Internationales | 17.06.2021

Glyphosat: keine neuen Gefahren

Für Glyphosat gibt es keine neuen Gefahren – außer denen, die bereits bekannt waren. Zu diesem Schluss kommt eine neuerliche Bewertung des umstrittenen Herbizidwirkstoffs, welche die Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) in Parma vorgelegt hat. von AgraEurope/AIZ

Die Diskussion über die Zukunft des Wirkstoffs Glyphosat nach 2022 hat begonnen. (Foto: Th-G_Pixabay)

Die Diskussion über die Zukunft des Wirkstoffs Glyphosat nach 2022 hat begonnen. (Foto: Th-G_Pixabay)

Das Gefahrenpotential von Glyphosat bedarf im Hinblick auf die Kanzerogenität und Reproduktionstoxizität sowie die Mutagenität von Keimzellen keiner Neueinstufung – heißt es in dem Bericht. Demnach kommen nach aktuellem Wissenstand keine neuen Risiken zu dem bislang bekannten Gefährdungspotential hinzu. Die aktuelle EU-weite Marktzulassung für Glyphosat läuft am 15. Dezember 2022 aus. 

Gefahren für Augen und Wasserorganismen bestätigt
Wie auch bisher wird der Pflanzenschutzmittelwirkstoff in der aktuellen Bewertung bei direktem Kontakt für schwere Augenschäden verantwortlich gemacht und langfristig als giftig für Wasserorganismen eingestuft. Nun obliegt es der EFSA sowie der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA), parallele Konsultationen zum Berichtsentwurf zu organisieren. Diese Befragungen sind öffentlich und sollen Anfang September starten.
Sobald die ECHA ihr Gutachten angenommen hat, wird die EFSA eigenen Angaben zufolge ihr „Peer-Review“ abschließen und ihre Schlussfolgerungen voraussichtlich Ende 2022 veröffentlichen. Auf Grundlage dieser Risikobewertung wird die Europäische Kommission den Mitgliedstaaten einen Vorschlag zu Glyphosat präsentieren.

Umstrittene Verlängerung im Jahr 2017
Ende 2017 hatten die EU-Mitgliedstaaten nach zuvor sehr langem und zähem Ringen mehrheitlich der erneuten Zulassung des Herbizidwirkstoffs um fünf Jahre zugestimmt. Neben Deutschland hatten sich seinerzeit 17 weitere EU-Staaten für die Wiederzulassung ausgesprochen, darunter Spanien, Polen, die Niederlande, Dänemark und Rumänien. Dagegen hatten neun Länder gestimmt, unter ihnen Frankreich, Italien und Österreich.
In Berlin hatte das Ja Deutschlands, das für die qualitative Mehrheit entscheidend gewesen war, für Furore gesorgt, da die betreffende Anweisung durch den damaligen Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt gegen das ausdrückliche Veto des Umweltressorts erfolgt war. Während der Deutsche Bauernverband (DBV) und der Industrieverband Agrar (IVA) die Entscheidung damals grundsätzlich begrüßten, die verkürzte Zulassungsdauer aber scharf kritisierten, hatten Umweltverbände die Neuzulassung als „Kniefall vor der Agrarlobby“ verurteilt. 

Teilverbot für Glyphosat in Österreich
In Österreich hat der Nationalrat erst vor wenigen Wochen ein Teilverbot von Glyphosat beschlossen. Verboten wird das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln mit dem Wirkstoff Glyphosat hinsichtlich der Indikation Vorerntebehandlung, sofern das Erntegut für Lebens- oder Futtermittelzwecke bestimmt ist sowie für Anwendungsbereiche auf folgenden Flächen: öffentlich zugängliche Sport- und Freizeitplätze, Kinderbetreuungseinrichtungen, Schwimmbäder, Bildungseinrichtungen, Kinderspielplätze, Park- und Gartenanlagen, Friedhöfe, Einrichtungen der Behindertenhilfe und der Altenbetreuung sowie Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen. Weiters gilt das Verbot für den Haus- und Kleingartenbereich und für die nicht berufliche Verwendung, sofern kein Sachkundenachweis vorliegt.