Bauernbund | 29.10.2021

Besondere Herausforderungen

Statische Probleme, undichte Dächer, Brandschäden: Südtirols historische Bauernhöfe haben eine lange Liste von Sanierungsgründen. Um einen Anreiz für die Bewahrung der kulturell wertvollen Gebäude zu bieten, ­unterstützt die Stiftung Steinkeller Eigentümer mit einem finanziellen Beitrag.

Viel Freude über die Unterstützung gab es bei den Preisträgern aus Lüsen, Lajen und Salurn.

Viel Freude über die Unterstützung gab es bei den Preisträgern aus Lüsen, Lajen und Salurn.

Wer am Wochenende unterwegs ist in den Dörfern und oft auch abseits, erfreut sich an ihrem Anblick: Die historischen Bauernhäuser sind Schmuckstücke, die das Bild unserer Landschaft prägen. Zum Teil sind sie viele Hundert Jahre alt, doch viele nur in mäßigem Erhaltungszustand. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Eine Sanierung kostet, und nicht nur Geld. Gerade bei alten Bauernhöfen scheint es häufig einfacher, alles abzureißen und einen neuen Zweckbau zu errichten. Doch der Verlust ist größer als auf den ersten Blick ersichtlich. Nicht nur die eigene Geschichte – schließlich sind die meisten Höfe seit vielen Generationen im Besitz einer Familie – geht verloren, auch das Gedächtnis der Dorfgemeinschaft und des Landes Südtirol.

Schwierigkeiten und Risiken sind vielfältig 

Die Schwierigkeiten und Risiken einer Sanierung, zumal mit den Auflagen bei einem denkmalgeschützten Gebäude, sind vielfältig. Helmut Stampfer, Stiftungsrat und früherer Landeskonservator, erklärt: „Eine Sanierung wird, weil sie so aufwändig erscheint, häufig so lange herausgezögert, bis die Substanz des Gebäudes selbst angegriffen ist. Und ist ein Haus erst einmal unbewohnt, wird die Instandsetzung umso schwerer.“ Dennoch nehmen immer wieder Familien die Herausforderung an. Oft mit viel Eigenleistung wird Schritt für Schritt saniert, Haus und Hof werden in Stückarbeit wieder aufgebaut.

Weitere drei Höfe unterstützt

Unterstützung bei der fachgerechten Sanierung historischer Bauernhöfe bietet unter anderem die Stiftung Steinkeller. Die Stiftung hat seit ihrer Gründung in 2006 bereits 30 Hofeigentümern mit einem finanziellen Beitrag unter die Arme gegriffen. Verliehen wird der Stiftungspreis jeweils bei der Bauernbund-Landesversammlung – in diesem Jahr ging er an Alexandra Schweiggl und Peter Bortolotti vom Hof Unternberg in Unterfennberg. 

Vor zwei Wochen wurden im Rahmen eines Besuchs bei den Preisträgern erneut drei Förderungen ausgezahlt: Die Beiträge gehen an den Kochhof in Lüsen, Prantschur in ­St. Peter, Lajen, und den Crozzol-Hof in Buchholz, Salurn. Alle drei Höfe zeichnen sich durch kulturhistorisch wertvolle Elemente und fachgerecht umgesetzte Sanierung aus. 

Stiftungspräsident Siegfried Brugger erklärte: „Qualität von Materialien und Handwerk, Arbeit mit der Natur statt gegen sie, Wertschätzung der Geschichte – das sind Werte, in denen sich immer mehr Menschen wiederfinden.“ Brugger beglückwünschte die Geförderten zu ihren gelungenen Sanierungen. Benannt ist die Stiftung nach Viktoria Steinkeller. Aus der Bozner Obsthändlerfamilie Steinkeller entstammend und selbst kinderlos, verfügte sie mit ihren fast hundert Jahren, dass mit ihrem Erbe sanierungsbedürftige und historische Bauernhöfe Südtirols unterstützt werden sollen.

Anerkennung für Bauernfamilien

Ulrich Höllrigl, Vizedirektor des Südtiroler Bauernbundes, dankte Brugger für das Engagement der Stiftung Steinkeller für die Sanierung von wertvollen Bauernhäusern. Die Preisgelder seien Anerkennung für das große Engagement der Bauernfamilien, für die die Sanierung nicht selten eine Lebensaufgabe sei. „Die Mühe lohnt sich aber auch, vor allem wegen der gewonnenen Lebensqualität, die in einem sanierten Bauernhof erzielt wird, und des wichtigen Beitrags zur Erhaltung der Kulturlandschaft“, betonte Höllrigl. Dieses private Engagement der Stiftung könne jedoch immer nur eine Ergänzung zur öffentlichen Förderung sein, die sicherlich ausbaufähig sei. „Der Bauernbund sensibilisiert seit Jahren für die Sanierung, so in einem jährlich ­stattfindenden Lehrgang der Weiterbildungsgenossenschaft und über die Bauernhaus-­Sanierungsberatung, die sanie­rungs­interessierten Bauernfamilien eine sehr kostengünstige Erstberatung bietet“, erinnerte Höllrigl.