Produktion | 04.08.2022

Mit Technik Wasser sparen

Die aktuelle Wasserknappheit führt vor Augen, wie kostbar Wasser ist. Deshalb muss man schonend damit umgehen. Am Moarhof der Agentur Landesdomäne sind aus diesem Grund zwei Steuerungssysteme für die Tropfbewässerung im Test. Die ersten Erfahrungen sind vielversprechend. von Ulrike Raffl

Eine Software, die je nach Saugspannung im Boden die Ventile für die Bewässerung öffnet, ist am Moarhof in Sinisch im Test.

Eine Software, die je nach Saugspannung im Boden die Ventile für die Bewässerung öffnet, ist am Moarhof in Sinisch im Test.

Tropfberegnungsanlagen gelten an sich schon als sehr wassersparend. Vor allem dort, wo Wasserkonsortien die Bewässerungszeiten genau reglementieren, wurden in Südtirol viele dieser Anlagen bereits automatisiert. Das heißt, eine Anlage wird nur an jenen Wochentagen und zu jener Tageszeit bewässert, wie vom Bewässerungskonsortium vorgeschrieben. 

Enormes Einsparungspotential

Auf dem Moarhof oberhalb von Meran, einem der zwanzig Gutshöfe des Agrarbetriebes Laimburg, geht man nun noch einen Schritt weiter, um Wasser noch besser einzusparen. Eigene Sensoren messen die Feuchtigkeit im Boden und schalten die Tropfberegnungsanlage erst dann frei, wenn der Boden wirklich trocken ist. 

Albert Wurzer, Direktor der Agentur Landesdomäne, ist überzeugt: „Wir schätzen, dass sich durch die Kombination dieser bedarfsgerechten Bewässerung mit der bereits erprobten automatisierten Bewässerung mindestens 50 Prozent des Beregnungswassers einsparen lässt, in nassen Jahren wahrscheinlich noch mehr.“ 

Sensoren erkennen den Wasserbedarf

Erprobt wird die Kombination aus den beiden Systemen seit Anfang Mai auf rund sechs Hektar Obst- und Weinbauflächen der landesdomäne. In jeder Anlage misst ein Sensor die Bodenfeuchte in 25 Zentimetern Tiefe. Per App kann eingestellt werden, welchen Wert die Saugspannung im Boden maximal erreichen darf. Im Obstbau wird dafür momentan ein Wert von minus 300 Hektopascal empfohlen. Wenn dieser Wert unterschritten wird und sobald die Anlage mit Bewässern an der Reihe ist, werden die Elektroventile für die jeweilige Anlage automatisch geöffnet. 

Das Wasser kommt über die Hauptleitung, wird gefiltert und über die Elektroventile in die Anlagen geleitet. Die sechs Elektroventile am Moarhof werden über ein Solarpaneel gespeist und sind über Funk mit den sechs Sensoren in den Apfel- und Rebanlagen verbunden. Per App kann die Saugspannung im Boden überwacht werden, so hat man stets Einblick in die Situation im Boden.

Bewässerungszeiten reduzieren

Das System bringt vor allem im Obstbau, wo öfters bewässert werden muss, Vorteile. Stephan Raffl, der zuständige Bereichsleiter des Agrarbetriebes Laimburg, erklärt: „Wir sehen, dass es unseren Pflanzen gut geht, obwohl wir bisher sehr oft gar nicht bewässert haben, wenn wir auch den Turnus gehabt hätten. Wir haben mit Hilfe der Erkenntnisse aus der Sensoren-Messung auch die Bewässerungszeiten reduziert. Wo wir früher alle zwei Tage für bis zu vier Stunden bewässert haben, haben wir gemerkt, dass bereits zwei Stunden vollkommen ausreichen, um
den Boden mit Wasser zu sättigen.“ 

Mit diesem System könne man auch die Obstanlage besser kennenlernen, meint Raffl. „Wir sind verblüfft darüber, wie viel weniger man eigentlich bewässern muss, um das gleiche Resultat zu erzielen. Wenn der Boden mit Wasser gesättigt ist, bringt ja zusätzliches Bewässern nichts mehr für die Anlage, ganz im Gegenteil: Durch zu viel Bewässerung können Nährstoffe im Boden ausgewaschen werden. Ganz zu schweigen von der Wasserverschwendung.“

Vorteile auch für Bewässerung mit Grundwasser

Die bedarfsgerechte Bewässerung bringt nicht nur dort Vorteile, wo das Wasser über Bewässerungskonsortien rationiert ist, sondern auch in der Ebene, wo das Beregnungswasser aus Tiefbrunnen, den Ziggeln, gepumpt wird. Denn das System hilft auch beim Strom- oder Diesel-Sparen, weil nur dann gepumpt werden muss, wenn effektiv Wasserbedarf besteht.

Der Agrarbetrieb Laimburg wendet das neue System auch in einer Rebanlage an und ist gespannt auf die Ergebnisse. Stephan Raffl zeigt sich zuversichtlich: „Ich rechne damit, dass wir am Ende des Jahres die gleich guten Äpfel bzw. Trauben haben werden wie sonst, wenn nicht sogar bessere, weil sie nicht überwässert wurden. Wenn wir zufrieden sind mit dem Ergebnis, werden wir das System nach Möglichkeit auf alle unsere Betriebe ausweiten. Alle werden in Zukunft Wasser sparen müssen, auch wir Landwirtinnen und Landwirte werden uns vor dieser Notwendigkeit nicht ausnehmen können.“