Südtiroler Bauernjugend, Südtiroler Landwirt | 05.08.2021

Bauernjugend kommt zusammen

Das Thema der heurigen Landesversammlung der Südtiroler Bauernjugend war das Wasser. Im Rahmen der Veranstaltung erhielt Familie Haas vom Faslarhof in Stilfs den Raiffeisen-Jungbergbauernpreis.

Bei ihrer Landesversammlung blickte die Bauernjugend auf ein herausforderndes Jahr zurück.

Bei ihrer Landesversammlung blickte die Bauernjugend auf ein herausforderndes Jahr zurück.

Das Wasser: Der Ursprung allen Lebens, die Grundlage für die Landwirtschaft und das verbindende Element, das alle zusammenhält. Das Wasser war auch das Motto der heurigen Landesversammlung der Südtiroler Bauernjugend (SBJ). Sie fand am Sonntag, dem 1. August, im Waltherhaus in Bozen statt. 

In ihren Grußworten griff Bauernjugend-Landesleiterin Angelika Springeth das Thema der Versammlung „Was(ser) verbindet uns“ auf. Sie erklärte: „Wasser wird als die Quelle des Lebens bezeichnet, in der Millionen kleine Tropfen eine Einheit bilden. Ohne das in Südtirol zur Verfügung stehende Wasser wäre die Landwirtschaft nicht möglich.“ Auch in der Südtiroler Bauernjugend bilden die 9000 Mitglieder der 150 Ortsgruppen eine Einheit, die gemeinsam viel bewegen kann. Sie werden durch Freundschaft, Geselligkeit und Gemeinschaft zusammengehalten. Durch die Corona-Maßnahmen der letzten Jahre wurde die Tätigkeit der Südtiroler Bauernjugend jedoch stark eingeschränkt. Angelika Springeth fordert die Politik deshalb auf, das Ehrenamt bei den schrittweisen Öffnungen nicht außen vor zu lassen. Die vielen unentgeltlichen Stunden, die die Mitglieder der SBJ leisten, seien unbezahlbar. 

Auch Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler appellierte in seinen Grußworten an die Politik: „Die Corona-Pandemie hat das Ehrenamt stark in Mitleidenschaft gezogen. Deshalb brauchen wir nun klare Regeln! Wir müssen das Virus gemeinsam bekämpfen, denn nur so kann das Vereinsleben wieder wie gewohnt stattfinden.“

„Freude nicht nehmen lassen“

Raffael Peer griff das Thema „Wasser“ aus politischer Sicht auf. Alle Sektoren benötigten Wasser, um zu wirtschaften. Besonders die Landwirtschaft ist bemüht, das Wasser präzise einzusetzen. Nach der Trinkwasserversorgung für die Bevölkerung sollte das Wasser für die Landwirtschaft – und somit für die Produktion von Lebensmitteln – genutzt werden. Peer sagte: „Obwohl die Bäuerinnen und Bauern viel Mühe und Leidenschaft in ihre Arbeit stecken, werden sie dennoch oft kritisiert. Wir dürfen uns aber die Freude an unserem so wichtigen Beruf nicht nehmen lassen!“ Besonders der Klimawandel wird die Landwirtschaft in den nächsten Jahren auf eine schwere Probe stellen. Wetterextreme zerstören ganze Ernten, und die Wasserverfügbarkeit wird sich verändern. „Genau deshalb muss der Landwirtschaft auch in Zukunft Wasser zugesichert werden“, erklärte Peer. Auch die Ausbreitung des Großraubwilds belaste laut Peer die Bäuerinnen und Bauern im Land. Die Almwirtschaft sei in Gefahr und damit auch die gepflegte Kulturlandschaft. Der Bauernjugend-Landesobmann forderte: „Wir brauchen eine Lösung für den ganzen Alpenraum! Denn das Großraubwild kennt keine Landes- oder Provinzgrenzen.“ 

Dank an scheidenden SBJ-Landesvorstand

Normalerweise nimmt bei der Landesversammlung der neue SBJ-Landesvorstand sein Amt an und die alte Landesführung tritt zurück. Aufgrund der Pandemie war dies heuer nicht möglich. Der neue Landesvorstand ist bereits im März per Briefwahl bestimmt worden. Trotzdem ergriff die SBJ-Landessekretärin Evi Andergassen die Gelegenheit und bedankte sich nochmals bei den ehemaligen Vorstehenden der Bauernjugend. Sie blickte auf zwei Jahre zurück, in denen die SBJ viel bewegt hat und vor viele neue Herausforderungen gestellt wurde.

Die Mitglieder der neu gewählten Landesführung Angelika Sprigeth, Raffael Peer, Anna Ludwig, Lukas Paris, Anna Michaeler, Petra Unterholzner und Thomas Mauroner erzählten in einem Video von sich. Auch die neuen Bezirksvertreterinnen und -vertreter stellten sich den Anwesenden vor.

Trotz Corona-Pandemie konnte die Südtiroler Bauernjugend auf ein aufregendes Jahr zurückblicken und einige Aktionen und Veranstaltungen Revue passieren lassen. Für den Rest des Jahres 2021 erwarten die Mitglieder der SBJ der Innovationspreis IM.PULS, die Landeslehrfahrt, ein Seminar zum „Potschen-Filzen“ und vieles mehr. Andere Veranstaltungen wie der Bauernjugend-Ball Anfang 2022 mussten hingegen bereits jetzt abgesagt werden. Der Kassabericht wurde verlesen und von der Vollversammlung genehmigt.

Jungbergbauernpreis vergeben

Lukas Paris stimmte die Versammlung auf die Verleihung des Raiffeisen-Jungbergbauernpreises ein. Ausschlaggebend bei der Nominierung für den Preis ist nicht die Bedürftigkeit einer Familie, sondern vor allem ihre Beispielhaftigkeit für den Bauernstand. In diesem Jahr wurden Manuel Haas und Petra Gerstl vom Faslarhof in Stilfs mit dem Jungbergbauernpreis ausgezeichnet (siehe eigenen Bericht in der Ausgabe 14 des „Südtiroler Landwirt“ vom 6. August auf Seite 13 oder online auf „meinSBB“).

Herbert Von Leon, Obmann des Raiffeisenverbands, überreichte der jungen Familie den mit 10.000 Euro dotierten Preis. Er erklärte: „Es ist jedes Mal beeindruckend zu sehen, unter welch schwierigen Bedingungen und doch mit wie viel Freude und Zuversicht junge Menschen ihren Hof bewirtschaf­ten.“ Die ausgezeichnete Familie soll den Bäuerinnen und Bauern ein Vorbild sein und eine Möglichkeit aufzeigen, wie man Südtirols Bergbauernhöfe zukunftsorientiert und wirtschaftlich attraktiv bewirtschaften kann. Paris sagte: „Dazu sind sicherlich nicht nur Fleiß und Einsatz, sondern vor allem auch eine geschickte Betriebsführung notwendig. Wichtig ist das Bewusstsein zur Selbstverantwortung, Selbstverwaltung und Selbsthilfe, damit der Bauernhof als Wirtschafts- und Lebensform attraktiv bleibt.“

Die Verleihung des Raiffeisen-Bergbauernpreises ist Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung für viele junge Bergbauernfamilien in Südtirol. Sie halten das Berggebiet und das Land lebendig.