Rechtsberatung, Südtiroler Landwirt | 24.06.2021

Aufpassen bei der Hofübergabe

Die Hofübergabe ist einer der bedeutendsten Momente im Leben: Sie ist nach einer arbeitsreichen Zeit mit der Hoffnung verbunden, dass der Betrieb auch in der Zukunft erfolgreich weitergeführt wird. Doch kann es auch böse Überraschungen geben ...

Wer eine Hofübergabe plant, sollte sich vorab gut über die verschiedenen Möglichkeiten informieren.

Wer eine Hofübergabe plant, sollte sich vorab gut über die verschiedenen Möglichkeiten informieren.

Wer einen Hof übergibt, ist in der Regel voller Zuversicht: Die „Alten“ blicken auf das zurück, was sie mit ihrem Hof erreicht haben, die „Jungen“ sind voller Tatendrang und Ideen, wie sie den Hof weiterentwickeln und ihre Ideen verwirklichen können. 

Doch wer nicht aufpasst, muss oft miterleben, wie aus dieser Zuversicht ein Albtraum wird. Dazu ein Beispiel: Franz will nach reiflicher Überlegung seinen Hof an seinen Sohn Hugo übergeben. Weil er sich an die eigene Hofübernahme erinnert, wählt er dafür den gleichen Weg wie einst sein Vater Luis (alle Namen frei erfunden, Anm. d. Red.): einen im benachbarten Österreich abgeschlossenen Kaufvertrag. Nachdem die Unterschriften der Eltern und des Übernehmers in einem österreichischen Grenzort beglaubigt wurden, muss der Vertrag bei der Agentur der Einnahmen und beim zuständigen Grundbuchamt vorgelegt werden. Alles läuft reibungs­los ab – und alle gehen wieder ihrer Arbeit nach ...

Nach einigen Monaten trifft allerdings ein Schreiben der Agentur der Einnahmen ein, mit welchem der Kaufvertrag überprüft und eine Steuernachforderung in sechsstelliger Höhe verlangt wird. Vater Franz und Sohn Hugo sind ratlos. Was haben sie falsch gemacht? Nachdem sie sich kundig gemacht haben, müssen sie sich entscheiden: Entweder sie setzen sich mit einem aufwändigen, langwierigen und teuren Steuerrekurs zur Wehr – mit ungewissem Ausgang – oder sie bezahlen die Forderung der Finanzverwaltung – vorausgesetzt, sie bringen das notwendige Geld dafür auf. Eine wahrhaft böse Überraschung ...

Was wird genau beanstandet?

Beanstandet wird im erwähnten Schreiben der Agentur für Einnahmen die Besteuerung der Übertragung selbst: Allgemein sind bei einem Kauf 15 Prozent Registersteuer auf die landwirtschaftlichen Grundparzellen und neun Prozent auf die Gebäude geschuldet, wobei die Steuer grundsätzlich auf den Marktwert berechnet wird. 

Unter sehr strengen Voraussetzungen ist es möglich, auf diese Steuern Begünstigungen zu beantragen, allerdings kann bei Weitem nicht jeder Hofübernehmende die Voraussetzungen dafür erfüllen. Weiters ist die Agentur der Einnahmen berechtigt, den im Vertrag angegebenen Kaufpreis einer Nachschätzung zu unterziehen und auf den vom Amt festgestellten Wert die Steuer einzuheben.  

Leider kein Einzelfall ...

Die Geschichte von Franz, Hugo und ihrer Hofübergabe ist leider kein Einzelfall. Immer wieder berichten Mitglieder des Südtiroler Bauernbundes über solche Vorfälle. In gutem Glauben, auch weil dies über viele Jahrzehnte immer so praktiziert wurde, werden die Hofübergabeverträge in dieser Form abgeschlossen. Allerdings geht man damit – wie das Beispiel zeigt – in steuerrechtlicher Hinsicht ein erhebliches Risiko ein. 

Alle Möglichkeiten gut abwägen

Die allermeisten Höfe werden nicht innerhalb der Familie verkauft, sondern an den Hofübernehmer verschenkt, zum großen Teil mit der Auflage, die weichenden Geschwister auszuzahlen. In steuerlicher Hinsicht ist es günstiger und sicherer, einen Schenkungsvertrag mit derselben Auflage abzuschließen. Als Besteuerungsgrundlage für die landwirtschaftlichen Grundstücke und Gebäude wird in diesem Fall der aufgewertete Katasterwert herangezogen, welcher auch von der Agentur der Einnahmen nicht beanstandet werden darf. Der Steuersatz ist niedriger, und es gibt mehrere Begünstigungen, die eventuell beantragt werden können. 

Allerdings können Schenkungsverträge nicht bei einem ausländischen Notar abgeschlossen werden. Die landläufige Meinung, Kaufverträge seien erbrechtlich nicht anfechtbar, ist mit Vorsicht zu betrachten, wenn der Kaufpreis nicht oder nur teilweise entrichtet wird. Eine brauchbare Alternative zur Hofübernahme mittels eines Kaufvertrags bietet ein Familienvertrag, sofern die Voraussetzungen gegeben sind. Mit einem Familienvertrag kann die Hofübergabe sowohl in steuerlicher als auch in erbrechtlicher Sicht sicher geregelt werden. 

Kompetenter Rat beim Bauernbund

Für Franz und seinen Sohn Hugo kommen diese Ratschläge leider zu spät – sie müssen sich mit ihrer schwierigen Situation abfinden. Die Zukunftspläne von Hugo und seiner jungen Familie sind erst einmal auf Eis gelegt. Allen anderen, die kurz vor dem wichtigen Schritt der Hofübergabe stehen, kann nur geraten werden: Lassen Sie sich auf jeden Fall vor der Hofübergabe gut beraten! Die Bezirksleiter des Südtiroler Bauernbundes sowie die Mitarbeiter der Rechtsabteilung am Bauernbund-Hauptsitz in Bozen stehen allen Hofübergebern und Hofübernehmen mit Rat und Tat zur Seite – und können damit einen Beitrag leisten, damit böse Überraschungen vermieden werden.