Energie | 23.07.2021

Energie und Klima bieten Chancen

Der internationale Energiemarkt ist stark in Bewegung. Darauf weist der Südtiroler Energieverband (SEV) in ­einem Newsletter hin. Für die Landwirtschaft könnten aus Sicht des Bauernbundes einige dieser ­Entwicklungen, gerade auch in Bezug auf die Klimapolitik, durchaus interessant sein.

Geschäftsmodelle mit Photovoltaik werden auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen.

Geschäftsmodelle mit Photovoltaik werden auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen.

Erdöl und andere Rohstoffe sind zuletzt deutlich teurer geworden, die Importpreise steigen so stark wie seit über zehn Jahren nicht mehr. Die aktuellen Preissteigerungen bremsen die konjunkturellen Erholungstendenzen aus und bedrohen damit den ersehnten Wirtschaftsaufschwung. Es ist zu erwarten, dass die gestiegenen Rohstoffpreise auch den Inflationsdruck erhöhen. 

Was den Strommarkt betrifft, so haben die Preissteigerungen der Rohstoffmärkte einen starken Einfluss. Der Haupttreiber für den extremen Anstieg ist jedoch der CO2-Preis – dazu mehr weiter unten. Vergleicht man den Strompreis mit der Entwicklung des CO2-Preises, so sieht man eine sehr starke Überschneidung. 

Boom für Emissionszertifikate

Jahrelang dümpelte der Preis für CO2-Zertifikate um die 5 Euro je Tonne. Zwischenzeitlich sackte er gar unter 3 Euro, denn es waren viel mehr Emissionsrechte am Markt als die Industrie brauchte. Man sprach schon vom gescheiterten europäischen Emissionsrechtehandel. Nun aber scheint sich das europäische System des Emissionshandels doch noch zu bewähren. Seit 2018 steigt der CO2-Preis. Vor allem in den vergangenen Monaten haben sich die Zertifikate massiv verteuert. Lag der Preis an der Londoner Terminbörse noch im März 2020 bei unter 16 Euro, notiert er nun bei rund 50 Euro je Tonne und ist so teuer wie nie. 

Was ist der Grund für diese Entwicklung? Vor allem die verschärften Klimaschutzziele der EU spiegeln sich zunehmend im Emissionshandel wider. Brüssel will den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 um 55 statt 40 Prozent im Vergleich zu 1990 senken. Jeder EU-Staat muss außerdem einen eigenen Maßnahmenkatalog erarbeiten wie er diese Ziele erreichen will. Außerdem wird das Angebot an Emissionsrechten  künftig stärker verknappt und diese Aussicht auf Knappheit sorgt zusätzlich für einen Preisauftrieb. Viele Marktteilnehmer haben sich vorsorglich mit Emissionsrechten in Erwartung eines kräftigen Preisanstiegs eingedeckt. Von verschiedenen Experten wird noch in diesem Jahr mit einem Preis von 100 Euro je Tonne gerechnet. 

Chancen für die Landwirtschaft? 

Erwachsen aus dieser Entwicklung auch Chancen für die Südtiroler Landwirtschaft? Das muss die Zukunft zeigen, aber die Chancen stehen gut. Zum einen wird der Fokus, um die Klimaziele erreichen zu können, noch stärker auf erneuerbare Energien gelegt werden müssen. Das bedeutet, dass z. B. die Produktion von Waldhackgut wirtschaftlich interessanter werden kann. 

Die staatlichen Planungen sehen auch einen massiven Zuwachs bei Photovoltaik(PV)-Anlagen vor. Nach der vom Bauernbund initiierten Photovoltaik-Offensive vor rund zehn Jahren steht nun ein weiteres Bauernbund-Projekt kurz vor der Umsetzung, bei dem es um die Entwicklung von PV-Geschäftsmodellen für Südtiroler Landwirtschaftsbetriebe geht. Dabei spielt der Eigenverbrauch sicherlich eine große Rolle. Zur Erinnerung: Die Anlagen, die vor zehn Jahren errichtet wurden, sind inzwischen alle amortisiert und werfen Gewinne ab. Sie sind oft gerade in der Viehwirtschaft zu einem wichtigen Teil des jährlichen Betriebseinkommens geworden. Auch die Produktion von Biomethan als Treibstoff für umweltfreundlichere LKW-Flotten aus den heimischen landwirtschaftlichen Biogasanlagen kann ein Zukunftsmodell werden. Weiters kann die Landwirtschaft auch bei den CO2-Zertifikaten Teil der Lösung sein. Der Bauernbund möchte mit Partnern Kompensationsmodelle überlegen, die derzeit in Europa schon erprobt werden, bei denen Landwirte z. B. Humusaufbau im Boden betreiben oder Pflanzenkohle (Biokohle), die langfristig Kohlenstoff speichert, in den Boden einarbeiten. Damit wird Pflanzenkohle zu einer CO2-Senke. Der Bauer würde dann dafür pro Tonne gebundenem CO2 bezahlt werden. Dies könnte bei steigenden Preisen je Tonne durchaus relevant werden.

Zudem wird Holz im Bau als langfristiger Kohlenstoffspeicher eine große Rolle spielen, wie viele Experten prophezeien. Jeder Kubikmeter verbautes Holz bindet nämlich langfristig eine Tonne CO2. Die Folge werden höhere Preise für Rundholz sein, was den Südtiroler Bauern, die ja in der Summe die großen Waldbesitzer sind, nur recht sein kann. Damit wird mehr Holz aus den Wäldern geholt, diese bleiben gesünder und es fällt dann auch automatisch mehr Energieholz an. 

Fazit: Es müsste schon Vieles falsch laufen, wenn die Südtiroler Bauern von der Entwicklung am Energiemarkt und bei der Klimapolitik nicht profitieren könnten – vorausgesetzt, sie sind wie bisher innovationsbereit und aufgeschlossen. Der Bauernbund wird das Seine dazu tun, um die Rahmenbedingungen günstig zu gestalten.