Bauernbund, Südtiroler Landwirt | 24.06.2021

Wolf: Lasst uns einen ­anderen Weg gehen!

Der Bedrohung durch Großraubwild, besonders durch den Wolf, sind Tierhalterinnen und Tierhalter schutzlos ­ausgeliefert. Aber es gibt einen Weg, wie man das Problem in Südtirol aktiver angehen könnte – auf legalem Wege. von Siegfried Rinner, Direktor Südtiroler Bauernbund

Der Wolf ist eine Bedrohung: Es gäbe aber einen Weg, wie er in Schach gehalten werden kann, ist Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner überzeugt. Foto: Pixabay

Der Wolf ist eine Bedrohung: Es gäbe aber einen Weg, wie er in Schach gehalten werden kann, ist Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner überzeugt. Foto: Pixabay

Seitdem die diesjährige Almsaison begonnen hat, verfolgen uns fast täglich grausige Bilder in den Medien: von Wolf gerissene Schafe und Ziegen. Müssen solche Schreckensbilder veröffentlicht werden? Ja, sie müssen, denn das ist die Realität! Auch die betroffenen Tierhalter müssen weiterhin zu Wort kommen und ihren Ängsten öffentlich Ausdruck verleihen dürfen. 

All die guten Ratschläge und Erklärungen nützen wenig, wenn Bäuerinnen und Bauern mit ihren Ängsten und Sorgen allein gelassen werden. Diesen Eindruck hat der Südtiroler Bauernbund nämlich, und er ist nicht alleine mit dieser Ansicht.  Seit Jahren versuchen Politik und die zuständigen Ämter zwar, eine Möglichkeit zu finden, um die Wölfe zu regulieren, aber es sind keine Fortschritte zu erkennen. Was bisher getan wurde, ist deshalb zu wenig. 

Wer sich jetzt einen Aufruf zur Selbsthilfe erwartet, wird enttäuscht werden: Das könnte uns zwar im Einzelfall, aber nicht insgesamt weiterbringen, auch wenn ich wohl viel Zustimmung dafür bekommen würde. Im Folgenden soll aber ein Weg durch den Gesetzesdschungel der Europäischen Union gezeigt werden, der uns am Ende etwas in die Hand geben kann, um den Wolf in Schach zu halten – und zwar legal.

Dank Landesgesetz direkte Umsetzung möglich

Südtirol hat 2018 einen wichtigen Teilerfolg erzielt, indem ein Landesgesetz erlassen wurde, das es uns erlaubt, Teile der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU auch direkt und damit unabhängig vom Staat umzusetzen. Die Umsetzung dieser Richtlinie, wenn es darum geht, Ausnahmen vom Schutz bestimmter Tiere wie dem Wolf oder dem Bären zu erreichen, ist nichts für Biologen und Verwalter, sondern etwas für hoch spezialisierte Juristen. Was hat die Südtiroler Verwaltung und Politik bisher in diesem Zusammenhang getan? Sie ist als Teil dieses Staates natürlich den Weg über Rom gegangen. Seit Jahren versuchen die Landesämter, die nationale Umweltbehörde ISPRA und das Umweltministerium in Rom davon zu überzeugen, dass wir Wölfe entnehmen müssen, damit wir die Almwirtschaft und unsere Tiere schützen können. Allein, es geht nichts weiter! Offen gesagt, würde es verwundern, wenn sich das ändern sollte. Aber wie heißt es so schön: Viele Wege führen nach Rom. Warum geht Südtirol also nicht einen anderen Weg? 

Ohne näher in die Details zu gehen, ist die FFH-Richtlinie der EU durchaus flexibel und lässt unter gewissen Umständen eine Entnahme von Wölfen zu. Aber die Begründung muss wissenschaftlich und politisch sehr fundiert sein. Auch hier gilt: Südtirol allein ist dafür zu wenig gut aufgestellt. Zudem setzen sich unsere wissenschaftlichen Institutionen lieber dafür ein, den absoluten Schutzstatus des Wolfes zu zementieren, anstatt auch die Möglichkeiten einer Entnahme zu prüfen. 

Abgekürzt sagt die EU-Richtlinie Folgendes: Sofern es keine anderweitige zufriedenstellende Lösung gibt und die Wolfspopulation in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet in einem günstigen Erhaltungszustand verbleibt, können die Mitgliedsstaaten Ausnahmen vom Schutz machen. Und zwar zur Verhütung ernster Schäden insbesondere an Kulturen und in der Tierhaltung. Es müssen also eine Reihe von Bedingungen erfüllt sein, die natürlich alle penibel belegt werden müssen. 

Für Südtirol bedeutet das, dass wir eine Lösung für die Wolfspopulation in den Alpen finden müssen, und zwar gemeinsam mit den anderen Regionen der Alpen. Der Weg über Rom führt derzeit nämlich in die Sackgasse. Zudem empfiehlt die FFH-Richtlinie selbst, die Pläne und Maßnahmen für eine gesamte Population und am besten länderübergreifend zu treffen. Selbst der als Entwurf vorliegende nationale Aktionsplan Wolf empfiehlt eine länderübergreifende Zusammenarbeit. Auch der Europäische Gerichtshof geht zunehmend in diese Richtung. Es ist also nicht notwendig, auf den nationalen Wolfsplan in Rom zu warten, der vermutlich ohnehin keinen Spielraum für Abschüsse lassen wird. 
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Den ganzen Bericht und ein Interview mit Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler finden Sie ab Freitag in der Ausgabe 12 des „Südtiroler Landwirt“ vom 25. Juni auf Seite 6 oder online auf „meinSBB“.