Politik, Bauernbund | 17.09.2021

Kulturdenkmäler: Beiträge nötig!

Für den Erhalt von Kulturdenkmälern stellt das Land Beiträge bereit, die 2021 Corona-bedingt allerdings ausgesetzt wurden. Im kommenden Jahr soll die Förderung von Kulturdenkmälern wieder aufgenommen werden, fordert der Landesbauernrat.

Laut einer Hochrechnung gibt es in Südtirol über 7000 Schindel- und Strohdächer. Foto: SLW/Bernhard Christanell

Laut einer Hochrechnung gibt es in Südtirol über 7000 Schindel- und Strohdächer. Foto: SLW/Bernhard Christanell

Schindeldächer, Trockenmauern, traditionelle Holzzäune, Waale, Mühlen, Kapellen und Wegkreuze prägen seit jeher das Südtiroler Landschaftsbild. Insbesondere Bäuerinnen und Bauern tragen zur Pflege und zum Erhalt dieser Kulturdenkmäler bei. In seiner jüngsten  Sitzung befasste sich der Landesbau­ernrat mit den Beiträgen für diese Kleindenkmäler, die im Dezember 2020 von der Landesregierung mittels Dekret aufgrund „reduzierter Geldmittel für das Ressort für Raumentwicklung, Landschaft und Denkmalpflege“ ausgesetzt wurden.

Die Aussetzung der Beiträge hat bei den Südtiroler Bäuerinnen und Bauern, aber auch beim Heimatpflegeverband viel Unmut ausgelöst. Denn wenn die Mehrkosten, die mit der Erhaltung und Pflege der traditionellen Kulturgüter einhergehen, nicht abgegolten werden, drohen diese zu verschwinden.

Umfrage unter Ortsobmännern präsentiert

Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner betont: „Um das Kulturerbe der Südtiroler Kulturdenkmäler zu fördern, braucht es nicht viel Geld. Laut Heimatpflegeverband reichen 1,5 Millionen Euro im Jahr aus, um die durchschnittlich knapp 500 Anträge zu bedienen. Dieses Geld muss aber vom Landeshaushalt kommen und darf nicht vom Landwirtschaftsbudget abgezwackt werden.“ Rinner präsentierte dem Landesbauernrat die Ergebnisse einer Umfrage zu den bäuerlichen Kulturdenkmälern, die unter den Bauernbund-Ortsobmännern durchgeführt wurde. Dabei ging es um eine Schätzung der Anzahl der Kulturdenkmäler und die Erhebung des Zustandes, in dem sie sich befinden. Die Zahlen sind beeindruckend: Laut einer Hochrechnung gibt es knapp 4000 Kilometer traditionelle Holzzäune, 3000 Kilometer Trockenmauern und ein knapp 1000 Kilometer langes Waalsystem in Südtirol. Daneben dürfte es über 7000 Schindel- und Strohdächer sowie rund 10.000 bäuerliche Kleindenkmäler wie Mühlen, Sägen, Backöfen, Kapellen und Wegkreuze im Land geben. Nur etwas mehr als die Hälfte dieser Kulturgüter befindet sich in einem guten Zustand, bei den Trockenmauern ist der Zustand laut Umfrage noch schlechter.

Einig sind sich die Bauernbund-Ortsobmänner über die Bedeutung der bäuerlichen Kulturdenkmäler: Sie sind Zeugnis der traditionellen bäuerlichen Kultur und prägen seit jeher das Südtiroler Landschaftsbild. Davon profitieren die gesamte Südtiroler Bevölkerung und die Gäste. Jedes Kulturgut, das verschwindet, geht unwiederbringlich verloren. Diese Meinung teilt auch der gesamte Landesbauernrat.

Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler appelliert: „Die Beiträge für diese Landschaftselemente und Kleindenkmäler sind absolut notwendig. In jenen Regionen, wo es keine Förderungen für Schindeldächer, Zäune, Trockenmauern und andere Kleindenkmäler gibt, verschwinden sie. Mit der Summe von 1,5 Millionen Euro jährlich, die im Verhältnis zu anderen Projekten im Land sehr bescheiden ist, wird ein unschätzbarer Beitrag für die Südtiroler Kulturlandschaft geleistet.“

Kuenzer sichert Neustart zu

Die zuständige Landesrätin Maria Hochgruber Kuenzer, die bei der Sitzung des Landesbauernrates anwesend war, ist sich der Bedeutung der Landschaftspflegebeiträge bewusst. Sie sicherte eine Wiederaufnahme der Förderungen im Jahr 2022 zu. Zuvor müssten aber das Denkmalgesetz und damit verbunden die Kriterien für die Kulturdenkmäler angepasst werden. Der Bauernbund wird bei der Anpassung der Kriterien eingebunden.