Internationales, Bauernbund | 09.11.2021

EU-Delegation zu Besuch

Die verschiedenen Sektoren der Südtiroler Landwirtschaft kennenlernen und verstehen, wo unseren Bäuerinnen und Bauern der Schuh drückt: Eine Delegation des Landwirtschaftsausschusses des EU-Parlaments war Anfang November in Südtirol, um sich vor Ort ein Bild zu machen.

Die EU-Delegation bei ihrem Rundgang im Betrieb VOG Products

Die EU-Delegation bei ihrem Rundgang im Betrieb VOG Products

Eine dreitägige Tour, oder „Mission“ wie sie im Fachjargon der Europäischen Union
genannt wird, führte eine Delegation des EU-Landwirtschaftsausschusses Anfang November nach Südtirol. Die Studienreise wurde von Herbert Dorfmann, Abgeordneter des EU-Parlaments und seit 2019 Koordinator des 45 Mitglieder zählenden Landwirtschaftsausschusses AGRI, organisiert.  

Am ersten Tag machte die Delegation in der Obstgenossenschaft Melinda halt, wo das innovative Kühllager besichtigt wurde. Am Abend stellte Michael Oberhuber die Forschungsarbeit des Versuchszentrums Laimburg vor und legte das große Netzwerk dar, in das die Forschungsanstalt auf europäischer Ebene eingebunden ist. 

Bei VOG Products in Leifers ging es um die Obstverarbeitung und die Stärken der genossenschaftlichen Organisation, während am Nachmittag des zweiten Tages die Auswirkungen des Sturmtiefs Vaja und ein Besuch in der Forstschule Latemar auf dem Programm standen. Abgerundet wurde das Ganze mit einem Besuch auf einem Bergbauernhof in Schnauders. 

Am dritten und letzten Tag besichtigte die Delegation das Kloster Neustift mit seinem landwirtschaftlichen Betrieb und den Milchhof Sterzing als Beispiel einer grenzüberschreitend operierenden Genossenschaft.

Bei einer Pressekonferenz, die bei VOG Products abgehalten wurde, erklärte Norbert Lins, Vorsitzender des Agrarausschusses im EU-Parlament: „Es geht uns vor allem darum, anhand von Best-practice-Beispielen einerseits zu verstehen, was in einer Region gut funktioniert, und andererseits im Gespräch mit allen Beteiligten zu erfahren, wo es Handlungsbedarf gibt bzw. Herausforderungen, für die die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) Antworten bieten soll.“ Herbert Dorfmann ergänzte: „Im Vordergrund dieser Reise geht es um innovative Ansätze für die Weiterentwicklung der Landwirtschaft, um sie zukunftsfähig zu machen, sowohl im Sinne der Nachhaltigkeit als auch wirtschaftlich.“ 

Damit wies er auf die Vorgaben der EU-Kommission hin, die im Rahmen des Green Deal und vor allem der Farm-to-fork-Strategie von den landwirtschaftlichen Betrieben und dem nachgelagerten Lebensmittelsektor Anpassungen verlangt. „Der Klimawandel ist eine der großen Herausforderungen, die die EU-Kommission mit Vorsitz von Ursula von der Leyen definiert und zu einem der wichtigsten Punkte in ihrem Programm gemacht hat“, meinte Dorfmann. Betroffen davon sei auch die Landwirtschaft. Deshalb sei das Programm der Delegation auch entsprechend zusammengestellt worden: mit Beispielen, die sich durch Innovation, Kooperation, ökonomische Effizienz und grenzüberschreitende Organisation herausheben. 

Lob für die heimische Obstwirtschaft

Entsprechend positiv wurde beim Besuch des Verarbeitungsbetriebs VOG Products angemerkt, dass der Green Deal und die „Farm to fork“-Strategie der Europäischen Union bei VOG, VIP und VOG Products bereits Niederschlag finden: Die Südtiroler Obstwirtschaft ist bemüht, ihren CO2-Fußabdruck zu reduzieren, den wachsenden Bioanteil an den Märkten zu platzieren und unverfälschte, naturbelassene Produkte herzustellen. 

Norbert Lins, der selbst aus einem wichtigen Apfelanbaugebiet (Bodensee) kommt, zeigte sich angetan von der Zusammenarbeit innerhalb der Südtiroler Obstwirtschaft: „Auf die europäische Landwirtschaft werden in Zukunft große Veränderungen zukommen. Die Südtiroler Obstwirtschaft zeigt modellhaft auf, wie Zusammenarbeit, Produktion und Innovation gut funktionieren können und wie man sich im Netzwerk weltweit behaupten kann.“

Herbert Dorfmann betonte: „In der neuen GAP werden Umweltaspekte stärker unterstrichen. Für die Südtiroler und Trentiner Landwirtschaft, die Genossenschaften und Erzeugerorganisationen sind Nachhaltigkeitsthemen seit jeher wichtig, was die hohen Produktionsstandards in integrierter und biologischer Landwirtschaft, der wachsende Anteil an Biolandwirtschaft und nachhaltige Produktionsprozesse zeigen. Ebenso wichtig ist es, dass die Konsumenten bereit sind, für die Qualität derart erzeugter landwirtschaftlicher Produkte einen fairen Preis zu zahlen.