Arbeitssicherheit | 26.05.2022

Unfall auf dem Arbeitsweg

Wann entschädigt das INAIL einen Unfall auf dem Arbeitsweg? Welche Ausnahmen gibt es? Worauf ist zu ­achten? Antworten auf diese Fragen bietet dieser Artikel.

Der Begriff „Wegeunfall“ bezieht sich normalerweise auf einen Verkehrsunfall, der einem Lohnabhängigen auf dem üblichen Arbeitsweg widerfährt und eine dauerhafte oder vorübergehende Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat. 

Zum Arbeitsweg – der direkteste und kürzeste Weg, der üblicherweise zurückgelegt wird – gehören folgende Wege: vom Wohnort zum Arbeitsort und umgekehrt, von einer ersten Arbeitsstelle zu einer anderen, wenn der Arbeitnehmer mehrere Arbeitsverhältnisse hat, oder vom Arbeitsplatz zum Essensort und umgekehrt, wenn es keine Mensa im Unternehmen gibt. 

Sollte es eine Abweichung vom üblichen Arbeitsweg geben und ein Unfall geschehen, muss eine Verkehrssituation oder höhere Gewalt nachgewiesen werden, um Anspruch auf eine Entschädigung von Seiten des INAIL zu erhalten. Die Strecke kann geändert werden, um einen Auftrag des Arbeitgebers oder strafrechtliche Pflichten zu erfüllen oder aufgrund unaufschiebbarer und essenzieller Notwendigkeiten. Andere Abweichungen auf den genannten Strecken führen hingegen nicht dazu, dass das Ereignis als Wegeunfall gewertet wird.

Das INAIL hat festgelegt, dass folgende drei Bedingungen für die Anerkennung als Arbeitsunfall erforderlich sind:

  • Die Bewegung muss zu Arbeitszwecken erfolgen.
  • Sie muss auf dem normalen Arbeitsweg erfolgen.
  • Es muss ein kausaler Zusammenhang zwischen der Fahrt und der Arbeitstätigkeit bestehen.

Zudem muss bei einem Wegeunfall auch das übliche Fortbewegungsmittel des Lohnabhängigen für den Arbeitsweg berücksichtigt werden. 

Grundsätzlich gilt, dass der Arbeitsweg mit den üblichen Verkehrsmitteln, d. h. zu Fuß oder mit einem öffentlichen Verkehrsmittel, erfolgen muss.  Sollte der Weg hin-gegen mit dem Auto oder anderen privaten Verkehrsmitteln zurückgelegt werden,
muss die Notwendigkeit wie folgt bewiesen werden:

  • Das Fahrzeug wird vom Arbeitgeber für die Arbeitstätigkeit zur Verfügung gestellt bzw. vorgeschrieben.
  • Der Arbeitsort kann nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden bzw. zwar erreicht werden, aber nicht rechtzeitig zu Arbeitsbeginn.
  • Die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln ist mit übermäßig langen Wartezeiten verbunden.
  • Die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel ist wesentlich zeitaufwändiger als die Nutzung privater Verkehrsmittel.
  • Der Weg zur nächstgelegenen Haltestelle des öffentlichen Verkehrsmittels zum Arbeitsort bzw. vom Wohnort muss zu Fuß zurückgelegt werden und ist übermäßig lang.

Ein Unfall auf dem Arbeitsweg, der mit dem Fahrrad geschieht, wird hingegen entschädigt, insofern alle Bedingungen für einen Wegeunfall erfüllt sind. Wegeunfälle, die unmittelbar durch den Missbrauch von alkoholischen Substanzen und Psychopharmaka, den nicht therapeutischen Gebrauch von Betäubungsmitteln und Halluzinogenen sowie durch das Fehlen eines Führerscheins verursacht werden, sind nicht entschädigt.

Arbeitsunfälle während der Kaffeepause außerhalb des Betriebsgeländes werden nicht anerkannt, da sie „auf Risiko des Arbeitnehmers erfolgen“.