Produktion | 06.08.2021

Neue Wege gegen Pilze und Rußtau

Am 5. August fanden die Versuchsbegehungen im ökologischen Obst- und Weinbau von Fondazione Edmund Mach und Versuchszentrum Laimburg statt. Infolge der Covid-19-Pandemie wurde die Veranstaltung online übertragen – die Obstbau-Themen behandelte das Versuchszentrum Laimburg. von Versuchszentrum Laimburg

Gegen den Rußtau (im Bild befallene Früchte) gibt es derzeit kaum praxistaugliche Möglichkeiten der Regulierung. (Foto: Versuchszentrum Laimburg)

Gegen den Rußtau (im Bild befallene Früchte) gibt es derzeit kaum praxistaugliche Möglichkeiten der Regulierung. (Foto: Versuchszentrum Laimburg)

Die Versuchsvorstellungen der Arbeitsgruppe „Ökologischer Anbau“ am Versuchszentrum Laimburg unter der Leitung von Markus Kelderer beschäftigen sich dieses Jahr schwerpunktmäßig mit der Regulierung von Pilzerkrankungen wie Apfelschorf und Mehltau, aber auch Rußtau. Darüber hinaus kam das europäische Horizont2020-Projekt BioFruitNet zur Sprache, an dem das Versuchszentrum Laimburg beteiligt ist. 

Neue Wirkstoffe gegen Pilzkrankheiten
Im ökologischen Apfelanbau stellt die Regulierung der Pilzkrankheiten Apfelschorf und Mehltau nach wie vor die größte Herausforderung dar. Momentan stehen dazu hauptsächlich nur Produkte auf Basis von Kupfer und Schwefel zur Verfügung. Da diese jedoch aufgrund ihrer Auswirkungen auf die Umwelt zunehmend unter Kritik stehen und eine Einschränkung der zugelassenen Einsatzmenge absehbar ist, ist die Suche nach Alternativen grundlegend. Das Versuchszentrum Laimburg hat alternative Substanzen, die in Laborversuchen bereits interessante Ergebnisse zeigten und die Kriterien für eine Zulassung im ökologischen Anbau erfüllen, im Freiland getestet. Markus Kelderer und Claudio Casera stellten einen Versuch zur Regulierung von Apfelschorf in der Primärsaison (Frühjahr bis Frühsommer) sowie einen Versuch zur Regulierung von Mehltau auf entsprechend krankheitsanfälligen Sorten unter Praxisbedingungen vor. Im Schorfversuch zeigte vor allem bezüglich des Befalls der Früchte ein Versuchsprodukt auf Basis einer gesättigten Fettsäure im vorbeugenden bzw. gezielten Einsatz eine relativ interessante Wirkung. Beim Mehltau erzielte kein Produkt die Wirkung eines Standardprodukts auf Schwefelbasis. Um gesicherte Aussagen treffen zu können, werden die Experten des Versuchszentrums Laimburg das Versuchsprodukt auf Basis der gesättigten Fettsäure noch weiter im Freiland unter unterschiedlichen Bedingungen testen. 

Regulierung der Rußtaukrankheit
Unter Rußtau versteht man bräunlich, gräulich bis schwarze Pilzrasen, welche die Früchte „tränenförmig“ überziehen. Vor allem bei feuchten Witterungsbedingungen im Spätsommer und Herbst sowie bei spätreifenden Sorten kann die Krankheit zu beträchtlichen Ausfällen führen. Ein Versuch zur Regulierung des Rußtaus mittels Regenüberdachung der Apfelanlage sowie ein Mittelscreening mit elf verschiedenen Versuchsproduktenstand auf dem Plan des Versuchszentrums Laimburg. Mit Hilfe der Regenüberdachung konnte der Befall reduziert werden. Von den getesteten Versuchspräparaten erzielten Produkte auf Basis von Seifen und Kieselgur die interessantesten Ergebnisse, wobei die Praxistauglichkeit der Produkte im Moment aufgrund einer fehlenden Zulassung (Kieselgur) bzw. der Förderung von Fruchtfäulen (Seifen) nicht gegeben ist. Abgesehen von einer physikalischen Reinigung betroffener Früchte nach der Auslagerung gibt es im Moment für den ökologischen Apfelanbau kaum praxistaugliche Möglichkeiten einer Regulierung. Bezüglich der Rußtaukrankheit sind noch viele Fragen offen – etwa zu Erreger, Anfälligkeit verschiedener Sorten, Infektionsbedingungen, agronomischen Maßnahmen sowie zur Regulierung im Feld bzw. im Lager. 

Bioobstbau besser vernetzen
Die Innovation im Bioobstbau durch starke Wissensnetzwerke fördern: Diesen Slogan hat sich das neue dreijährige Projekt BioFruitNet auf die Fahnen geschrieben. Das Projekt ist 2019 offiziell gestartet und wird aus Mitteln des EU-Programms für Forschung und Innovation „Horizont 2020“ finanziert. Ziel des Projekts ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Bioobstproduktion zu stärken, indem die Akteure der Bio-Produktion besser vernetzt und lokales Wissen Bio-Anbauern EU-weit verfügbar gemacht wird. Italien ist im Projekt durch das „Centro Internazionale di Altistudi Agronomici Mediterranei” mit Sitz in Bari sowie das Versuchszentrum Laimburg vertreten. Projektleiter am Versuchszentrum Laimburg ist Markus Kelderer, der am Versuchszentrum Laimburg den Fachbereich „Obstbau“ und die Arbeitsgruppe „Ökologischer Anbau“ leitet. Im vergangenen Jahr haben Kelderer und sein Team die Erfahrungen im ökologischen Anbau zum Kernobst, Steinobst und den Zitrusfrüchten in den Bereichen, Sorten, Unterlagen, Bodenbearbeitung, Düngung, und Pflanzenschutz (Schädlinge und Krankheiten) in 18 europäischen Ländern erhoben. 

Hier die Versuchsvorstellungen im Video