Weiterbildung | 04.08.2022

Energieeffizienz in der Steiermark

Die Bauernbund-Abteilung Innovation & Energie war im Rahmen des Projektes INNOEnergie auf Lehrfahrt in der Steiermark. Ziel der Exkursion: Einblick in landwirtschaftliche Projekte zur Energieeffizienz zu erhalten und sich mit den Energieexperten der Landwirtschaftskammer zu vernetzen.

Die Delegation aus Südtirol am Betrieb von Rudolf und Resi Mandl

Die Delegation aus Südtirol am Betrieb von Rudolf und Resi Mandl

Am besten lernt man von Praxisbeispielen. Das gilt auch für Energiethemen im landwirtschaftlichen Bereich. Deshalb ist die Bauernbund-Abteilung Innovation & Energie mit den Partnern des ELER-Projektes INNOEnergie in die Steiermark gereist, um gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer Steiermark Topbetriebe im Bereich der Energieeffizienz rund um Graz zu besichtigen. 

Alle besuchten Betriebe zeigten ein umfassendes Wissen hinsichtlich ihres Energiemanagements. Zwei Höfe waren aufgrund ihrer Maßnahmen aber besonders interessant.

E-Hoflader als Allzweckmittel

Am Betrieb von Rudolf und Resi Mandl steht der elektrische Hoflader im Mittelpunkt. Dieser wurde wegen der zusätzlichen Vorteile im Vergleich zum dieselbetriebenen Hoflader angekauft. Der E-Trac der Marke Weidemann© ist in zahlreiche Arbeitsprozesse am Hof eingebunden und Teil des Energiemanagements. Mit dem Strom aus der am Dach des Laufstalls montierten Photovoltaikanlage wird er geladen. 

Die Anlage hat eine Nennleistung von 7,5 Kilowatt-peak (kWp) und reicht damit aus, um die Batterien mit 3,5 Kilowattstunden Speicherkapazität zu versorgen. Der breite Einsatzbereich des Hofladers und die effiziente Handhabung sind vor allem dadurch gegeben, dass das gesamte Betriebskonzept darauf abgestimmt ist. So kann zum Beispiel auch die Entmistung des Außenbereichs mit dem E-Trac gemacht werden. Nur bei sehr steilen Flächen muss mit mehr Bedacht gefahren werden.

Effizienz in der Essigmanufaktur 

In der kleinsten Essigmanufaktur Österreichs wird Energieeffizienz großgeschrieben. Für die Essigproduktion bei Oswald/Schaffer wird eigentlich nur ein kleines Gebäude verwendet. Die Herstellung verursacht allerdings einen konstanten Verbrauch von rund zwei Kilowattstunden und besteht aus einer Anlage, die über ein Pumpsystem durchgehend Luft in den Gärkessel pumpt. Dieser Vorgang ist notwendig, um den Bakterien optimale Bedingungen für die Produktion von Essig zu ermöglichen. 

Bei der Gärung des Essigs entsteht Energie in Form von Wärme. Damit diese nicht ungenutzt bleibt, wird sie über die Wasserkühlung in die Heizung des Verarbeitungsgebäudes eingespeist. Im Winter kann daraus ein doppelter Nutzen gezogen werden, während im Sommer mit Frischwasser gekühlt werden muss.

Am Hof wurde bereits 2012 die erste Photovoltaik-Anlage auf dem Dach eines Schuppens angebracht. Da Photovoltaik-Anlagen nur tagsüber produzieren, wurde in einem zweiten Moment ein Lithium-Ionen-Speicher (22 kWh) angekauft, um eine unabhängigere Stromnutzung zu erreichen und die Produktion auch bei Stromausfällen zu garantieren. Zusätzlich zum Speicher gibt es am Hof auch ein Elektroauto. Auch dieses wird mit dem selbstproduzierten Strom aufgeladen. 

Durch die ausgeklügelte Nutzung und Planung der am Hof produzierten Energie erreichen Thomas Oswald und Beate Schaffer in den Sommermonaten eine Eigennutzung von rund 70 Prozent. 

Fachlicher Austausch 

Der fachliche Austausch mit den Experten der Landwirtschaftskammer Steiermark hat der Abordnung aus Südtirol zu weiteren wichtigen Erkenntnissen geführt. Einig war man sich darüber, dass jede Beratung sehr betriebsspezifisch ist. Aufgrund der großen Nachfrage nach Energieberatungen fehlen leider meist die Kapazitäten, um einen Betrieb kurzfristig und umfassend zu beraten. Überschlagsmäßige Wirtschaftlichkeitsberechnungen können allerdings bereits eine Richtung vorgeben.

Vorzeigebetriebe sind für die Landwirtschaftskammer sehr wichtig, um die Praxis­tauglichkeit verschiedener Maßnahmen aufzuzeigen. Solche Betriebe gilt es auch in Südtirol ausfindig zu machen. Neue und wichtige Erkenntnisse haben die Experten aber durch konkrete Messungen des Energieverbrauchs im Betrieb gewonnen. Die Verbräuche zu kennen, ist in der Regel nämlich der erste Schritt, um ein Bewusstsein für Energieeffizienz zu entwickeln.

Wie man anhand der Erfahrungen der LK Steiermark erkennen kann, ist der Energiebereich sehr schnelllebig und wandlungsfähig. Trendthemen allein der letzten paar Jahre in diesem Bereich waren bzw. sind Pflanzenöl, Biodiesel und Biogas, Hackschnitzelheizungen, Heizwerke und Logistikketten und natürlich Photovoltaik und Energiespeicherung.