Bauernbund, Südtiroler Landwirt | 03.02.2022

Tierärztemangel verhindern

Es gibt bereits einige Gebiete in Südtirol, in denen die tierärztliche Versorgung der Viehbetriebe auf der Kippe steht. Warum das so ist und wie man dieser Entwicklung entgegensteuern will … von Anna Pfeifer

Nur wenige Studierende kommen nach ihrer Ausbildung zum Veterinärmediziner nach Südtirol zurück – viele bleiben im Ausland. Foto: Agrarfoto.com

Nur wenige Studierende kommen nach ihrer Ausbildung zum Veterinärmediziner nach Südtirol zurück – viele bleiben im Ausland. Foto: Agrarfoto.com

Lange hat man besorgt auf die Entwicklung der Anzahl der Großtierärztinnen und Großtierärzte in Südtirol geblickt. Nun ist die Sorge Realität geworden: Erste Gebiete – so wie der mittlere Vinschgau – können nur noch provisorisch tierärztlich versorgt werden. Der Grund dafür: Immer weniger Studierende entscheiden sich für den Weg der Großtierpraxis, und immer mehr lassen sich nach ihrem Studium im Ausland nieder. 

Laut Daniel Gasser, Landesobmann-Stellvertreter im Südtiroler Bauernbund, eine beunruhigende Entwicklung. Er erklärt: „Wenn das so weitergeht, stehen wir bald ohne Großtierärzte und -tierärztinnen da.“

Gründe für sinkende Zahlen

Die Universitäten, an denen die meisten Südtirolerinnen und Südtiroler Veterinär­medizin studieren, liegen in Städten wie Wien, Padua und München. Die Studiengänge an sich sind gut besucht, und immer mehr ­Frauen entscheiden sich für eine Ausbildung im Bereich der Tiermedizin – jedoch spezialisieren sich die wenigsten für den Bereich der Großtierpraxis. Franz Hintner, Präsident der Tierärztekammer in Südtirol, kennt die Gründe dafür: „Großtierärzte, die rund um die Uhr für die Bäuerinnen und Bauern verfügbar sind, wird es in Zukunft nicht mehr geben. Denn auch die Tierärzte wünschen sich heute geregelte Arbeitszeiten und Freizeit. So wie die tierärztliche Versorgung der ­Viehbetriebe in Südtirol aktuell geregelt ist, ist das jedoch nicht möglich. Hinzu kommt, dass das Einkommen für die Großtierärztinnen und -tierärzte im Verhältnis zu ihrer Leistung nicht mehr angemessen ist. Wenn die Studierenden im Ausland bleiben, finden sie bessere Arbeitsverhältnisse vor. 

Eigenbestandsbesamungen, Trächtigkeitsanalysen über die Milch usw. führen dazu, dass der Tierarzt immer seltener am Hof gebraucht wird. So kommt es vor, dass er oft eine kilometerlange Fahrt auf sich nehmen muss, um eine einzige Behandlung vorzunehmen. Das ist nicht wirtschaftlich.“ Damit die tierärztliche Versorgung in Südtirol gesichert werden kann, müsse ein Umdenken stattfinden, so Hintner. Gleichzeitig müssen die Kosten für tierärztliche Behandlungen in Zukunft für die Bäuerinnen und Bauern erschwinglich bleiben. Ansonsten besteht die Gefahr, dass notwendige Behandlungen an den Tieren nicht mehr vorgenommen werden – zum Nachteil für das Tierwohl.


Den ganzen Bericht finden Sie ab Freitag in der Ausgabe 2 des „Südtiroler Landwirt“ vom 4. Februarab Seite 5 oder online auf „meinSBB“.