Leben | 15.09.2021

Zum Ersten, Zweiten und zum ...

Mit Kindern einen Hühnerstall für den Privatgebrauch bauen und ihn für einen guten Zweck versteigern: Das Kids-am-Bau-Projekt der Firma Unionbau hat zwei „Traumvillen“ gefertigt. Nun sollen Hennen (und Hahn) einziehen. Ab Freitag, 24. September heißt es: Wer bietet mehr? von Renate Anna Rubner

Bei der Kids-am-Bau-Woche dürfen die Kinder mit Hand anlegen und hautnah miterleben, was Handwerk leistet.

Bei der Kids-am-Bau-Woche dürfen die Kinder mit Hand anlegen und hautnah miterleben, was Handwerk leistet.

Die einen wollen Maurer werden, weil sie Baggerfahren cool finden. Die anderen träumen vom Zimmererberuf und davon, in schwindelnden Höhen Dächer zu montieren. Auch das Spenglern und der Umgang mit dem Werkstoff Metall begeistert manche Teenies. Jedes Jahr im Sommer bietet die Firma Unionbau mit Verwaltungssitz in Mühlen in Taufers eine Kids-am-Bau-Woche an. Um Kindern und Jugendlichen im Alter von neun bis zwölf Jahren Berufe wie den des Maurers, des Bauspenglers oder des Zimmermanns näherzubringen. Mit Erfolg, denn jedes Jahr nehmen rund zehn Burschen und in diesem Jahr erstmals auch ein Mädchen an diesem Sommerprogramm teil. 

Vom Betonieren bis zur Arbeitssicherheit

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Unionbau bereiten die Woche detailliert vor: Zunächst gibt es für die Kids eine Einführung, schließlich sollen sie wissen, was so ein Bauunternehmen alles leisten muss. Dann geht es frisch ans Werk, der erste Tag widmet sich dem Maurerhandwerk: Die Kinder dürfen unter Anleitung eine Ziegelmauer aufstellen, auch eine Schalung wird hergerichtet. Und dann – als Höhepunkt – kommt die Betonpumpe zum Gießen. Am nächsten Tag geht es nach Gais in die Produktionshalle. Die Abteilung Holzbau steht dann im Mittelpunkt: Zum Schluss können alle ihr eigenes Vogelhäuschen mit nach Hause nehmen. In den darauffolgenden Tagen arbeiten alle zusammen an einem großen Werkstück. Die Kinder sind mit Feuereifer dabei. Zwischendurch gibt es fachliche Informationen, wobei ein Schwerpunkt auf der Arbeitssicherheit liegt. Und natürlich darf auch ein Besuch auf einer Großbaustelle nicht fehlen. In diesem Jahr war es die Eishalle in Bruneck, an der die Unionbau gerade arbeitet und die die Kids besuchen durften. 

Heuer gab es auch eine neue Idee für die großen Werkstücke. Die stammt von Tobias Marcher, seit 2016 Abteilungsleiter Holzbau bei der Unionbau. Tobias ist gelernter Zimmermann, seine Leidenschaft ist das Holz. Eine weitere die Landwirtschaft. Er wollte bei der Kids-am-Bau-Woche etwas wirklich Brauchbares fertigen, nämlich Hühnerställe. Zwei davon sind nun bezugsfertig und können rund 12 Hühnern ein Zuhause bieten. 

Etwas wirklich Nützliches sollte es sein

Tobias Marcher lebt mit seiner Frau Teresa und den drei Kindern Frieda (5 Jahre), Paula (4) und Anton (1) am Rußbachhof in St. Johann im Ahrntal. Der Hof umfasst insgesamt 60 Hektar Grund, davon 3,5 Hektar Mähwiesen, zehn Hektar Wald, der Rest sind Almwiesen. Acht Rinder stehen im Stall, drei Melkkühe, etwas Jung- und Galtvieh. Daneben vermietet Familie Marcher drei Wohnungen für Urlaub auf dem Bauernhof. Auch ein Alm­ausschank gehört zum Rußbachhof, den führt die Schwester. Arbeit gibt es also mehr als genug am Hof, die Familie hält aber zusammen, und alle helfen mit. 

Besonders der Vater ist Tobias eine große Stütze in der Landwirtschaft, er macht vor allem die Stallarbeit. Auch handwerklich ist er sehr geschickt. Als sich Tobias’ Schwester, oder vielmehr deren Töchter, einen Stall für ihre Hennen wünschte, baute er ihr kurzerhand einen.

Das inspirierte Tobias: „Die Kids-am-Bau-Woche bieten wir als Firma schon seit Jahren an“, erzählt er. „Dabei soll den Kindern nicht nur gezeigt werden, was unsere Arbeit ausmacht, sondern sie sollen selbst Hand anlegen dürfen: schrauben, hämmern, hobeln, mit den Werkstoffen Holz und Metall umgehen lernen, Beton gießen. Und zu guter Letzt die Früchte ihrer Arbeit sehen.“ 

Die Herausforderung war, mit den Kindern etwas zu fertigen, das auch in Gebrauch genommen werden konnte. „Also haben wir zunächst Hütten gebaut. Die waren aber ziemlich groß und entsprechend unhandlich. Als ein Mitarbeiter sich dafür interessierte, mussten sie teils wieder auseinandergebaut werden, um sie an ihren Bestimmungsort zu bringen. Das war nicht ideal“, erzählt Tobias. Aber: Was war die Alternative? Nachdem Tobias’ Vater den Hühnerstall für seine Enkelinnen realisiert hatte, war ihm die Lösung bald klar: ein Hühnerstall, der von vier Männern, die ordentlich zupacken, auf einen Anhänger geladen und verfrachtet werden kann. Das machte Sinn. 

Traumvilla mit Luxusausstattung

Also haben die Kinder in diesem Jahr gemeinsam mit zwei Zimmerern und einem Spengler der Unionbau zwei Ställe zusammengebaut und mit einem Blechdach eingedeckt. Die Inneneinrichtung hat Tobias’  Vater übernommen, er hatte ja bereits Erfahrung damit: Er hat eine Hühnerleiter und zwei Sitzstangen montiert, auf denen rund 15 Hühner Platz finden, und je drei Nester zum Eier­legen eingerichtet. Auch einen Schrank für das Futter gibt es in jedem der beiden Ställe. Ein Fenster sorgt für genügend Licht und frische Luft. Die Tür ist aus Latten zusammengezimmert, dazu gibt es einen Klappeneingang nur für die Hühner. Das schützt die Tiere vor nächtlichen Übergriffen. Eine richtige Luxusausstattung also. Eigentlich sind die beiden Ställe identisch, nur in einem Detail unterscheiden sie sich: An einem ist eine Kindersitzbank zum Ausklappen angebracht, zur anderen gehört ein Kinderstuhl aus Holzlatten.

Traumvilla zu ersteigern!

Nun stehen die beiden „Traumvillen“ für das Federvieh samt Bank und Stuhl am Firmensitz der Unionbau in Mühlen. Damit sie möglichst bald ein paar Hühnern – und vielleicht auch einem Hahn – ein Zuhause bieten können, sollen sie jetzt versteigert werden: von Freitag, 24. September,  9 Uhr, bis Montag, 27. September, 12 Uhr, sind alle Interessierten eingeladen, auf der Facebook-Seite der Unionbau (Facebook.com/Unionbau) oder per Telefon (339 2126224) mitzu­steigern. Der Ausrufpreis ist auf 700 Euro festgelegt. Der Erlös geht an die Kinderkrebshilfe Südtirol. 

Tobias Marcher ist schon gespannt, wie die Versteigerung ausgehen und wo die Ställe bald stehen werden. Eines ist aber jetzt schon sicher: „Etwas Nützliches und Handliches zu fertigen, ist die beste Lösung für unsere Kids-am-Bau-Woche. Wenn wir damit auch noch einem wohltätigen Zweck dienen können, freut uns das noch mehr. Ich denke, wir werden auch im nächsten Sommerprojekt so weitermachen.“