Leben | 01.04.2022

Begleiter schon ein Leben lang

Schon von Kindesbeinen an wusste Martin Kaser vom Großplonerhof in Lüsen, dass er Bauer werden würde. Deshalb gehörte der „Südtiroler Landwirt“ schon früh zu seiner Lektüre. Kaser ist 1970 geboren. In dem Jahr wurde der Südtiroler Bauernbund Mitherausgeber des „Freundes der Bauern“. von Renate Anna Rubner

Martin Kaser bei der Landwirt-Lektüre: Den „Freund der Bauern“ liest er nach wie vor am liebsten auf Papier.

Martin Kaser bei der Landwirt-Lektüre: Den „Freund der Bauern“ liest er nach wie vor am liebsten auf Papier.

Martin Kaser ist immer gut informiert: Im „Südtiroler Landwirt“ kann er nachlesen, welche Termine er nicht verpassen darf, welche Beiträge und Förderungen ihm zustehen. Und nicht zuletzt erfährt er als Bauernbund-Ortsobmann auch, was agrarpolitisch so läuft – in Südtirol wie auch außerhalb. Obwohl der Bauer vom Großplonerhof in Lüsen auch online sehr aktiv ist, liest er den „Südtiroler Landwirt“ immer noch am liebsten in Papierform. Und das schon fast ein Leben lang.

Martin Kaser ist 1970 geboren, als letztes von vier Kindern und einziger Sohn. Deshalb war eigentlich schon klar, dass er Bauer werden würde wie sein Vater. Neben dem „Volksboten“ war der „Landwirt“, wie er damals noch hieß, eine willkommene Lektüre für Familie Kaser. Martin erinnert sich noch gut daran, denn besonders viel Lektüre gab es damals noch nicht. Das Geburtsjahr von Martin Kaser war auch für den „Südtiroler Landwirt“ ein prägendes Jahr: Der Südtiroler Bauernbund wurde neben dem Hauptverband landwirtschaftlicher Genossenschaften zum Mitherausgeber. In den Folgejahren beschäftigten die Bäuerinnen und Bauern besonders der technische Fortschritt und die beginnende elektronische Datenverarbeitung. 

Mechanisierung erleichtert die Arbeit

Dinge, die am Großplonerhof heute zum Standard gehören: „Wir sind heute übermechanisiert“, sagt Martin Kaser mit einem Schmunzeln. „Aber ich möchte keines der Geräte, die wir haben, missen. Sie erleichtern unsere Arbeit sehr.“ Computer gehören ebenso dazu wie die Heubelüftung und der Heukran im Futterhaus oder der Mischwagen im Stall. 

Schon Martins Vater war einer, der sich „getraut“ und immer wieder Neues ausprobiert hat. So ist die Familie auch zum Großplonerhof gekommen, denn geboren wurde Martin am Fallerhof etwas weiter talauswärts, mit fünf Hektar Wiesen und ein paar Kühen im Stall. Als der Großploner zum Verkauf stand, haben Martins Eltern, Franz und Ida, zugegriffen. Das war mutig, denn der neue Hof war viel größer. Sie haben einen neuen Stall gebaut und mit Fleiß und Ausdauer aufgebaut, was Martin später übernehmen sollte: Heute stehen 55 Milchkühe im Stall, Rasse Schwarzbunte, die meisten aus eigener Zucht. Dazu etwa 30 Stück Jungvieh, zwölf davon sind bei einem Nachbarn eingestallt. Dieser muss sie nur füttern, um den Rest kümmert sich ­Martin selbst.

Schon früh hat Martin am Hof mit angepackt. Sein Vater war Bürgermeister im Dorf und politisch sehr aktiv. Deshalb ging vor allem Mutter Ida in den Stall: Dreimal täglich zum Füttern, zweimal wurde auch gemolken. Über 30 Jahre lang, 365 Tage im Jahr „Meine Mutter hat viel geleistet“, sagt Martin anerkennend. Heute sind beide Eltern hoch achtzig und leben gemeinsam mit einem Bruder des Vaters im sogenannten „Austragshäusl“. Wo immer sie können, helfen sie mit.

Lernen geht ein Leben lang  

Martin hat die Landwirtschaftsschule in Salern besucht, er gehörte zum ersten Jahrgang dort. Damit war seine Ausbildung abgeschlossen. „Zumindest schulisch“, räumt er im Gespräch ein. Denn er ist überzeugt, dass Lernen ein Leben lang geht. Deshalb hat er unzählige Fortbildungen gemacht, bildet sich ständig weiter. Auch seine Frau Elisabeth hat Kurse besucht, schließlich gibt es am Großplonerhof nicht nur Landwirtschaft, sondern man bietet auch drei Wohnungen für Urlaub auf dem Bauernhof an. Das ist Elisabeths Steckenpferd. Sie kommt aus der Gastronomie und hat die Gäste auf den Großplonerhof gebracht.

Auch ehrenamtlich aktiv

Beim Militär hat Martin Kaser seine große Leidenschaft entdeckt – nach der Landwirtschaft und den Tieren: Er war in der Klettergruppe und hat darin ein Hobby gefunden. Berg- und Skitouren geben ihm heute den Ausgleich zu seiner Arbeit und den vielen Verpflichtungen, die er hat. Denn Martin Kaser ist auch politisch und ehrenamtlich in die Fußstapfen seines Vaters getreten und ist heute Gemeindereferent und Vize-Bürgermeister von Lüsen, bei der Feuerwehr und Bauernbund-Ortsobmann. All das macht ihm Freude, er ist einer, der gern mitarbeitet und etwas weiterbringt. 

Die Klauen tragen die Milch

Als Elisabeth in Martins Leben trat und sie beschlossen zu heiraten, haben sie sich den Großplonerhof für ihre Bedürfnisse umgebaut. In Schuss war er ja, seine Eltern hatten immer darauf geschaut. 2002 wurde Fabian, ihr erster Sohn, geboren. Auch er hat die Landwirtschaftsschule besucht und abgeschlossen. Nun hilft er am Hof mit und lässt sich gleichzeitig zum zertifizierten überbetrieblichen Klauenpfleger ausbilden. Eine Passion von ihm, mit der er sich ein zusätzliches Einkommen erwirtschaften will. Seine Eltern unterstützen ihn dabei. Und das nicht nur, weil beide davon überzeugt sind, dass gesunde Klauen die Basis für gesunde Tiere sind. „Die Klauen tragen die Milch“, ist sich Martin sicher. Einen eigenen Klauenpflegestand hat er sich schon zugelegt.

Auszeit mit der Familie

Tochter Magdalena ist 18 und besucht die Hotelfachschule in Bruneck, der sechzehnjährige Florian die Metallfachschule. Die Jüngste, Marie, ist 14, schließt heuer die Mittelschule ab und hat sich für das Sozialpädagogische Gymnasium eingeschrieben. Die Kinder helfen vor allem bei der Heuernte, sofern sie zu Hause sind. „Das wird natürlich immer weniger“, erzählt Martin, „denn sie wollen im Sommer Jobs übernehmen, die stärker ihren Interessen entsprechen. Das ist verständlich.“ Unterstützung gab es auch immer von den drei Schwestern Christina, Ehrentraud und Annemarie: Egal ob es um die Heuernte ging oder ums Aushelfen im Stall. Denn eines war Martin und Elisabeth immer wichtig: etwas Auszeit für sich und ihre Familie. „Wir sind eigentlich immer ein paar Tage in Urlaub gefahren“, erzählt Martin. „Denn jeden Tag dasselbe und immer arbeiten, das geht auf Dauer nicht“, ist er überzeugt. Um sich von den Verpflichtungen am Hof etwas freizuschaufeln, konnte er immer auf seine Schwestern und Freunde zählen. 

Denn der Großplonerhof hat trotz aller technischen Erleichterungen täglich viel Arbeit zu bieten: im Stall und auf den Wiesen, im Wald und nicht zuletzt in den Ferienwohnungen und mit den Gästen.

UaB als wichtiges Standbein 

„Ja, auch Urlaub auf dem Bauernhof macht  viel Arbeit“, gibt Martin Kaser zu. Aber er ist froh um das zusätzliche Einkommen, das sie sich am Großplonerhof dadurch erwirtschaften. Vor allem in Anbetracht der aktuell steigenden Produktionskosten. Zwar müsse man auch bei den Wohnungen immer wieder etwas investieren, um sich weiterzuentwickeln, aber das rechne sich längerfristig auch. „Wir haben gerade um die fünfte Blume angesucht und dafür zwei der drei Wohnungen optisch aufgewertet“, erzählt er. „Die Gäste schätzen das Angebot aber sehr. Und nehmen dafür auch höhere Preise in Kauf. Dadurch rechnet sich das Ganze auch.“

Hof gut an nächste Generation weitergeben

Wirtschaftlich zu denken, ist eine der Stärken von Martin Kaser. Er investiert laufend in den Betrieb, behält aber die Kosten im Auge und entwickelt den Hof so weiter. „Es hat wohl kaum ein Jahr gegeben, in dem wir nicht irgendetwas saniert oder erneuert hätten“, ist sich der Bauer vom Großplonerhof sicher. Egal ob es sich um große Veränderungen wie den Neubau des Stalls mit Futterhaus, der Tiefgarage oder des Zubaus mit Hofladen und Aufenthaltsraum für die Gäste handelte oder um Adaptierungen wie die Hackschnitzelheizung oder das WLAN-Netz, das den gesamten Hof versorgt. „Unser Ziel und Wunsch ist es, diesen Hof, den wir von unseren Eltern gesund bekommen haben, zumindest gleich gut oder sogar noch besser an die nächste Generation weiterzugeben“, sagt Martin Kaser. Daran müsse man ständig arbeiten. 

Wenn mal Zeit bleibt, fährt er gern mit seiner Frau durch das Land und schaut sich die Gegend an. „Ich bin immer dafür, etwas Neues auszuprobieren und mir Anregungen zu holen. Das geht am besten, wenn man sich umschaut und sieht, was andere so machen“, erzählt der Bauer. Daraus könne man nur lernen. Eine andere Möglichkeit, zu lernen, ist für ihn auch die Lektüre. Und da darf für Martin Kaser der „Südtiroler Landwirt“ nach wie vor nicht fehlen.