Bauernbund | 31.03.2022

Hohe Kosten: Unterstützung kommt

Die stark gestiegenen Produktionskosten bringen viele Betriebe in Schwierigkeiten. Bei seiner letzten Sitzung hat der Landesbauernrat rasche Hilfe gefordert und zugesagt bekommen. Diskutiert wurden auch der Bettenstopp und die Entwicklung der Pacht- und Grundstückpreise. 

Es wird Unterstützung für die Betriebe geben, hieß es bei der Sitzung des Landesbauernrates. Foto: Mila

Es wird Unterstützung für die Betriebe geben, hieß es bei der Sitzung des Landesbauernrates. Foto: Mila

Energie, Futtermittel, Verpackungsmaterial usw.: Fast alle Betriebsmittel auf den Höfen und in den Genossenschaften sind in den letzten Wochen teils massiv gestiegen. Die höheren Kosten schmälern den ohnehin geringen Gewinn oder sorgen sogar für rote Zahlen. „Daher fordern wir als Landesbauernrat nochmals eine rasche und unkomplizierte Unterstützung für unsere Betriebe in der Berglandwirtschaft“, stellte Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler bei der letzten Sitzung des Landesbauernrates klar. 

Maßnahmenpaket wird geschnürt

„Unterstützungen werden kommen“, versprach daraufhin Landesrat Arnold Schuler. In den letzten Tagen hätte es mehrere Treffen auf Landes- und nationaler Ebene, aber auch in Brüssel zur Zukunft der Milchwirtschaft gegeben. Brüssel habe bereits beschlossen, den Betrieben zu helfen. „Etwa 45 Millionen Euro sind für italienische Betriebe vorgesehen. Hinzu kommen weitere 90 Millionen Euro, die die italienische Regierung als Unterstützungsmaßnahmen für die gesamte Landwirtschaft bereitstellt“, erklärte Landesrat Schuler bei der Sitzung. Wie viel von diesen Geldern in Südtirol landen, sei aber noch unklar. Der größte Teil der Mittel werde an tierhaltende Betriebe gehen. 

„Zudem sind wir als Land dabei, ein eigenes Maßnahmenpaket zu schnüren, um kurzfristig Hilfestellung zu bieten“, so Schuler. Bis die öffentlichen Gelder auf den Konten der bäuerlichen Betriebe sein werden, wird es aber noch etwas dauern. „Wir müssen bestimmte Abläufe einhalten, auch wenn wir versuchen werden, alles zu beschleunigen.“ Auch einige Milchhöfe werden kurzfristig mehr Geld auszahlen. Damit sollte den Betrieben etwas Luft verschafft werden. Der Bauernbund hat bei den Banken vorgesprochen, damit ein Aufschub von Kreditraten ermöglicht wird.

Die aktuelle Krise zeige aber auch, dass es wichtig sei, sich generell Gedanken zur Zukunft der Milchwirtschaft zu machen. „Mittelfristiges Ziel muss es sein, die Erlöse aus dem Produktverkauf zu steigern“, stellte Schuler klar. Daher seien auch Gespräche mit den Handelsketten nötig. Sonst bestehe die Gefahr, dass der Anteil des Produkterlöses am Gewinn immer geringer werde.

Produktion wieder im Mittelpunkt

Die Zeit gekommen sieht der Landesbauernrat endlich auch für den schon seit Längerem ins Spiel gebrachten „Tourismuseuro“, der über die Gemeindeaufenthaltsabgabe eingehoben werden soll. Dadurch würde die heimische Berglandwirtschaft etwa 30 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich erhalten.

Eines wird in der aktuellen Krise aber auch deutlich: Die landwirtschaftliche Produktion rückt wieder in den Mittelpunkt. War letzthin häufig von Flächenstilllegungen zum Erhalt der Biodiversität die Rede, hat der Ukrainekonflikt unmissverständlich vor Augen geführt, wie wichtig es ist, dass bäuerliche Betriebe produzieren und ausreichend Lebensmittel in den Regalen stehen. Dennoch werde es in den nächsten Monaten bei einigen Produkten Engpässe in der Verfügbarkeit geben. 

Neben den Preissteigerungen in der Landwirtschaft war bei der Sitzung des Landesbauernrates auch das Tourismusentwicklungskonzept Thema. Der Landesbauernrat hat wieder einstimmig gefordert, dass alle bäuerlichen Betriebe von einem Bettenstopp ausgenommen werden müssen. „In Südtirol gibt es bereits eine Beschränkung der Betten, da die Obergrenze bei fünf Ferienwohnungen oder acht Zimmern liegt. In Österreich oder in anderen Regionen gibt es diese Beschränkungen nicht“, erklärte Landesobmann Leo Tiefenthaler. Zudem sei der Urlaub auf dem Bauernhof ein Zuerwerb von bestehenden landwirtschaftlichen Betrieben, „der dazu beiträgt, dass unsere Bauernhöfe erhalten und die einmalige Kulturlandschaft weiterhin gepflegt wird“.

Auf Pachtpreise achten 

Vorgestellt wurde dem Landesbauernrat auch die Entwicklung der Grundstücks- und Pachtpreise. „Die Auswertungen der Abteilung Betriebsberatung zeigen, dass die Situation in Südtirol, bis auf einige Gebiete, stabil ist und die Bewirtschaftung durch den Eigentümer nach wie vor deutlich überwiegt, während in anderen Regionen bereits 60 Prozent oder 70 Prozent der Flächen von Pächtern bewirtschaftet werden“, erklärte Direktor Siegfried Rinner. Das bedeute auch, dass der Abschluss von Pachtverträgen mit Beistand einer Berufsorganisation funktioniert. „Auch in Zukunft müssen wir darauf achten, dass sich die Pachtpreise vernünftig entwickeln, damit es den Pächtern möglich ist, gut zu wirtschaften.“ Wichtig sei auf alle Fälle, sich vor Abschluss eines Pachtvertrages beraten zu lassen. Denn ein schlechter Pachtvertrag könne auch zu einer Verschlechterung der betriebswirtschaftlichen Situation führen.