Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 09.11.2021

Wissen und zeigen, wo’s herkommt

Auf die Herkunft der Produkte in der Gastronomie hinweisen – dieses Ziel steht bereits seit Jahren auf der Agenda. Das Nachbarland Österreich ist mit zwei gelungenen Initiativen einen ambitionierten Weg gegangen – von dem auch Südtirol lernen könnte.­ von Bernhard Christanell

Was auf meinem Teller kommt aus der Region – und was nicht? Diese Fragen stellen sich immer mehr Menschen. Ein Trend, den es zu nutzen gilt. Foto: IDM, Damian Pertoll

Was auf meinem Teller kommt aus der Region – und was nicht? Diese Fragen stellen sich immer mehr Menschen. Ein Trend, den es zu nutzen gilt. Foto: IDM, Damian Pertoll

Wer Lebensmittel zu sich nimmt, möchte wissen, woher diese kommen: Dieser nachvollziehbare Wunsch vieler Menschen nach Transparenz auf den Tellern schwelt schon seit Längerem vor sich hin, die Corona-Pandemie hat ihn aber erst so richtig befeuert. Die Sache ist nur: Diesen Wunsch zu erfüllen, scheint vor allem in Südtirol ein unendlicher Hürdenlauf zu sein. Seit Jahren ist die Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie ein Dauerbrenner. Immer wieder kommt es zu – verständlicherweise – empörten Reaktionen, wenn große Ausschreibungen für Lebensmittel, die in Südtirol in großen Mengen verfügbar wären, an Lieferanten und Produzenten von auswärts gehen. 

Als jüngsten Schritt hat der Südtiroler Landtag erst im vergangenen Frühjahr die Landesregierung in einem Beschlussantrag aufgefordert, eine verpflichtende Herkunftsbezeichnung für bestimmte Produktgruppen wie Fleisch­erzeugnisse oder Milchprodukte in allen Gastronomiebetrieben – Mensen und Gemeinschaftsausspeisungen inklusive – einzuführen (siehe „Südtiroler Landwirt“ Nr. 10/2021, S. 15, oder online unter http://bit.ly/slw-kennzeichnung). Ein eigenes Landesgesetz zur Regionalität in der Gemeinschaftsverpflegung – verbunden mit einer Kennzeichnungspflicht für bestimmte Produktgruppen – ist zwar in Planung, konkrete Unterlagen liegen aber noch nicht vor. 

Verpflichtende Kennzeichnung in Mensen ist das Ziel

Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler ist verärgert: „Auch wenn wir bei jeder Gelegenheit auf die Wichtigkeit dieser Kennzeichnung hinweisen und in öffentlichen Diskussionen immer wieder recht bekommen, treten wir auf der Stelle. Hier muss sich endlich etwas bewegen, das sind wir unseren Bäuerinnen und Bauern schuldig!“ 

Der Bauernbund wünsche sich, sagt Tiefenthaler, im Wesentlichen zwei Punkte: „Wir möchten eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung in öffentlichen Mensen und Ausspeisungen sowie eine freiwillige Kennzeichnung in der Gastronomie und den anderen Sektoren.“ 

Tatsache ist: Es ist nicht einfach, Nachfrage und Angebot miteinander in Einklang zu bringen – und auch die unterschiedlichen Interessen von Landwirtschaft und Tourismus (bei den Gastronomiebetrieben) sowie öffentlichen Einrichtungen (bei den Mensen) lassen sich oft nur schwer unter einen Hut bringen. Dennoch gibt es Beispiele, dass es möglich ist.

In Österreich gibt es seit Längerem die Initiative „Gut zu wissen“, die genau das zum Thema hat, was sich der Südtiroler Bauernbund wünscht. Ein weiteres gelungenes Beispiel für eine fruchtbringende Nutzung von Synergien ist das österreichische „Netzwerk Kulinarik“, das vor etwas mehr als zwei Jahren gestartet ist und das gerade auch durch die Folgen der Pandemie viel Zuspruch erfahren hat. Es wird über das österreichische Programm zur ländlichen Entwicklung finanziert und ist in der AMA Marketing angesiedelt.


Den ganzen Bericht finden Sie ab Freitag in der Ausgabe 20 des „Südtiroler Landwirt“ vom 12November ab Seite 12 oder online auf „meinSBB“.