Produktion | 05.08.2021

Aktuelle Weinbauversuche präsentiert

Die klimatischen Verhältnisse im Südtiroler Weinbau ändern sich, die Ernte wird durch Krankheiten und neue Schädlinge bedroht. Am Mittwoch, 4. August haben die Experten des Versuchszentrums in der Versuchsanlage Plantaditsch in Kaltern die Ergebnisse ihrer aktuellen Weinbauversuche vorgestellt. von Versuchszentrum Laimburg

Die Reisigkrankheit ist eine Rebvirose, die sich u. a. in Kümmerwuchs äußert und zu beträchtlichen Ertragsverlusten führen kann. (Foto: Versuchszentrum Laimburg)

Die Reisigkrankheit ist eine Rebvirose, die sich u. a. in Kümmerwuchs äußert und zu beträchtlichen Ertragsverlusten führen kann. (Foto: Versuchszentrum Laimburg)

Mehr als 70 Weinbauern, Techniker, Berater, Önologen haben sich in Plantaditsch (Kaltern) über die aktuellen Weinbauversuche des Versuchszentrums Laimburg informiert. Experten der Fachbereiche „Weinbau“, „Önologie“ und „Pflanzenschutz“ gaben Einblick in ihre Tätigkeiten und erläuterten verschiedene zurzeit laufende Versuche. 

Maßnahmen zur Verzögerung des Rebaustriebs
Arno Schmid, Experte für Technik im Weinbau, stellte einen Versuch vor, in dem verschiedene Schnittvarianten wie der späte Rebschnitt oder der Minimalschnitt untersucht werden, die einerseits gegen Spätfroste und andererseits auch zur Verzögerung der Reife eingesetzt werden können. Die Versuche haben im Hinblick auf die Austriebs- und Reifeverzögerung erste positive Erfahrungen mit der Sorte Ruländer ergeben. 

Hagelschäden und Weinqualität
Angesichts immer häufigerer Hagelschläge stellt sich im Weinbau die Frage, ob vernarbte und beschädigte Beeren ausgezupft werden sollten oder nicht, auch da das Entfernen der verletzten Beeren mit einem extremen Arbeitsaufwand verbunden ist. In einem groß angelegten Versuch in der Versuchsanlage Plantaditsch prüft das Versuchszentrum Laimburg, inwiefern sich Hagelschlag bzw. Entfernen oder Belassen stark beschädigter Beeren auf die Weinqualität auswirkt. Um dies zu ergründen, wurden in randomisierten Blöcken Hagel simuliert und danach umfangreiche agronomische Erhebungen und Weinausbauten vorgenommen. Die ausgebauten Jahrgänge wurden dann von einem professionellen Verkosterpanel sensorisch bewertet. Erste Ergebnisse zeigen, dass eine höhere Anzahl an beschädigten Beeren in der Weinbereitung die Weinqualität deutlich negativ beeinflusst. 

Auswirkungen von Klimaextremen
Welche Auswirkungen haben Klimaextreme wie Hitze und Trockenheit auf die Weinqualität und wie kann aufkommender Pflanzenstress frühzeitig erkannt werden? Diesen Fragen widmet sich das Projekt CLEVAS, in dem die Universität Innsbruck, die Freie Universität Bozen, Eurac Research und das Versuchszentrum Laimburg zusammenarbeiten. Das Forscherteam will Methoden entwickeln, um den Wasserstress der Kulturpflanzen frühzeitig erkennen und somit kostbare Wasserressourcen zielgerichteter einsetzen zu können. Darüber hinaus wird untersucht, wie viel Wasserstress Weißweintrauben aushalten können, ohne dass es zu Qualitätseinbußen kommt. Erhöhte Temperaturen können sich ersten Erkenntnissen zufolge negativ auf den Säuregehalt von Weißweinen sowie auf Farbe und Struktur von Rotweinen auswirken. 

Im Projekt werden Weinreben unter kontrollierten Bedingungen in den Spezialklimakammern des Zentrums für Extremklimasimulation terraXcube von Eurac Research am NOI Techpark untersucht. Dort können die Forscher unter jeweils verschiedenen Temperatur- sowie Bewässerungsbedingungen differenziert beobachten und messen, wie Rebstöcke auf zunehmenden Hitze- und Trockenstress reagieren. Parallel dazu führen die Experten des Versuchszentrums Laimburg einen Feldversuch in Plantaditsch bei Kaltern durch, um Reifeparameter zu erheben. Erste Ergebnisse des Freilandversuches sind im Frühling 2022 zu erwarten.

Eddy-Kovarianz-Messungen
Wie sich Rebanlagen mit gebietsüblicher Bewirtschaftung auf das Klima auswirken, untersuchen Leonardo Montagnani und Damiano Zanotelli von der Freien Universität Bozen am Standort Plantaditsch. Dazu machen sie sich die Eddy-Kovarianz-Methode zunutze, mithilfe derer der Gas- und Energiefluss zwischen dem Ökosystem Rebanlage und der Atmosphäre kontinuierlich und flächenhaft – d. h. räumlich integriert über mehrere Hektar – gemessen werden kann. Ziel ist es die Treibhausgasquellen und -senken zu quantifizieren. Die zeitlich hochaufgelöste Messung von Treibhausgasflüssen ermöglicht ein besseres Verständnis davon, wie sich Rebanlagen bei gebietsüblicher Bewirtschaftung auf das Klima auswirken. 

Langzeitversuch zur Bekämpfung von Rebvirosen 
In bestimmten Südtiroler Weinbaugebieten wie etwa im Raum Girlan stellt die Reisigkrankheit, eine Viruserkrankung der Rebe, ein großes Problem dar. Der Virusbefall, der sich in Verrieseln der Trauben, Kümmerwuchs, Zickzack-Wuchs und Panaschüre (Buntblättrigkeit) äußert, führt zu starken Ertragseinbußen. Um dem Problem auf den Grund zu gehen, legte die Arbeitsgruppe „Mittelprüfung“ des Versuchszentrums Laimburg 2017 einen Freilandversuch an, in dem verschiedene Maßnahmen zur Bekämpfung der Krankheit getestet werden. Dieses Jahr führen die Experten des Versuchszentrums zum ersten Mal detaillierte Virusanalysen durch, um in Erfahrung zu bringen, ob das Reisig-Virus in bestimmten Parzellen nachweisbar ist oder nicht. Mit ersten konkreten Ergebnissen ist in drei bis vier Jahren zu rechnen.

Bekämpfung von Miniermotten mit Biopräparaten
Einige Weinanlagen in Südtirol sind sehr stark von Miniermotten (Antispila) befallen. Bei hoher Befallsstärke können Miniermotten die zur Assimilation notwendige Blattfläche der Rebe erheblich reduzieren. Dies kann dazu führen, dass die verbliebene Blattfläche nicht mehr ausreicht, um die Trauben mit genügend Nährstoffen – in erster Linie Zucker – zu versorgen-. Aus diesem Grund führt die Arbeitsgruppe „Mittelprüfung“ des Versuchszentrums Laimburg eine mehrjährige Versuchsreihe zur Bekämpfung der Motte mit verschiedenen Biopräparaten durch. Erste Ergebnisse zeigen, dass der Zeitpunkt der Behandlung wichtiger für den Bekämpfungserfolg ist als die Wahl des Mittels.