Bäuerlicher Notstandsfonds | 24.06.2021

Schule dank „Zukunft schenken“

Schule und Ausbildung scheinen heute selbstverständlich, sie sind es aber nicht. Auch in Südtirol steht die Ausbildung von Kindern und Jugendlichen aus Familien in finanziellen und sozialen Härtefällen auf der Kippe. Der Bäuerliche Notstandsfonds unterstützt sie mit dem Projekt „Zukunft schenken“.

Wenn die Ausbildung auf der Kippe steht, kann der BNF mit „Zukunft schenken“ helfen. Foto: Pixabay

Wenn die Ausbildung auf der Kippe steht, kann der BNF mit „Zukunft schenken“ helfen. Foto: Pixabay

Lena ist 15, als ihr Vater die Diagnose erhält, die ihr Leben grundlegend verändern sollte: Hirntumor. Eine Operation kommt nicht mehr in Frage, bei weiteren Untersuchungen stellen die Ärzte Metastasen fest. Lenas Vater stirbt nach kurzem Leiden, hinterlässt seine Frau und die beiden Töchter: Lena und ihre Schwester Hanna, 11 Jahre alt. Die beiden Mädchen gibt es nicht wirklich. Auch die Geschichte, die hier erzählt wird, ist erfunden. Und doch nicht ganz: Denn es gibt immer wieder Fälle in unserem Land, in denen Familien Schicksalsschläge erfahren und ihr Leben neu in den Griff bekommen müssen. Oft kann der Bäuerliche Notstandsfonds helfen. Deshalb wollen wir Lenas Geschichte weitererzählen:

Die Familie hatte sich ein paar Jahre vorher den Wunsch erfüllt, eine Wohnung mit einem kleinen Garten zu kaufen. Dafür hatten sie ein Darlehen aufgenommen, das nun monatlich zurückbezahlt werden musste. Kein Problem, solange der Vater sein festes Gehalt als Bäcker erhielt und die Mutter als Teilzeitkraft im Supermarkt im Ort etwas dazuverdiente. Lenas Familie fehlte es an nichts: Da waren das Eigenheim, ein gemeinsames Auto, gemeinsame Urlaube und Ausflüge. Alles war in bester Ordnung. Bis zum Tod des Vaters. 

Schulbesuch auf der Kippe

Lena besucht die erste Klasse des Realgymnasiums, sie ist eine fleißige Schülerin, bekommt gute Noten. Nach der Matura möchte sie Medizin oder Mikrobiologie studieren. Genau weiß sie es noch nicht. Aber auf jeden Fall studieren, das ist ihr Herzenswunsch. Die Mutter unterstützt sie in ihren Plänen, nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes weiß sie aber nicht mehr, wie sie die Familie über die Runden bringen soll. Sie bekommt zwar eine kleine Hinterbliebenenrente und verdient etwas dazu, aber das Geld reicht hinten und vorne nicht: Da sind das Darlehen, das zurückbezahlt werden muss, das Auto, die Kosten für Lebensmittel, Kleider, Strom und Gas. Lena merkt, dass es ihrer Mutter nicht gut geht. Dass es dabei nicht nur um den Verlust ihres Mannes geht, ist dem Mädchen klar. Auch sie vermisst ihren Vater.

Je drückender die Stimmung wird, umso verzweifelter überlegt Lena, wie sie ihrer Mutter helfen kann. Schließlich will sie nicht auch noch sie verlieren. Sie ist groß genug, um Verantwortung zu übernehmen. Deshalb fasst sie sich ein Herz und redet mit ihrer Mutter: Wenn sie die Schule abbrechen und stattdessen eine Lehre beginnen würde? Dadurch könnte sie die Mutter finanziell entlasten oder sogar etwas zum Erhalt der Familie beitragen. Die Mutter will das auf keinen Fall, sie möchte, dass Lena studieren kann, so wie sie es sich wünscht.

Weil sie nicht mehr weiterweiß, wendet sich die Mutter an Lenas Klassenlehrerin. Sie hat immer ein offenes Ohr für die Schülerinnen und Schüler, sie hat nun auch eins für Lenas Mutter. Und gibt der Verzweifelten einen Rat: Sie solle sich an den Bäuerlichen Notstandsfonds wenden. Der hat durch das Projekt „Zukunft schenken“ schon vielen Kindern und Jugendlichen unter die Arme gegriffen, wenn es darum ging, ihre Ausbildung mitzufinanzieren, falls die Familie unverschuldet in Not geraten ist. Und zwar sowohl bäuerlichen als auch nicht bäuerlichen.

Mut und Hoffnung

Also wendet sich Lenas Mutter an den BNF. Zunächst telefonisch, dann fährt sie mit Lena zu einem Gespräch nach Bozen. Sie nimmt die Unterlagen mit, die es für das Gesuch braucht, das letzte Zeugnis der Tochter, die Klassenlehrerin hat ein Empfehlungsschreiben verfasst. Das hätte es zwar nicht gebraucht, aber Lena ist stolz darauf. Sie spürt, dass sie und ihre Mutter nicht allein sind, das gibt ihr Mut.

Als die beiden das BNF-Büro im Leegtorweg in Bozen verlassen, kommt zum ersten Mal wieder Hoffnung auf. Zwei Wochen später der positive Bescheid: Lena erhält – zunächst für das laufende Schuljahr – eine monatliche Beihilfe über das Projekt „Zukunft schenken“. Der monatliche Betrag ist zwar nicht hoch, aber er ist eine Entlastung für die drei Frauen, die ihren Weg nun allein weitergehen müssen. Lena fühlt sich gestärkt, sie will beweisen, dass sie den Beitrag verdient. Das treibt sie an, ihre Noten werden noch besser. Ihre Mutter ist froh und dankbar: So hat sie auch die Kraft, die Familie allein durchzubringen. Zwar müssen die drei auf einiges verzichten, aber ein Schulabbruch wäre viel schlimmer gewesen.

220-mal Zukunft geschenkt

Ebenso wie Lena in der Geschichte hat der BNF über das Projekt „Zukunft schenken“ allein im Jahr 2020 insgesamt 28 Kinder und Jugendliche unterstützt. Vor allem im Oberschulalter, in Einzelfällen auch beim Studium. Die Beiträge sind nicht hoch, aber eine Entlastung für die Familien. Die Schüler sind motiviert und wissen zu schätzen, dass sie ihre Ausbildung fortsetzen können.

Mit Spendengeldern und dank der Unterstützung langjähriger Partner ist es dem BNF seit dem Beginn des Projekts im Jahr 2008 gelungen, 220 Kindern und Jugendlichen eine höhere schulische Ausbildung im Gesamtwert von 625.000 Euro zu finanzieren. 

Familien, die von einem schweren Schicksalsschlag getroffen wurden und unverschuldet in Not geraten sind, können um eine Unterstützung für die Ausbildung ihrer Kinder ansuchen. Weitere Informationen erhalten Sie im Büro des Bäuerlichen Notstandsfonds unter 0471 999331, notstandsfonds@sbb.it oder auf www.menschen-helfen.it.

Wer hingegen dieses Projekt des BNF unterstützen möchte, kann eine Spende machen. Bei der Überweisung muss das Kennwort „Zukunft schenken“ angegeben werden.