Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 17.03.2022

Leitsätze für die Nachhaltigkeit

Der Südtiroler Bauernbund hat mit den maßgeblichen Akteuren der Südtiroler Landwirtschaft ein Nachhaltigkeitskonzept erarbeitet: Sechs Leitsätze und acht Leuchtturmprojekte bündeln die Anstrengungen der Landwirtschaft für eine nachhaltige Entwicklung. von Tobias Egger

Eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft ist eine der Herausforderungen, die auf die Landwirtschaft zukommen. Foto: Pixabay

Eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft ist eine der Herausforderungen, die auf die Landwirtschaft zukommen. Foto: Pixabay

Auch wenn der Klimaschutz angesichts von Corona und des Kriegs in der Ukraine nicht mehr die Meldungen dominiert, der Megatrend Nachhaltigkeit bleibt – und färbt auch auf die Südtiroler Landwirtschaft ab. Biodiversität, CO2-Fußabdruck und Kreislaufwirtschaft lauten die Herausforderungen, die in allen landwirtschaftlichen Bereichen angegangen werden müssen. 

Die Sektoren Obst, Wein und Milch haben dazu bereits ihre Strategien vorgelegt. Und auch die Landespolitik widmet sich intensiv der Nachhaltigkeit: Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler hat vergangenes Jahr das Strategiepapier „Landwirtschaft 2030“ auf den Weg gebracht. 

Auf dieser Grundlage begann der Bauernbund 2021 mit einem intensiven Austausch mit allen maßgeblichen Akteuren der Südtiroler Landwirtschaft. Beschlossen wurden die Erarbeitung gemeinsamer Leitsätze und die Umsetzung von Leuchtturmprojekten. Landesobmann Leo Tiefenthaler erklärt: „Wir möchten damit die Strategie des Ressorts Landwirtschaft sowie die Nachhaltigkeitsstrategien der Sektoren für einen sektorübergreifenden Mehrwert bündeln.“ Herausgekommen sind sechs Leitsätze und acht Leuchtturmprojekte. „Die Leitsätze spiegeln unsere gemeinsamen Zielvorstellungen für die nachhaltige Entwicklung der Landschaft wider“, unterstreicht Tiefenthaler. „Die Umsetzung der Leuchttürme soll einen Mehrwert – wirtschaftlich, sozial und ökologisch – für die Bäuerinnen und Bauern und die Gesellschaft in Südtirol bringen.“

Sechs Leitsätze mit Kennzahlen

Die Leitsätze berühren alle maßgeblichen Themen der Nachhaltigkeit. Dabei knüpfen sie an die im Strategiepapier des Ressorts definierten Handlungsfelder an: Familienbetriebe und ländlicher Raum, Klimaschutz und CO2-Reduktion, Wasser und Boden, Artenvielfalt, Gesundheit und Genuss sowie der Dialog mit der Gesellschaft. Für jedes Handlungsfeld hat die Arbeitsgruppe einen Leitsatz definiert. 

Wie der Leiter der Arbeitsgruppe, Bauernbund-Vizedirektor Ulrich Höllrigl, unterstreicht, soll es nicht bei der Vision bleiben: „Jedem Leitsatz sind konkrete Ziele und messbare Kennzahlen zugeordnet, damit wir den Fortschritt in der Landwirtschaft messen und belegen können.“ 

An der Ausarbeitung der Leitsätze waren neben dem Bauernbund und Vertretern des Landes sowie der drei Sektoren Apfel, Wein und Milch auch Vertreter der Beratungsringe, des Versuchszentrums Laimburg, der Universität Bozen, von Bioland Südtirol und IDM Südtirol beteiligt. 

Kreislaufwirtschaft fördern

Der erste Leitsatz hat den Erhalt der bäuerlichen Familienbetriebe sowie der flächendeckenden Bewirtschaftung in Südtirol zum Ziel. Dazu gehört auch die Kooperation innerhalb des Genossenschafts- und Verbandswesens mit seinem Lern- und Innovationsnetzwerk (LINSA). 

Leitsatz Nummer zwei zielt auf Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft ab. Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner unterstreicht das Ziel: „Wir wollen eine Modellregion werden und die organischen Stoffkreisläufe sukzessive schließen.“ 

Der dritte Leitsatz befasst sich mit dem Wert von Boden und Wasser als wichtigen Ressourcen der Landwirtschaft. 

Thema eines Leitsatzes sind auch die Landschaft und die Artenvielfalt. Hier geht es zum einen um die Landschaftspflege als Basis der beliebten und touristisch geschätzten Kulturlandschaft. Zum anderen soll Südtirol auch weiterhin zu den Regionen mit der höchsten Artenvielfalt in den Alpen gehören. 

Zur Nachhaltigkeit gehören neben der Natur auch die zwei Säulen Wirtschaft und Soziales. Das wird nicht zuletzt in Leitsatz fünf zur Produktqualität und Wertschöpfung deutlich. „In diesem Leitsatz haben wir die regionalen Produkte verankert, die das Einkommen am Hof sichern sollen“, sagt Rinner. Gesundheit, Nachhaltigkeit und Tierwohl werden in der bäuerlichen Lebensmittelproduktion bereits jetzt großgeschrieben. Neben der Regionalität spielt auch die internationale Vermarktung vieler landwirtschaftlicher Produkte eine wichtige Rolle. 

Auf den Ausbau der Praxisforschung zielt der sechste Leitsatz ab. Hier geht es zudem auch um den Dialog mit der Gesellschaft, damit die Leistungen der Bäuerinnen und Bauern verstanden und geschätzt werden.

Den ganzen Bericht finden Sie ab Freitag in der Ausgabe 5 des „Südtiroler Landwirt“ vom 18. März ab Seite 5online auf „meinSBB“ oder in der „Südtiroler Landwirt“-App.