Innovation, Marketing | 15.09.2021

Stadelgespräche: neuer Treffpunkt

Mit den Stadelgesprächen haben die Abteilungen Innovation & Energie und Marketing im Südtiroler Bauernbund einen Stammtisch für Direktvermarkter ins Leben gerufen: Ohne Experten von außen, auf Augenhöhe und ganz unter sich. Das Ergebnis der Premiere: Ein spannender fachlicher Austausch. von Hannes Knollseisen

Fachsimpeln unter Experten, Interessierten und Neulingen: Die Stadelgespräche bringen Direktvermarkterinnen und Direktvermarkter zusammen.

Fachsimpeln unter Experten, Interessierten und Neulingen: Die Stadelgespräche bringen Direktvermarkterinnen und Direktvermarkter zusammen.

Sowohl Neueinsteigerinnen und -einsteiger als auch „alte Hasen“ waren gut vertreten beim ersten Stadelgespräch beim Buschenschank Schnalshuber in Algund. In gemütlicher Runde tauschten sie sich über die jeweiligen Erfahrungen aus. 

Können selbstbewusst auftreten

Beim Treffen, das von den beiden Bauernbund Abteilungen Innovation & Energie und Marketing gemeinsam organisiert wurde und als Format bald auf alle Landesteile ausgeweitet wird, drehte sich alles um das Thema „Kommunikation“: Gastgeber Christian Pinggera führte mit vielen spannenden Geschichten aus seiner langjährigen Erfahrung als Betreiber eines Buschenschanks ein. Das Eis zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern war bald gebrochen und es ergaben sich spannende Gespräche. „Um dein Produkt entsprechend anzupreisen, gilt es zunächst an dich selbst zu glauben“, unterstrich Christian Pinggera gleich zu Beginn. „Wir als Produzentinnen und Produzenten, können selbstbewusst sein, denn wir können etwas! Denn ein Kunde muss erst jemanden finden, der vom Anbau über die Verarbeitung bis in die Flasche, den Teller oder den Hofladen alles selbst macht", meinte er mit Nachdruck und ergänzte: „Wir wissen deshalb auch alles über unsere Produkte, also können wir sie mit Stolz präsentieren!" 

Der Verkauf solle repräsentativ für die viele Handarbeit und die Qualität sein, deshalb dürfe man die eigenen Produkte nicht schüchtern in ein dunkles Eck stellen, sondern können auch in der Präsentation selbstbewusst auftreten.“ Diese Überzeugung fand regen Zuspruch. Ein Direktvermarkter legte sogar noch ein Scheit drauf: „Wenn man ein professionelles Auftreten hat, wirkt man auch vertrauenswürdiger. Man soll schon bäuerlich sein, aber trotzdem professionell", meinte er. 

In bäuerliche Welt eintauchen

Auf die Frage, wie viel Aufwand hinter einem erfolgreichen Verkauf steckt, wurden die Bäuerinnen und Bauern, die bereits Erfahrung damit haben, gleich konkret: „Kundinnen und Kunden, die zu einem kommen wollen ,abgeholt' werden und in die bäuerliche Welt eintauchen. Dafür nehme ich mir gerne die Zeit. Im Durchschnitt sind das zehn bis 15 Minuten pro Kunde“, bezifferte Pinggera den Zeitaufwand. 

„Wenn man fleißig und gut ist, spürt man den Erfolg direkt und bekommt entsprechende Rückmeldung von den Kunden. Es ist wie der Applaus vom Publikum nach einer Aufführung“, erklärte Christian Pinggera.

Eine andere Direktvermarkterin fügte hinzu: „Neuen Kunden erklärt man das Produkt, bereits bekannte Kunden werden dies nicht mehr hören brauchen, aber mit denen redet man dann zehn Minuten über anderes. Auch wenn eine Kundin/ein Kunde beim ersten Mal nur eine Flasche kauft, dann ist das ok! Denn wenn das Produkt passt, kauft sie/er es wieder und beim zweiten Mal dann eine ganze Kiste.“

Ehrlichkeit und Vertrauen

Dass Kommunikation ein weites Feld ist, belegten die vielen Erfahrungen und Erklärungen, die die anwesenden Direktvermarkterinnen und Direktvermarkter an dem Abend noch lange miteinander teilten: „Bei Kommunikation geht es auch um Ehrlichkeit und Vertrauen. Die Kunden spüren, ob man auch wirklich hinter dem steht was man sagt“, meinte einer der Teilnehmer. 

Klar wurde im Gespräch aber auch, dass der Verkauf nicht jedermanns Sache ist: „Man muss der Typ sein, der gerne mit Kunden redet. Wenn man den Kundenkontakt nicht mag, verkauft man auch nicht gut", sagte einer der Direktvermarkter und belegte diese Beobachtung gleich mit einer eigenen Erfahrung: „Meine Frau steht lieber im Feld als am Marktstand. Wenn sie beim Verkauf einspringen muss, generieren wir nur den halben Umsatz.“ Was auch alle bestätigen: Es gibt besondere Kundinnen und Kunden und damit zusammenhängend Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt: „Wir arbeiten auch viel mit der Gastronomie zusammen“, erzählte einer der Teilnehmer. „Hoteliers und Gastwirte kauften nur, wenn sie selbst zu 100 Prozent von einem Produkt überzeugt sind. Dann kommen sie in der Regel auch aktiv auf einen zu.“ Wenn hingegen ein Produkt aktiv an die Gastronomie herangetragen wird, brauche es viel Geduld und einen langen Atem. „In diesem Fall geht es meist hauptsächlich um den Preis.“

Kaum fiel das Stichwort Preis, spürte man, dass auch dieses Thema – neben der Kommunikation – noch lange nicht erschöpft ist und großer Bedarf an gegenseitigem Austausch besteht. Ein Glück, dass das nächste Stadelgespräch bereits in Planung ist. Dieses Format wird nun alle drei Monate im Rahmen des ELER-geförderten Projekts INNOProdukte jeweils bei einer anderen Direktvermarkterin/einem anderen Direktvermarkter stattfinden. 

Interessierte können sich gerne melden: lukas.luggin@sbb.it, Tel. 0471 999211 oder janine.gamper@sbb.it, Tel. 0471 999226.