermittelkosten, die durch den Krieg zwischen Russland und der Ukraine noch verschärft wurden. Trotzdem erwarten die Sennereien und Molkereien einen Anstieg der Investitionen in Maschinen und Gebäude.