Arbeitsberatung | 24.06.2021

Arbeiter richtig beschäftigen

Landwirtschaftsbetriebe, welche Erntehelfer und andere landwirtschaftliche Arbeiterinnen und Arbeitnehmer beschäftigen, werden zu Arbeitgebern. Was diese alles berücksichtigen müssen, steht im folgenden Beitrag.

Um geeignete Arbeiter für die Erntezeit zu finden, sollte man sich frühzeitig auf die Suche danach machen.

Um geeignete Arbeiter für die Erntezeit zu finden, sollte man sich frühzeitig auf die Suche danach machen.

Die Rolle des landwirtschaftlichen Arbeitgebers ist mit formellen Verpflichtungen verbunden. Der Arbeitgeber übernimmt zudem die Verantwortung für die Handhabung des Arbeitsverhältnisses. Auch wenn die Erntezeit im Obst- und Weinbau – wo es am meisten landwirtschaftliche Arbeitsverhältnisse gibt – noch mehrere Monate entfernt ist, lohnt es sich, rechtzeitig die notwendigen Vorbereitungen zu treffen.

Erstmals Arbeitgeber

Betriebe, die das erste Mal landwirtschaftliche Arbeiter beschäftigen, müssen vor Beginn der Arbeit beim Nationalen Fürsorgeinstitut NISF/INPS die sogenannte Betriebsmeldung einreichen. Bei dieser Meldung müssen alle Grundstücke und Maschinen des Betriebes mitgeteilt werden. Es handelt sich dabei um eine einmalige Meldung, die nicht jährlich wiederholt werden muss. Es besteht allerdings die Verpflichtung, Änderungen wie neue Pachtflächen oder Kulturänderungen laufend mitzuteilen.  

Da zahlreiche Informationen abgefragt werden, sollten sich jene Betriebe, die die Lohnbuchhaltung bei der Abteilung Arbeitsberatung/Löhne des Südtiroler Bauernbundes machen wollen, aus organisatorischen Gründen einige Wochen vor Erntebeginn melden. Dadurch wird gewährleistet, dass alle Formalitäten fristgerecht erledigt werden können.

Zudem gilt es, die Verpflichtungen im Bereich Arbeitssicherheit einzuhalten. Neue Arbeitgeber müssen die Pflichtkurse besuchen und eine Risikobewertung abfassen.

Arbeiter bei zuständigen Ämtern melden

Die wichtigste Voraussetzung, um spätere Strafen – z. B. für Schwarzarbeit – zu vermeiden, ist eine pünktliche Anmeldung der Arbeiter beim Arbeitsamt. Auch die Arbeitsverhältnisse in der Landwirtschaft müssen bis spätestens am Tag vor Arbeitsbeginn beim Amt für Arbeitsmarktbeobachtung gemeldet werden. Der genaue Zeitraum der Beschäftigung der Arbeiter muss unbedingt von der Meldung beim Arbeitsamt abgedeckt sein.   

Die Meldung kann entweder von zu Hause aus gemacht werden (www.provinz.bz.it/arbeit – Menüpunkt „ProNotel2“) oder sie wird von den Mitarbeitern der Abteilung Arbeitsberatung vorgenommen. Die Übermittlung der Daten an den Bauernbund ist auch über das Portal „mein SBB“ möglich. Der Arbeitgeber muss eine Kopie der Anmeldung beim Betriebssitz aufliegen haben und eine den Arbeitern aushändigen. 

Nicht-EU-Bürger und ihre Staatsbürgerschaft 

Arbeiter, welche aus Ländern stammen, die Mitglied der Europäischen Union sind, können ohne zusätzliche Dokumente bei den Betrieben beschäftigt werden. Nicht-EU-Bürger benötigen hingegen eine gültige Aufenthaltsgenehmigung, die es ihnen erlaubt, in Italien ein Arbeitsverhältnis einzugehen. In den letzten Jahren hat es immer wieder Fälle gegeben, wo Personen, die in Nicht-EU-Ländern geboren wurden, die Staatsbürgerschaft eines EU-Mitgliedsstaates hatten – zum Beispiel Mazedonier mit einem bulgarischen Pass. Auch diese können in Italien arbeiten. Aber Achtung: Die Staatsbürgerschaft im EU-Staat muss klar erkennbar sein! Dies ist nur bei Vorlage eines Passes und nicht eines Personalausweises gegeben. Personalausweise erhalten in vielen Staaten (auch in Italien) auch Bürger ausländischer Staatsangehörigkeit.

Gemäß den gesetzlichen Bestimmungen erhalten Arbeitgeber, welche Nicht-EU-Bürger ohne gültige Dokumente beschäftigen, eine Strafanzeige.

Gemeinschaftliche Anstellung

Bei der gemeinschaftlichen Anstellung können zwei oder mehrere Betriebe zusammen Arbeitnehmer beschäftigen. Voraussetzung ist, dass die Betriebsinhaber bis zum dritten Grad (Nichte/Neffe, Onkel/Tante) verwandt bzw. verschwägert sind. Unter Verschwägerten versteht man dabei die Verwandten des Ehepartners.   

Um die gemeinschaftliche Anstellung anwenden zu können, müssen die Betriebe ein Abkommen abschließen, in dem sie festlegen, welcher Betrieb die Verpflichtungen des Arbeitsverhältnisses übernimmt. Dieses Abkommen muss dann mit „sicherem Datum“ – z. B. per zertifizierter E-Mail (PEC) – an den Südtiroler Bauernbund geschickt werden. 

Die jeweiligen Arbeitgeber haften solidarisch für die vertraglichen und sozialrechtlichen (Beiträge NISF/INPS) Verpflichtungen. Ein Arbeitnehmer hat somit zwei oder mehrere Arbeitgeber, er bekommt aber nur einen Lohnstreifen auf dem alle gearbeiteten Stunden und der Lohn angeführt sind. Die einzelnen Betriebe müssen jedoch weiterhin die Stunden separat notieren, da sie bei der Meldung an das NISF/INPS getrennt angeführt werden müssen.

Verleih von Arbeitern

Der Verleih von Arbeitern an andere Bauern bzw. die Leihe von Arbeitern von anderen Bauern ist gesetzlich verboten. Arbeitet ein Arbeiter bei zwei verschiedenen Arbeitgebern, muss er bei beiden Betrieben gemeldet sein. Außerdem müssen alle Betriebe die Voraussetzungen erfüllen, um Arbeiter zu beschäftigen. 

Einzige Ausnahme bilden autorisierte Leiharbeitsfirmen, welche in ein entsprechendes Album eingetragen sind. Sie dürfen Arbeitnehmer verleihen. In diesem Fall schließt der Betrieb einen Vertrag mit diesen Firmen ab. 

Falls Personen den Verleih von Arbeitern anbieten oder wenn sie anbieten, die Erntearbeiten zu übernehmen, sollte unbedingt überprüft werden, ob die Eintragung in das Verzeichnis der Leiharbeitsfirmen besteht. 

Die Bestimmungen in diesem Bereich wurden verschärft. So wird nun auch die systematische Ausnutzung von Arbeitskräften strafrechtlich geahndet. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn der Arbeiter unter dem kollektivvertraglich vereinbarten Lohn bezahlt wird oder wiederholt die Regeln zur Arbeitszeit verletzt werden.

Zahlung des Lohns in bar verboten

Seit einigen Jahren müssen alle Lohnzahlungen an die Arbeitnehmer über ein rückverfolgbares Zahlungsmittel erfolgen. Lohnzahlungen in bar sind verboten. Dies gilt auch für eventuelle Vorschüsse auf den Lohn. Ausgenommen sind lediglich die Arbeitsverhältnisse mit Pflegekräften und Haushaltshilfen.

Folgende Zahlungsformen sind zulässig:

  • Eine Überweisung an den vom Arbeitnehmer angegebenen IBAN. Der Arbeiter muss dazu ein Konto bei einer Bank bzw. bei der Post haben. Es kann auch ein ausländischer IBAN angegeben werden. Der Arbeiter kann somit sein Konto im Heimatland für die Lohnzahlung verwenden. In diesem Fall ist für die Überweisung zusätzlich der sog. SWIFT-Code nötig. Der Arbeitgeber muss nachweisen können, dass der IBAN vom Arbeiter angegeben wurde. Aus diesem Grund muss der Arbeiter den IBAN dem Arbeitgeber schriftlich mitteilen (Unterschrift des Arbeiters).
  • Mittels der Ausstellung eines Schecks, der direkt auf den Arbeitnehmer bzw. falls dies aus nachweislichen Gründen nicht möglich ist, an eine vom ihm bevollmächtigte Person, lautet. Bei den bevollmächtigten Personen muss es sich um den Ehepartner, den zusammenlebenden Partner bzw. einen Verwandten in direkter Linie handeln. Die Person muss älter als 16 Jahre sein.

Die Bezahlung des Lohns mittels Scheck wird vor allem in der Erntezeit zu Problemen führen, da das Einlösen des Schecks zeitaufwändig ist. Außerdem ist der Arbeiter an die Öffnungszeiten der Bank gebunden.  

Der Lohn, welcher den Arbeitern überwiesen wird, muss mit dem Nettolohn auf dem Lohnstreifen übereinstimmen. Es ist darum wichtig, den Lohnstreifen rechtzeitig verfügbar zu haben und die Stunden früh genug mitzuteilen. Bei Nichteinhaltung der Bestimmung ist eine Verwaltungsstrafe von 1000 bis 5000 Euro vorgesehen.

Neue Arbeitskräfte finden mit der Plattform „AgriJobs“

Die Suche nach neuen Arbeitern bereitet Arbeitgebern in manchen Fällen Sorgen. Der Bauernbund hat gemeinsam mit „Karriere Südtirol“, einem erfahrenen einheimischen Anbieter, eine Plattform für die Arbeitsvermittlung entwickelt. Die Plattform bringt Angebot und Nachfrage an Arbeitern in der Landwirtschaft zusammen, schnell und unbürokratisch. Inserate können auf „AgriJobs“ in deutscher und italienischer Sprache verfasst werden. Die Jobangebote sind dann auf Deutsch, Italienisch, Englisch, Russisch, Rumänisch, Polnisch und Slowakisch verfügbar. Gezielte Marketingkampagnen bewerben die Seite bei Arbeitsuchenden, die sich in ihrem Heimatland befinden. 

Der Zugang erfolgt über die Bauernbund-Plattform „mein SBB“. Ein Inserat kostet 10 Euro für ein Monat, die Verlängerung um ein weiteres Monat kostet je 8 Euro. 

„mein SBB“

Stundenmeldung online 

Der Südtiroler Bauernbund bietet diverse Online-Dienste an. So können die Stunden der Arbeiter über das Portal „Stundenmeldung“ mitgeteilt werden. Seit einigen Jahren gibt es zudem den neuen Online-Dienst „Arbeitermeldung“, mit dem die Daten der Arbeiter an die Abteilung Arbeitsberatung/Löhne übermittelt werden können. 

Das Verwenden der Online-Dienste ermöglicht es, den Lohnstreifen nach Abschluss der Stunden schnell zu bekommen, da er einfach vom Portal heruntergeladen werden kann. Die Ausarbeitung des Lohnstreifens erfolgt durch die Mitarbeiter der Arbeitsberatung zu den üblichen Bürozeiten. 

Wer die Online-Dienste noch nicht verwendet, muss diese freigeschaltet lassen. Für genauere Informationen kann man die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bauernbund-Abteilung Arbeitsberatung/Löhne kontaktieren.