Produktion | 25.11.2021

Landwirtschaft ist Teil der Lösung

Die Landwirtschaft trägt zu 17 Prozent am Ausstoß von Treibhausgasen in Südtirol bei. Auf der anderen Seite leistet sie aber aktiven Klimaschutz, indem sie Kohlendioxid in Pflanzen und Böden bindet.

Lokales Grundfutter statt importierten Futtermitteln: Das soll Emissionen reduzieren helfen.

Lokales Grundfutter statt importierten Futtermitteln: Das soll Emissionen reduzieren helfen.

Wie andere Sektoren ist auch die Landwirtschaft zwangsläufig mit dem Ausstoß von Treibhausgasen verbunden, wobei es sich hier zumeist um natürliche Prozesse handelt. In der Tierhaltung entsteht bei der Verdauung von Futtermitteln durch Wiederkäuer Methan (CH4). Die zweite bedeutende Emissionsquelle ist die Ausbringung von Stickstoffdüngern, wobei Lachgas (N2O) entweicht. 

Insgesamt verursacht die Landwirtschaft rund zehn Prozent aller Treibhausgas-Emissionen in Europa. In Südtirol liegt dieser Wert nach Berechnungen der EURAC aufgrund der geringeren Bedeutung der Industrie etwas höher, und zwar bei rund 17 Prozent. Haupt-emittenten sind der Straßenverkehr und Heizung mit 42 bzw. 20 Prozent Anteil. Alle Emissionswerte werden aber ohne Berücksichtigung der sogenannten grauen Emissionen berechnet, die außerhalb der Feldarbeit entstehen und z. B. Lagerung und Transport betreffen. Ebenfalls nicht verrechnet sind andererseits die Negativemissionen der Landwirtschaft durch Bindung von Treibhausgasen in Pflanzen und Böden. Und genau hier liegt eine besondere Stärke der Landwirtschaft. 

Der Südtiroler Bauernbund beschäftigt sich bereits seit einiger Zeit mit dem positiven Beitrag der Landwirtschaft zum Klimaschutz. Eine einschlägige Recherche gibt mehrere Handlungsempfehlungen vor, die im Folgenden zusammengefasst werden. 

Emissionen reduzieren

Zunächst sollte die Landwirtschaft, wie alle anderen Sektoren auch, an der Reduktion ihrer Emissionen arbeiten. Im Bereich der Düngung können vor allem durch die effizientere Nutzung oder durch die Nutzung von organischem anstatt mineralischem Dünger Einsparungen vorgenommen werden. Darüber hinaus sollte auch eine genaue Beobachtung des Bodens zur Ermittlung der optimalen Ausbringungsmenge vorgenommen werden.

Im Bereich der Tierhaltung können Reduktionen vor allem über eine standortgerechte Landwirtschaft erreicht werden. Das heißt, dass Tiere bedarfsgerecht gefüttert werden und dabei auch die Grundfutterleistung verbessert wird. Lokale Kreisläufe sollten genutzt werden, wobei auch die Konsumenten zu regionalen Produkten greifen sollten. 

Potenzial durch „Carbon Farming“

Bereits jetzt leistet die Landwirtschaft einen hohen Beitrag zur Umwandlung von atmosphärischem CO2 in Sauerstoff und der Speicherung von Kohlenstoff in Pflanzen und Böden. Das wohl größte Potenzial liegt hier im Bereich des „Carbon Farming“. Es bezeichnet den Ansatz, Kohlenstoff aus der Luft in den Boden zu überführen und dort zu speichern. Beispielsweise können Zwischenfrüchte auf landwirtschaftlichen Flächen angepflanzt werden. Weitere mögliche Maßnahmen umfassen eine vielfältigere Fruchtfolge, das Pflanzen von Bäumen auf landwirtschaftlichen Flächen, schonende Bodenbearbeitung und permanente Grünflächen. Beim „Carbon Farming“ kommt es sogar zu negativen Emissionen. Das wirkt nicht nur dem Klimawandel entgegen, sondern erhöht zugleich Fruchtbarkeit und Resistenz des Bodens. Über ein Emissionshandelssystem könnte „Carbon Farming“ zu einem Wirtschaftsmodell für die Landwirtschaft aufgebaut werden. 

Allerdings handelt es sich bei „Carbon Farming“ um einen reversiblen Prozess. Gespeicherter Kohlenstoff kann wieder in die Atmosphäre entkommen, etwa durch Pflügen oder das Brachliegen kohlenstoffreicher Flächen. Darüber hinaus sollten Konflikte mit der traditionellen Aufgabe der Landwirtschaft – der Bereitstellung von Lebensmitteln – so weit als möglich vermieden werden. 

In eine ähnliche Richtung geht das Konzept der Pflanzen- oder Biokohle. Dabei handelt es sich um Biomasse, die unter verschiedenen Verfahren – hauptsächlich Pyrolyse – zu Kohle verarbeitet wird. Diese kann zu unterschiedlichen Zwecken genutzt werden. Der häufigste Verwendungszweck ist die Nutzung als Bodenhilfsstoff, wobei der effektive und umweltschonende Einsatz jedoch genaue Kenntnisse über die lokale Bodenbeschaffenheit voraussetzt. Auf diese Weise werden große Mengen Kohlenstoff langfristig im Boden gebunden und aus der Atmosphäre entfernt.

Weitere Möglichkeiten liegen im Bereich der Bioenergie. Darunter versteht man Energiequellen aus forst- oder landwirtschaftlicher Produktion. Dabei kann es sich um Feststoffe wie Holz, Flüssigkeiten wie Biodiesel oder Gase wie Biomethan handeln. Der Vorteil von Bioenergie liegt darin, dass sie bei der Verbrennung lediglich jenes CO2 freigibt, das vorher durch die angebauten Pflanzen aus der Atmosphäre genommen wurde.

Allerdings sollte die Konkurrenz zu anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen wie Lebensmitteln beachtet werden. Vor allem angesichts der womöglich sinkenden Wasservorräte und begrenzten Flächen sollte abgewogen werden, ob die Erzeugung von Energie und Kraftstoffen auch Aufgabe der Landwirtschaft werden soll.