Arbeitssicherheit | 05.08.2021

Sichere Ernte gewährleisten

Um gut gerüstet in die Erntetätigkeit zu starten und Unfälle zu vermeiden, sollte jeder landwirtschaftliche ­Arbeitgeber die wichtigsten Punkte im Bereich Arbeitssicherheit kontrollieren. Hier einige wichtige Punkte, welche eingehalten werden müssen.

Sicherheit ist auch bei der Obsternte oberstes Gebot.

Sicherheit ist auch bei der Obsternte oberstes Gebot.

Das Arbeiten im landwirtschaftlichen Betrieb mit sicheren Arbeitsmitteln reduziert das Risiko eines Unfalles. Laut den geltenden Bestimmungen dürfen die Arbeitsmittel nicht verwendet werden, wenn sie nicht den Sicherheitsbestimmungen entsprechen. Dies gilt sowohl für landwirtschaftliche Arbeitgeber als auch für selbstständige Landwirte bzw. Familienbetriebe. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Arbeitsmittel von landwirtschaftlichen Arbeitnehmern benutzt werden, wie es bei der Ernte der Fall sein kann.

Traktoren

Traktoren müssen gegen die Gefahr des Umkippens geschützt sein und ein Rückhaltesystem für den Fahrer aufweisen. Daher müssen alle Traktoren mit einem Überrollschutz oder einer genormten Fahrerkabine und einem Sicherheitsgurt ausgerüstet sein. Zum Lenken von landwirtschaftlichen Fahrzeugen – ausgenommen für die selbstfahrenden einachsigen Arbeitsmaschinen – benötigt man einen Führerschein. Folgende zwei Kategorien sind zu unterscheiden:

  • Kat. A1 (Alter: 16 Jahre) für landwirtschaftliche Maschinen und deren Komplexe, welche die Gewichts- und Umfangbeschränkungen für die Motorräder nicht über­schrei­ten (Breite = 1,60 m; Länge = 4,00 m; Höhe = 2,50 m; Gesamtgewicht = 2,5 t), welche die Geschwindigkeit von maximal 40 Stundenkilometern erreichen und keine Person außer dem Lenker transportieren;
  • Kat. B (Alter: 18 Jahre) für alle landwirtschaftlichen Fahrzeuge. 

Zudem sind die Bestimmungen zu Aus- und Weiterbildungen im Bereich Arbeitssicherheit für bestimmte Arbeitsmittel zu beachten.

Ladung sichern

Die Ladung eines Fahrzeuges muss so angebracht werden, dass ein Herabfallen oder Auslaufen verhindert wird, weder die Sicht des Fahrers beeinträchtigt noch seine Bewegungsfreiheit am Steuer eingeschränkt wird, die Stabilität des Fahrzeugs nicht gefährdet ist und weder die Beleuchtungs- und Licht­signal­vor­rich­tun­gen noch das Kennzeichen oder die Handzeichen verdeckt werden. Zu beachten ist dabei, dass die Höchstabmessungen und das zugelassene Gesamtgewicht nicht überschritten werden dürfen. Auf dem Traktor muss zumindest ein Spiegel montiert sein. Auf der Rückseite des Traktors muss ein Schild mit der maximal zulässigen Geschwindigkeit angebracht sein. Zu kontrollieren ist auch die Beleuchtung, in bestimmten Fällen ist ein Rundumlicht vorgeschrieben.

Hebebühnen und Erntemaschinen

Bei Inbetriebnahme bestimmter Arbeitsgeräte wie Hebebühnen oder Obsterntemaschinen sind diese bei der Landesdirektion Bozen des Nationalen Unfallinstitutes INAIL zu melden. Die Hebebühnen bzw. Obsterntemaschinen, welche in der Landwirtschaft eingesetzt werden, müssen zusätzlich alle zwei Jahre überprüft werden. 

Ausbildungen Arbeitssicherheit

Jeder landwirtschaftliche Arbeitgeber benötigt eine Dienststelle für Arbeitsschutz sowie einen Leiter dieser Dienststelle mit entsprechender Aus- und Weiterbildung. In Landwirtschaftsbetrieben mit bis zu 30 jährlichen Arbeitseinheiten kann der Arbeitgeber selbst die Funktion des Leiters der Dienststelle für Arbeitsschutz ausüben. Zu diesem Zweck muss er einen eigenen Kurs besuchen und diesen alle fünf Jahre auffrischen. Die Ausbildung ist grundsätzlich vor Übernahme der Funktion als Leiter der Dienststelle für Arbeitsschutz zu absolvieren, dies gilt auch bei einer Übernahme des Betriebes bzw. bei der Erstanstellung von lohnabhängigen Arbeitnehmern. Ebenso kann ein eigener Mitarbeiter oder ein externer Techniker mit der notwendigen Ausbildung zum Leiter der Dienststelle für Arbeitsschutz ernannt werden. Diese 32-stündige Ausbildung beinhaltet außerdem nicht die Ausbildung für Brandschutz/Notfallmanagement und Erste Hilfe.

Brandschutz und Erste Hilfe

Grundsätzlich ist jeder landwirtschaftliche Betrieb, der Arbeiter beschäftigt, verpflichtet, einen Brandschutz-Beauftragten zu ernennen und diesen entsprechend auszubilden. Diese Pflicht gilt auch für jene Betriebe, die nur für einen kurzen Zeitraum Erntearbeiter beschäftigen. Familienbetriebe sind von dieser Bestimmung nicht betroffen.

Weiters muss jeder landwirtschaftliche Betrieb, der Arbeiter beschäftigt, einen ­Erste-Hilfe-Beauftragten ernennen und diesen entsprechend ausbilden. Diese Pflichten gelten auch für jene Betriebe, die nur für einen kurzen Zeitraum Erntearbeiter beschäftigen. Zusätzlich sehen die Kontrollkriterien des Zertifizierers „GlobalGAP“ (z. B. Obstbau) vor, dass mindestens eine Person mit einer Erste-Hilfe-Schulung anwesend sein muss, wenn im Betrieb landwirtschaftliche Tätigkeiten ausgeübt werden. Daher müssen auch betroffene Familienbetriebe einen Erste-Hilfe-Beauf­trag­ten ernennen und die Aus- und Weiterbildungen besuchen. Die Funktion des Brandschutz- und Erste-Hilfe-Beauftragten kann vom Arbeitgeber selbst, von einem im Betrieb mitarbeitenden Familienmitglied oder von einem Arbeitnehmer ausgeübt werden. Der Südtiroler Bauernbund empfiehlt, auf die Vollständigkeit des Erste-Hilfe-Koffers bzw. Verbandskastens zu achten und dabei auch das Verfallsdatum zu kontrollieren (siehe auch „Südtiroler Landwirt“ Nr. 13 vom 23.7.2021).

Ausbildung für Arbeitnehmer

Die Ausbildung im Bereich Arbeitssicherheit für Arbeitnehmer ist ebenso geregelt und wurde auf zwölf Stunden festgelegt. Betroffen sind Taglöhner, welche mehr als 50 Tagesschichten pro Betrieb und pro Jahr leisten, Fixarbeiter, Lehrlinge und Angestellte. Wird ein Arbeitnehmer eingestellt, so muss er die Ausbildung bei Beginn der Tätigkeit absolviert haben. Wenn dies nicht möglich ist, muss sie innerhalb von 60 Tagen erfolgen. Die Ausbildung der Arbeitnehmer muss während der Arbeitszeit erfolgen, und diese dürfen keine Kosten für die Arbeitnehmer zur Folge haben.

Landwirtschaftliche Arbeitnehmer, welche beim einzelnen Arbeitgeber nicht mehr als 50 Tagschichten pro Jahr arbeiten, müssen nicht die 12-stündige Arbeitssicherheits-­Ausbildung absolvieren, für sie ist dafür aber eine verkürzte Ausbildung vorgesehen. Diese verkürzte Ausbildung muss mit einer eigenen Ausbildungsbroschüre erfolgen. Dabei werden die Arbeiter mit Hilfe der Broschüre in die jeweiligen Erntetätigkeiten, für die sie angestellt wurden, eingewiesen. Dasselbe gilt auch für jene Arbeiter, welche mit dem Vertrag für Gelegenheitsarbeit beschäftigt werden. Diese Ausbildungsbroschüre steht auf der Internetseite des Südtiroler Bauernbundes zur Verfügung (siehe dazu auch Infokasten)

Bestimmte Arbeitsmittel

Die Bestimmung zur Verpflichtung, eine spezifische Befähigung für bestimmte Arbeitsmittel (Traktoren, Hebebühnen, Gabelstapler, Bagger, usw.) zu erlangen, gilt für alle betroffenen Arbeitsmittel, welche in der Landwirtschaft eingesetzt werden, seit 31. Dezember 2017. Betroffen sind all jene, die bestimmte Arbeitsmittel benutzen. Dies können Selbstständige, ihre mitarbeitenden Familienmitglieder, Arbeitgeber und Arbeitnehmer sein. Als mitarbeitende Familien­mit­glieder gelten sowohl jene, die in der Pflichtversicherung in der Landwirtschaft eingeschrieben sind (bauernversichert), als auch die Verwandten und Verschwägerten bis zum sechsten Grad, welche gelegentlich und unentgeltlich im Betrieb mitarbeiten.

Risikobewertung

Arbeitgeber müssen ihre Risiken und Schutzmaßnahmen in Form einer Risiko­bewertung ausarbeiten. Der Südtiroler Bauernbund hat eine eigene Vorlage zur Risikobewertung ausgearbeitet, welche den Stand­ardprozeduren entspricht. Diese steht für die Mitglieder auf der Internetseite des Bauernbundes unter https://bit.ly/sbb-risikobewertung zur Verfügung. Dort finden Mitglieder die gesamte Risikobewertung und auch ein Musterbeispiel. Familienbetriebe ohne Arbeitnehmer müssen die Risikobewertung aufgrund der Verpflichtung bezüglich „GlobalGAP“ und Agrios vornehmen. Die Vorgaben werden erfüllt, indem man die Risikobewertung auf der Basis der schriftlichen Vorlage des Bauernbundes vornimmt.

Die Einhaltung der Bestimmungen im Bereich Arbeitssicherheit trägt dazu bei, die Ernte sicher einzubringen. Weitere Informationen, Infoblätter und Formulare/Dokumente gibt es online unter www.sbb.it/service/arbeitssicherheit.

Broschüre auch digital

Der Arbeitnehmer kann die Ausbildungsbroschüre für die vereinfachte Ausbildung auch digital einsehen, ohne die gedruckte Version zu erhalten. Voraussetzung dafür ist, dass dem Arbeitnehmer die notwendige informatische Ausrüstung (PC, Laptop, Tablet usw.) ohne zusätzlichen Aufwand zur Verfügung steht und dass bei Bedarf die Möglichkeit eines Zugriffs auf das erhaltene Informationsmaterial besteht. In diesem Fall muss die Broschüre nicht ausgedruckt werden. Weiters muss im Ausbildungsnachweis angemerkt werden (unter „Zusätzliche und beigelegte Dokumentation“), dass die Ausbildungsbroschüre digital eingesehen wurde.