Produktion, Südtiroler Landwirt | 03.03.2022

Versuchstätigkeiten 2022 stehen

Mit 397 Projekten und Tätigkeiten für Südtirols Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung geht das Versuchszentrum Laimburg ins Jahr 2022. Darin sind mehrere Projekte enthalten, die auf Initiative des Südtiroler Bauernbundes ins Programm aufgenommen wurden.

Am Standort Laimburg werden verschiedene Dünger im Hinblick auf die Bodenbiologie, Nährstoffflüsse und Nährstoffbilanzen verglichen. Foto: Versuchszentrum Laimburg

Am Standort Laimburg werden verschiedene Dünger im Hinblick auf die Bodenbiologie, Nährstoffflüsse und Nährstoffbilanzen verglichen. Foto: Versuchszentrum Laimburg

Das Tätigkeitsprogramm des Versuchszentrums Laimburg unterscheidet zwischen „Tätigkeiten“ und „Projekten“. Bei den Tätigkeiten handelt es sich um kontinuierlich stattfindende Forschungsaktivitäten wie z. B. Sorten- oder Standortprüfungen im Obstbau, Weinbau oder Kräuteranbau, die Prüfung neuer Anbausysteme oder die Prüfung von Mitteln oder Strategien zur Regulierung von Krankheiten und Schädlingen. 

Projekte hingegen werden infolge einer neu aufgetretenen Problematik oder eines konkreten Forschungsbedarfs durchgeführt und haben einen begrenzten und definierten Bearbeitungszeitraum. Dazu gehören auch sogenannte Drittmittelprojekte, die beispielsweise aus Mitteln europäischer Programme wie dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung EFRE finanziert werden.

Im Jahr 2021 wurden vom Versuchszentrum insgesamt 139 lokale Organisationen, z. B. der Südtiroler Bauernbund, die Beratungsorganisationen, Vertreter der Obst-, Wein- und Berglandwirtschaft, die Bioverbände usw. eingeladen, damit sie Vorschläge für neue Projekte und Tätigkeiten für das Tätigkeitsprogramm 2022 vorlegen. Alle Vorschläge wurden auf ihre Umsetzbarkeit hin geprüft und priorisiert, dem Wissenschaftlichen Beirat des Versuchszentrums zur Stellungnahme vorgelegt und in Abstimmung mit dem Ressort für Landwirtschaft genehmigt. Insgesamt sind es nun 397 Projekte und Tätigkeiten, die die Forscherinnen und Forscher des Versuchszentrums in diesem Jahr bearbeiten werden.

Organische Dünger im Obst- und Weinbau

Forscherinnen und Forscher des Instituts für Obst- und Weinbau arbeiten seit mehr als zehn Jahren an Versuchen zur organischen Düngung. Besonders im Weinbau spielt sie eine wichtige Rolle, sieht doch die Nachhaltigkeitsstrategie Südtirol Wein Agenda 2030 den vollständigen Ersatz mineralischer Stickstoffdünger durch organische Dünger vor. Im Projekt „MOVino – Wintereinsaaten im Weinbau: mikrobielle Biomasse und Kohlenstoffspeicher“ wird in den nächsten fünf Jahren untersucht, welche Auswirkungen eine Gründüngung mit Wintereinsaaten auf den Boden hat. Ziel des Projektes ist es, mit Wintereinsaaten die organische Substanz und damit Bodenfruchtbarkeit der Südtiroler Weinbauböden auch ohne Zugabe von synthetischen Stickstoffen zu erhalten sowie die Anbausysteme klimafreundlicher zu gestalten. 

Mit dem Thema organische Düngung im Obstbau beschäftigt sich die Arbeitsgruppe „Ökologischer Anbau“. Ein neues Projekt untersucht verschiedene Düngemethoden wie organische Handelsdünger und Bodenverbesserer im Vergleich zu herkömmlichen chemischen Stickstoffdüngern. Lag in früheren Projekten der Fokus beim Düngen auf einer Steigerung von Wachstum und Ertrag der Apfelbäume, so gilt nun ein besonderes Augenmerk auf den Nährstoffflüssen, Nährstoffbilanzen und bodenbiologischen Aspekten. Nicht zuletzt sind die organische Bodensubstanz und Bodenbiologie wesentliche Hebel für eine klimafreundliche Landwirtschaft. 

Schadpilz „Glomerella Leaf Spot“ 

Im September 2020 wurde im Südtiroler Etschtal in einigen Apfelanlagen erstmals ein Schadbild nachgewiesen, das die Bezeichnung Glomerella Leaf Spot (GLS) trägt. GLS wird durch die Pilzart Colletotrichum fructicola verursacht und äußert sich in frühzeitigem Blattfall und verminderter Fruchtqualität bis hin zu massiven Ernteausfällen. In subtropischen Apfelanbaugebieten ist GLS schon seit Längerem bekannt. Am Versuchszentrum Laimburg erforscht die Arbeitsgruppe ­„Phytopathologie“ dieses Krankheitsbild. Dabei wird einerseits der Erreger genetisch charakterisiert, andererseits werden die Infektionsbedingungen ermittelt. Diese Informationen bilden die Grundlage für die Entwicklung von Bekämpfungsstrategien. In-vitro-Versuche sollen zudem erste Anhaltspunkte für die Anfälligkeit der verschiedenen Sorten geben. 

Spektralanalyse zur Erkennung von Pflanzenstress

Wie der Mensch kann auch der pflanzliche Organismus Stress empfinden, beispielsweise wenn der Pflanze zu wenig Wasser zur Verfügung steht, die Umgebungstemperaturen sehr hoch sind oder sie an Infektionen leidet. Solche Belastungszustände lösen Veränderungen des Pflanzenstoffwechsels aus. Diese Veränderungen machen sich die Forscherinnen und Forscher nun zunutze und möchten eine neue Methode entwickeln, um z. B. Infektionen und Trockenstress im Apfelbaum nachzuweisen. Bei dieser neuen Methode handelt es sich um die sogenannte Spektralanalyse, die auf der Messung von elektro­magnetischen Wellen basiert. In ersten ­Feldversuchen ist es den Arbeitsgruppen „Funktionelle Genomik“ und „Phytopathologie“ bereits gelungen, mit dieser Methode Apfelbäume zu erkennen, die mit dem bakteriellen Erreger der Apfeltriebsucht infiziert sind. Das soll nun weiterentwickelt werden, um die Apfeltriebsucht im Feld zu diagnostizieren, sozusagen als „Schnelltests vor Ort“. Ein weiterer Schwerpunkt liegt darin herauszufinden, ob sich die Spektralanalyse zur Identifizierung von Infektionen oder zur Stresserkennung beim Apfelbaum eignet. Das Projekt hat eine Laufzeit von zwei Jahren. 

DIC-Pilotanlage für Trockenobst

Die Arbeitsgruppe „Obst- und Gemüse­verarbeitung“ widmet sich in einem neuen Projekt der Verbesserung und Erweiterung der Produktpalette von Südtiroler Trockenobst. Bei herkömmlichen Trocknungsprozessen kommt es zu einem Strukturverlust im Obst. Mit einer innovativen Trocknungs- und Texturierungsanlage am Versuchszentrum Laimburg – der sogenannten DIC-Pilotanlage – können nun besondere Textureigenschaften erzielt und gesunde und knusprige Snacks hergestellt werden. 

Diese Anlage beruht auf einer „Kontrollierten Sofortigen Dekompression“: Durch einen plötzlichen Druckabfall kann das getrocknete Gewebe teilweise wieder ausgedehnt und die ursprüngliche Struktur wiederhergestellt werden. Das Material wird dadurch poröser, durchlässiger und knackiger, da mehr Feuchtigkeit entzogen wird. Ein weiterer Vorteil der innovativen Technologie besteht darin, dass beim Apfel der gesamte essbare Teil der Frucht – inklusive Schale und Kerngehäuse – verwendet werden kann. Nun sollen mit dem Projekt „Bewertung der texturellen Eignung von Südtiroler Kleinobst“ neben Äpfeln, Beeren und Steinobst auch andere Früchte und Gemüsesorten mit der DIC-Anlage texturiert werden. Die Laufzeit des Projekts beträgt zwei Jahre. Die Investition in die Pilotanlage wurde von der Landesregierung durch den „Aktionsplan Berglandwirtschaft und Lebensmittelwissenschaften“ gefördert. Sie befindet sich am NOI-Techpark.