Leben, Südtiroler Landwirt | 17.03.2022

Der erste Frischekick: Schnittlauch

Er ist pflegeleicht, vielseitig und hübsch noch dazu: Schnittlauch ist wohl eines der universellsten ­Küchenkräuter, die wir haben. Und jetzt im zeitigen Frühling schon erntebereit. Genau das frische Grün, das wir jetzt so brauchen! von Renate Anna Rubner

Egal ob im Topf oder im Garten: Schnittlauch ist im Frühling eines der ersten Küchenkräuter. Foto: Pixabay

Egal ob im Topf oder im Garten: Schnittlauch ist im Frühling eines der ersten Küchenkräuter. Foto: Pixabay

Beim Abräumen im Kräuterbeet sieht es im Frühling noch traurig aus. Wenn da nicht ganz unten, irgendwo zwischen den vertrockneten Blättern frisches Grün aufblitzen würde: die ersten feinen Triebe, die der Schnittlauch aus der kalten Erde schiebt. Sie haben all das, was die Frühlingsküche ausmacht: Frisches Grün für das Auge, leichte Schärfe für Nase und Gaumen und Vitamine und Mineralien, die wintergeplagte Körper frühlingsfit machen.

Denn Schnittlauch ist zwar kein Heilkraut im herkömmlichen Sinne, er ist aber durchaus gesundheitsfördernd. Ähnlich wie viele andere essbare Lauchgewächse wie Knoblauch oder Bärlauch enthält er Senföle. Dazu viel Vitamin C und Schleimstoffe. Und er hat alle Mineralstoffe und Spurenelemente, die von der Natur angeboten werden. Vor allem aber viel Eisen. 

Durch diese ideale Kombination von Eisen und Vitamin C verleiht er Vitalität und hilft gegen die Frühlingsmüdigkeit. Die Senföle sind gut für die Verdauung, senken erhöhte Blutdruck- und Cholesterin-Werte und schützen – in Verbund mit dem Vitamin C – vor Schnupfen und anderen leichten Erkältungen. Dem Kalium im Schnittlauch wurde harntreibende Wirkung nachgewiesen, genauso wie dem Kraut eine blutreinigende Bedeutung nachgesagt wird. Seine ganze gesundheitsfördernde Wirkung entfaltet Schnittlauch aber nur, wenn er roh verzehrt wird. Hitze zerstört vor allem das Vitamin C, auch die ätherischen Öle verflüchtigen sich dadurch. 

Am besten schmeckt Schnittlauch aber auch, wenn er roh gegessen wird: in Röllchen geschnitten auf einem Butterbrot, im Topfenaufstrich, Frischkäse oder in Mayonnaise, im Blattsalat oder auf Rührei, Suppe oder Eintopf gestreut. Wer auch im Winter nicht auf Schnittlauch verzichten möchte und ihn nicht im Topf kultivieren will oder kann, friert ihn einfach ein: In Röllchen geschnitten in einem Plastikbehälter bleibt er so lange im Tiefkühlfach, bis man ihn braucht. Dann kräftig durchschütteln und so viel entnehmen, wie man möchte. Der Rest kann sofort wieder zurück in den Eisschrank.

Auch die Blüten verwertbar

Normalerweise sind es die Triebe, die in der Küche Verwendung finden. Dabei sind die Blüten mindestens ebenso gut. Und dabei auch noch sehr dekorativ: Im Salat oder in leicht gesalzener Butter beispielsweise machen sich Schnittlauchblüten optisch und geschmacklich gut aus. Oder man setzt damit einen Kräuteressig an: Dazu zupft man die Blüten von den Trieben, stopft sie in ein gut verschließbares Glas, füllt das Ganze mit Essig auf und lässt es sieben bis zehn Tage stehen. Täglich einmal durchschütteln ist von Vorteil. Nach dieser Zeit kann man die Blüten abfiltern, und man hat einen aromatisierten Schnittlauchessig. 

Sehr interessant sind frittierte Schnittlauchblüten, die durch Bierteig gezogen und dann schwimmend in Öl ausgebacken werden. Etwas Puderzucker drüber, und schon hat man eine sehr spezielle Süßspeise.

Pflegeleicht und unproblematisch

Schnittlauch ist aber nicht nur vielfältig einsetzbar, sondern auch noch pflegeleicht. Als optimaler Standort gilt eine sonnige bis halbschattige Stelle mit humosem Boden. Auch am Balkon oder im Topf kann Schnittlauch gezogen werden: Dafür sollten aber eher tiefere Töpfe gewählt werden, denn die Wurzeln brauchen genügend Platz zur Ausbreitung.

Wer die Schnittlauchhorste trennen möchte, macht das am besten im Spätherbst. Dafür wird das Schnittlauchbüschel mit den Händen zerteilt und ausgedünnt. Ein Teil des Schnittlauchs kann dann in einen Topf gepflanzt und als Wintervorrat im Haus weitergezogen werden. Der Rest treibt im Frühjahr wieder aus.

Durch das Ernten und regelmäßige Abschneiden des Schnittlauchs werden Neuaustrieb und Wachstum gefördert. Dabei sollten die Triebe aber nicht zu tief abgeschnitten werden, denn sonst verletzt man das Herz der Pflanze, und sie treibt nicht mehr aus.

Schnittlauch braucht relativ viel Wasser. Trotzdem sollte vermieden werden, dass die Pflanze im Wasser steht. Denn Staunässe führt dazu, dass die Halme gelb werden und sich Schimmel bildet. Schnittlauch hat wie viele Lauchgewächse einen hohen Bedarf an Nährstoffen, vor allem an Stickstoff. Wächst er auf einem nährstoffreichen, humosen Boden, genügen kleinere Gaben Kompost, der im Frühjahr eingearbeitet wird, um ihm die nötige Versorgung zukommen zu lassen.

Schnittlauch kann im Garten eine wichtige ökologische Funktion erfüllen. So hat sich gezeigt, dass Schnittlauch, neben andere Nutz- und Zierpflanzen gepflanzt, eine schädlingsabwehrende Wirkung hat. Seine Senföle vertreiben so manchen Schädling und schützen dadurch andere Pflanzen.

Selten wird Schnittlauch selber krank oder von Schädlingen heimgesucht. Der Rostpilz Puccini allii (Schnittlauchrost) kann ihm aber zusetzen, z. B. wenn der Schnittlauch zu eng gepflanzt ist. Die Bekämpfung dieser Pilzkrankheit ist mitunter mühsam, ein Radikalschnitt der Pflanzen erzielt meist die beste Wirkung.