Leben, Südtiroler Landwirt | 19.01.2022

„Georbetet hon i nia“

Anna Gruber Steinacher ist Altbäuerin am Blabocherhof in Verdings. Ein Leben lang hat sie gearbeitet, vier Buben großgezogen. Sie schreibt Mundart-Gedichte und liest viel: Sachbücher, Biografien und den ­„Südtiroler ­Landwirt“. Mit ihm hat sie eines gemeinsam, ihr Geburtsjahr 1947. von Renate Anna Rubner

Lesen ist eine Leidenschaft von Anna Gruber Steinacher. Immer schon war ihr der „Südtiroler Landwirt“ eine liebe Lektüre.

Lesen ist eine Leidenschaft von Anna Gruber Steinacher. Immer schon war ihr der „Südtiroler Landwirt“ eine liebe Lektüre.

Seit 75 Jahren ist der „Südtiroler Landwirt“ der Freund der Bauern und will „aus einem Landwirt einen erfolgreichen Landwirt machen“. Am 12. Jänner 1947 ist die erste Ausgabe des „Landwirt“ erschienen. Damit ist er gleich alt wie etwa das deutsche Wochenmagazin „Der Spiegel“. Oder Anna Gruber Steinacher. Die Altbäuerin vom Blabocherhof in Verdings schätzt den „Südtiroler Landwirt“ schon seit jungen Jahren: „Ich habe immer gerne gelesen“, sagt die Bäuerin. Und weil man früher nicht viel Lektüre zur Verfügung hatte, freute sie sich über jede Ausgabe, die alle zwei Wochen im Briefkasten lag. „Besonders für mich als junge Bäuerin war immer etwas Brauchbares im ,Südtiroler Landwirt‘: Egal ob Rezepte, Schnittmuster oder Anleitungen zum Stricken. Ich habe viele Anregungen darin gefunden und alles sorgsam aufbewahrt.“

Geboren ist Anna Gruber Steinacher in Villanders, und zwar am 14. April 1947. Mit ihren Eltern und den fünf Geschwistern lebte sie dort in einem Häuschen, das der Vater geerbt hatte. Als Anna drei Jahre alt war, kauften die Eltern ein kleines Höfl in Verdings, beim „Förster“ wurde es genannt. Zu den ersten sechs Kindern kamen über die Jahre weitere fünf dazu. Die Mutter versorgte gemeinsam mit den Kindern Haus und Hof, der Vater verdiente den Lebensunterhalt für die Familie. „Die Eltern haben immer nur gearbeitet“, sagt Anna, „und gespart.“ So haben sie später den Unterrungger, ein größeres Höfl etwas näher am Dorf und mit besserem Acker kaufen können. Das war 1957. Anna erinnert sich: „Zur Musikprobe ist mein Vater anfangs immer noch nach Villanders gegangen, einmal pro Woche, immer zu Fuß.“ Gearbeitet hat er bei der Wildbachverbauung, die Mutter hat sich um das Vieh gekümmert: Zunächst waren es nur Ziegen, später kamen auch Kühe dazu. Der Vater hat  den Acker bestellt und die Wiesen gemäht, die großen Buben haben ihm dabei geholfen. Als dann der Nachbar, Alois Steinacher, eine der ersten Mähmaschinen in der Gegend anschaffte, hat er das Mähen übernommen. So hat ihn Anna näher kennengelernt, sich prompt verliebt und 1969 – sie war gerade mal 22 Jahre alt – geheiratet. Ihr erster gemeinsamer Sohn war schon geboren. Schon ein Jahr später kam der zweite Sohn, Florian, zur Welt, vier Jahre danach Lukas und 1983 der Nachzügler Michael. 

Anna hatte zwar im Krankenhaus Innichen kochen gelernt und als Küchengehilfin gearbeitet, aber die Hausmannskost war ihr nicht geläufig. „Die hat mir meine Schwiegermutter beigebracht“, erzählt Anna. Mit ihr hat sie 33 Jahre lang Küche und Stube geteilt, auch noch als der Hof ausgesiedelt wurde und die Familie außerhalb des Dorfes eine neue Hofstelle bauen durfte. „Meine Schwiegermutter war eine echte Bäuerin“, sagt Anna anerkennend. „Ich habe natürlich alles gemacht, was am Hof zu tun war, weil mein Mann im Winter ja immer in Gröden gearbeitet hat, aber die Bäuerin am Hof war unbestritten sie.“ Beide Schwiegereltern haben am Hof mitgearbeitet, solange es ihre Kräfte zuließen.

Die Kinder waren Anna immer sehr wichtig: Sie sollten in einer liebevollen Umgebung aufwachsen und einen Beruf lernen. Martin ist heute Röntgentechniker und arbeitet am Krankenhaus Brixen. Er wohnt mit seiner Frau und den drei Kindern am Hof und hat ihn vor einiger Zeit übernommen. Um Hof und Arbeit gut unter einen Hut zu bekommen, hat er auf Fleischproduktion umgestellt und macht beim Qualitätsfleischprogramm des Kovieh mit. Sein Vater Alois hilft ihm, geht morgens und abends in den Stall und versorgt die Tiere. Florian und Lukas leben mit ihren Familien im Dorf, Anna schaut immer wieder auf ihre Kinder. Manchmal kocht sie für alle, Erdäpfelplattlen mit Kraut oder ein Bratl, Bauernkost halt.

Den ganzen Bericht finden Sie ab Freitag in der Ausgabe 1 des „Südtiroler Landwirt“ vom 21. Jänner ab Seite 23 oder online auf „meinSBB“.