Markt, Produktion | 10.11.2022

Mit „Classyfarm“ in die Zukunft

In den vergangenen Monaten wurden bereits viele Milchviehhalter kontaktiert, um an dem vom Südtiroler Sennereiverband organisierten Projekt „Tierwohl Südtirol“ teilzunehmen. Dieses Projekt begann Anfang 2022 und betrifft alle Milchviehbetriebe Südtirols zur Vorbereitung auf „Classyfarm“. von Erica de Monte

Das Tierwohl in den Ställen soll mit dem neuen „Classyfarm“-System besser kontrollierbar sein als bisher.

Das Tierwohl in den Ställen soll mit dem neuen „Classyfarm“-System besser kontrollierbar sein als bisher.

Ziel des Projekts „Tierwohl Südtirol“ ist es, einerseits einen Überblick über das Niveau des Tierschutzes und der Tiergesundheit in Südtirol zu erhalten und andererseits die Landwirte für dieses Thema zu sensibilisieren, besonders in Hinblick auf die Einführung des „Classyfarm“-Systems. Nachfolgend wird das „Classyfarm“-System erläutert, und es werden einige kritische Punkte näher beleuchtet. 

„Classyfarm“ ist ein vom italienischen Gesundheitsministerium eingeführtes System zur Klassifizierung von Tierhaltungsbetrieben. Die Klassifizierung erfolgt in erster Linie hinsichtlich Tiergesundheit und Tierwohl. Die Entwicklung und Umsetzung dieses Systems begann 2016 mit einem Pilotprojekt. Seit 2017 besteht das Ziel darin, das System für Schweine und Wiederkäuer zu vereinheitlichen. Zudem wurden im Laufe der Zeit auch andere Tierarten ins System miteinbezogen. Aktuell betrifft es Milchkühe, Milchkälber, Mastrinder, Milchziegen, Milchschafe, Zuchtschweine und Mastschweine. Für Mutterkühe, Milchbüffel, Puten, Legehennen und Masthähnchen gibt es eigene Checklisten. Die Geflügel-Checklisten erwiesen sich hinsichtlich der Biosicherheitsmaßnahmen bei der Geflügelpest als besonders wichtig.

„Classyfarm“ verfolgt hauptsächlich sechs Ziele, deren Erreichung durch die Verknüpfung von betrieblichen Tierschutzdaten, mit Daten aus den Behandlungsregistern und mit Daten aus den Schlachthöfen sichergestellt werden soll. 

Die sechs Ziele sind folgende:

Überblick: „Classyfarm“ soll einen objektiven Überblick über den Tiergesundheits- und Tierwohlstatus der in den Betrieben gehaltenen Tiere bieten. Gegebenenfalls kann man an kritischen Punkten gezielt eingreifen und so einen hohen Standard an Tierschutz und Tiergesundheit gewährleisten.

Lebensmittelsicherheit: Zusätzlich soll „Classyfarm“ die Herstellung sicherer Lebensmittel tierischen Ursprungs und des Verbraucherschutzes unterstützen, weil die Lebensmittelsicherheit mit dem Tierwohl anfängt. „Classyfarm“ berücksichtigt auch mit den Daten vom Schlachthof und den Daten über den Verbrauch von Arzneimitteln, insbesondere von Antibiotika.

Tiergesundheit: Ein weiteres Ziel ist die Umsetzung der EU-Verordnung 429/2016, des so genannten „Tiergesundheitsgesetzes“. Diese legt fest, dass Lebensmittelunternehmer, einschließlich Landwirte, für die Gesundheit und das Wohlergehen der von ihnen gehaltenen Tiere verantwortlich sind. Dies bedeutet, dass die Landwirte ihre Tiere, abhängig vom Risiko eines schlechten Gesundheitszustands der Herde, von einem Tierarzt untersuchen lassen müssen. Um eine objektive Vorstellung von dem Risiko zu erhalten, ist daher eine Analyse der kritischen Punkte erforderlich. Der Eingriff des Tierarztes soll auch entsprechend geplant werden.

Kontrollen planen: Die von den Amtstierärzten durchgeführten Kontrollen sollen so geplant werden, dass sie zielgerichtet sind, d. h. insbesondere auf Situationen abzielen, die ein hohes Risiko für mangelnde Tiergesundheit und mangelnden Tierschutz darstellen und die geändert werden müssen.

Krankheiten schnell erkennen: „Classyfarm“ soll eine bessere Interpretation von Tiergesundheitsparametern und damit eine schnellere Erkennung von Infektionskrankheiten ermöglichen. Dies trägt zu einer noch rascheren und wirksameren Reaktion der Veterinärdienste zur Eindämmung von Problemen bei.

Daten vergleichen: Die gesammelten Daten werden auch zu Vergleichszwecken verwendet, d. h., um sich ein Bild von der Gesundheits- und Tierschutzsituation nicht nur auf der Ebene der einzelnen Betriebe, sondern auch auf regionaler Ebene zu machen. So kann man beispielsweise mögliche Risiken für die Ausbreitung von Infektionskrankheiten leichter erkennen.

Wie läuft die Datenerhebung ab?

Die Daten, die im „Classyfarm“-System erfasst werden, werden auf der Grundlage eines Betriebsbesuchs durch einen Betriebs- oder Amtstierarzt eingegeben. 

Ergänzt werden diese mit Daten aus dem Veterinär-Informationssystem (VETINFO), das auch  Informationen über den Verbrauch von Arzneimitteln und insbesondere von Antibiotika enthält. Die im Zuge des Betriebsbesuchs auf dem Bauernhof gesammelten Daten werden mit Hilfe eines Fragebogens erfasst und direkt an das Gesundheitsministerium zur Verarbeitung der Ergebnisse übermittelt. Der Fragebogen ist in folgende Untergruppen unterteilt:

  • Biosicherheit;
  • Betriebs- und Personalmanagement;
  • Einrichtungen und Ausrüstung;
  • Tierbezogene Indikatoren
    (z. B. Verletzungen);
  • Große Risiken und Warnsysteme
    (z. B. Feuerschutz).

Die einzelnen Fragebögen unterscheiden sich jedoch hinsichtlich untersuchter Tierart und Produktionsrichtung.

Wer gibt Daten in das System ein?

Die Eingabe der Daten erfolgt durch Betriebstierärzte, beauftragte Tierärzte oder Amtstierärzte. Ab Jänner 2023 werden nur noch Betriebstierärzte und Amtstierärzte die Checkliste ausfüllen dürfen, sofern in den kommenden Monaten keine Ausnahmeregelung getroffen wird. 

Den ganzen Bericht finden Sie ab Freitag in der Ausgabe 20 des „Südtiroler Landwirt“ vom 11. November ab Seite 29, online auf „meinSBB“ oder in der „Südtiroler Landwirt“-App.